Wenn eine Hornisse laut durch den Garten brummt, gehen viele erst einmal auf Abstand. Bei ihrer Größe ist das verständlich. Doch abseits ihres Nestes geht die heimische Europäische Hornisse Menschen meist aus dem Weg. Sie ist damit beschäftigt, Insekten für ihre Larven zu fangen und Material für ihr Nest zu sammeln.
Warum sie auch nachts fliegt und was am Spruch „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen“ dran ist, erfährst du in diesen zehn Fakten.
1. Die Hornisse ist unsere größte heimische Faltenwespe

Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist unsere größte heimische Faltenwespe – das merkt man spätestens dann, wenn eine an einem vorbeifliegt.
Ihre Arbeiterinnen werden etwa 18 bis 25 Millimeter lang, die Königin kann rund 35 Millimeter erreichen. Neben der Größe fällt ihre Färbung auf: Kopf, Fühler und Beine sind überwiegend rotbraun, das Kopfschild an der Vorderseite des Kopfes ist gelb. Die Brust trägt dunkle und rotbraune Zeichnungen, der gelbe Hinterleib dunkle Bänder.

Schon gewusst?
Die Asiatische Hornisse ist deutlich dunkler als unsere heimische Hornisse. Besonders auffällig sind ihre gelben Beinenden. Bei der Europäischen Hornisse sind die Beine rotbraun.
Mehr Unterschiede findest du in meinem Artikel zur Asiatischen Hornisse.
2. Im Frühjahr beginnt alles mit einer einzigen Königin

Ein Hornissenvolk entsteht jedes Jahr neu. Im Frühjahr verlässt eine begattete Jungkönigin ihr Winterversteck und sucht eine geschützte Höhlung. Dort baut sie die ersten Wabenzellen, legt Eier hinein und versorgt den Nachwuchs zunächst allein. Sie muss also gleichzeitig bauen, jagen und ihre Larven füttern.
Erst wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, ändert sich das. Sie übernehmen nach und nach Nestbau und Nahrungssuche. Die Königin verlässt das Nest nun kaum noch und legt vor allem Eier.
Schon gewusst?
Die Königin hängt ihr erstes Nest an einem kleinen Stiel an die Decke der Nisthöhle. Daran formt sie sechseckige Wabenzellen und baut nach und nach bis zu etwa 50 weitere Zellen an.
3. Ihr Nest ist aus Holz – aber nicht aus Brettern

Mit ihren kräftigen Kieferzangen (Mandibeln) nagen Hornissen Fasern von morschem Holz ab. Sie zerkauen das Holz, mischen es mit Speichel und tragen die weiche Masse zum Nest. Dort bauen sie daraus sechseckige Wabenzellen und eine schützende Hülle – ganz ohne Wachs, wie es Honigbienen verwenden.
Als Nistplatz dienen ihnen vor allem Höhlungen: etwa in alten Bäumen, Schuppen oder Nistkästen. Fehlen natürliche Baumhöhlen, weichen sie gelegentlich auf Rollladenkästen oder andere geschützte Stellen am Haus aus.
Schon gewusst?
Die Farbe der Nesthülle kann unterschiedlich ausfallen. Hornissen tragen Fasern von verschiedenen Holzoberflächen zusammen – entsprechend entstehen helle und dunkle Streifen im „Papier“.
4. Ein Volk kann aus mehreren Hundert Hornissen bestehen

Zwischen Mitte August und Mitte September erreicht das Hornissenvolk seinen Höhepunkt. Dann leben etwa 400 bis 700 Tiere im Nest. Es kann bis zu 60 Zentimeter hoch und 20 bis 30 Zentimeter breit werden. In einer Baumhöhle oder einem anderen engen Hohlraum richtet sich seine Form nach dem verfügbaren Platz. Gegen Ende des Sommers wachsen neben Arbeiterinnen auch Männchen, die Drohnen, und neue Königinnen heran.
Schon gewusst?
Die Königin bewahrt Spermien von ihrer Paarung im Vorjahr in einer Samenblase (Receptaculum seminis) auf. Bei der Eiablage kann sie ein Ei befruchten oder unbefruchtet lassen. Aus unbefruchteten Eiern entstehen Männchen, aus befruchteten entwickeln sich Weibchen – Arbeiterinnen oder Jungköniginnen.
5. Für ihre Larven gehen Hornissen auf Insektenjagd

Erwachsene Hornissen fangen Fliegen, Wespen und andere Insekten. Sie zerkleinern die Beute und füttern damit ihre Larven, die für ihr Wachstum Eiweiß brauchen. Als Insektenjäger sind Hornissen Nützlinge im Garten.
Auch unsere heimische Hornisse fängt gelegentlich Honigbienen. Sie erbeutet meist nur wenige, die Bienenvölker werden dadurch in der Regel kaum beeinträchtigt. Einen deutlich stärkeren Jagddruck übt die Asiatische Hornisse aus: Sie schwebt vor den Fluglöchern der Bienenstöcke und fängt in großer Menge ein- und ausfliegende Honigbienen ab. Auch Wildbienen und andere Bestäuber gehören zu ihrer Beute.
Wichtiger Hinweis: Die Europäische Hornisse ist in Deutschland . Sie darf nicht getötet und ihr Nest nicht eigenmächtig entfernt werden. Liegt ein Nest an einer problematischen Stelle, ist die zuständige Naturschutzbehörde die richtige Anlaufstelle.
Schon gewusst?
Auch andere Wespen können auf dem Speiseplan der Europäischen Hornisse stehen. Sie ist damit selbst Jägerin innerhalb der Wespenfamilie.
6. Die erwachsenen Tiere brauchen vor allem Süßes

Während die Larven Insekten bekommen, decken ausgewachsene Hornissen ihren Energiebedarf vor allem mit zuckerhaltiger Nahrung. Sie trinken etwa austretenden Baumsaft und fressen an reifem Obst oder Fallobst. Wenn du eine Hornisse an einem Apfel beobachtest, sucht sie also nicht nach Fleisch für die Larven, sondern nach Energie für sich selbst.
Am Kaffeetisch ist die Hornisse nur selten zu Gast. Die Wespen, die sich für Kuchen und süße Getränke interessieren, sind meist die Deutsche Wespe oder die Gemeine Wespe.
Schon gewusst?
Auch im Nest finden Arbeiterinnen eine Energiequelle: Die Larven geben nach dem Füttern zuckerhaltige Flüssigkeit ab, die die Arbeiterinnen aufnehmen.
7. Hornissen sind auch nach Sonnenuntergang unterwegs

Viele Wespen sind bei Einbruch der Dunkelheit kaum noch zu sehen. Hornissen dagegen können auch in der Dämmerung und nachts fliegen. Das erklärt, warum abends manchmal eine große Hornisse am Fenster auftaucht, obwohl tagsüber keine zu sehen war.
Künstliches Licht in der Nacht kann Hornissen und andere Tiere bei der Orientierung stören. Diese führt auch dazu, dass sich Hornissen in beleuchtete Zimmer verirren. Schalte dann das Licht aus und öffne das Fenster weit – meist findet das Tier selbst wieder hinaus.
Schon gewusst?
Männliche Hornissen können nicht stechen. Einen Giftstachel besitzen nur die Weibchen – also die Königin und die Arbeiterinnen.
8. Im Nest betreiben sie eine Art Klimaanlage

Im Hochsommer kann es in einer geschlossenen Höhlung schnell zu warm werden. Hornissen bringen dann Wasser zum Nest und verteilen es auf der Hülle und den Waben. Wenn es langsam verdunstet, entzieht es der Umgebung Wärme – nach demselben Prinzip kühlt uns verdunstender Schweiß auf der Haut.
Die papierartige Nesthülle schützt den Nachwuchs zusätzlich vor Schwankungen der Außentemperatur.
Schon gewusst?
Hornissen sind nicht die einzigen Tiere, die Baumhöhlen brauchen. Auch Meisen und Fledermäuse nutzen sie als Brutplatz oder Quartier. Wo alte Höhlenbäume fehlen, wird der Platz knapp – selbst zwischen Tieren, die einander nicht jagen.
9. Ihr Stich ist gefährlich für Allergiker – der alte Mythos ist falsch

„Drei Hornissenstiche töten einen Menschen“: Dieser Spruch hält sich hartnäckig, stimmt aber nicht. Das Gift der Europäischen Hornisse ist nicht giftiger als das von Bienen oder anderen Wespen. Für Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Hornissenstich allerdings gefährlich werden. Treten Atemnot oder schwere allergische Reaktionen auf, wähle sofort den Notruf 112.
Abseits ihres Nestes weichen Hornissen Menschen meist aus. In Nestnähe solltest du ruhig bleiben, die Flugbahn nicht versperren und Erschütterungen vermeiden.
Schon gewusst?
Ein Hornissenstich wird oft als schmerzhafter empfunden als ein Wespenstich. Dazu können der längere, kräftigere Stachel und das im Hornissengift enthaltene Acetylcholin beitragen.
Nach einem Stich solltest du die Stelle nicht aufkratzen. Kühlen kann Schmerzen und Schwellung lindern. Wärme-Stichheiler wie heat it (ich habe immer einem am Schlüsselbund) lindern örtliche Beschwerden schnell.
10. Nur die jungen Königinnen überwintern

Ein Hornissenvolk lebt, genau wie Hummeln, nur eine Saison. Im Spätsommer wachsen Männchen und neue Königinnen heran. Nach der Paarung suchen sich die begatteten Jungköniginnen geschützte Winterquartiere. Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen sterben im Herbst.
Im nächsten Frühjahr gründet jede überlebende Jungkönigin ein eigenes Volk. Sie übernimmt nicht das alte Nest, sondern beginnt mit wenigen Zellen an einem neuen Platz. Deshalb verschwindet die Aktivität an einem Hornissennest spätestens mit dem Ende der Saison von selbst.
Schon gewusst?
Ein verlassenes Hornissennest wird im folgenden Jahr nicht erneut besiedelt. Die alten Waben bleiben dennoch ein spannender Blick auf die Baukunst des vergangenen Sommers.





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