Ich würde den letzten Satz streichen. Der Einstieg funktioniert allein:
Sie bauen Nester aus „Papier“, versorgen ihren Nachwuchs mit erbeuteten Insekten und kühlen ihre Kinderstube mit Wasser: Wespen können weit mehr, als um unseren Kuchen zu kreisen.
Hier erfährst du zehn spannende Fakten über Wespen – von ihrer Nahrung und ihren Sinnen bis zum Nestbau und zur Überwinterung. Im Mittelpunkt stehen heimische Arten, besonders die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica).
1. Nur zwei heimische Wespenarten kommen regelmäßig an unseren Tisch
Wenn wir an Wespen denken, meinen wir meistens die, die um unser Essen kreisen und uns auf die Pelle rücken. Dass es noch viele andere Wespenarten gibt, wissen viele gar nicht. Tatsächlich sind es in Deutschland vor allem die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, die sich regelmäßig für unsere süßen Speisen und Fleischwaren interessieren. Mit den anderen Wespenarten kommen wir in der Regel kaum in Berührung. Sie sind im Garten unterwegs und gehen uns Menschen aus dem Weg.


Auch die Europäische Hornisse (Vespa crabro) gehört zu den Wespen. Ebenso zählen die schlanken Feldwespen mit ihren im Flug oft herabhängenden Beinen dazu. „Wespe“ bezeichnet also keineswegs eine einzige Art mit einer einheitlichen Lebensweise. Wenn ein Tier im Garten auftaucht, lohnt es sich deshalb, etwas genauer hinzusehen.
2. Viele Wespen leben ohne Königin und Arbeiterinnen
Nicht jede Wespe gehört zu einem großen Volk. Zahlreiche Arten leben solitär: Jedes Weibchen kümmert sich selbst um den eigenen Nachwuchs. Ein gemeinsames Nest mit einer Königin und vielen Arbeiterinnen gibt es bei ihnen nicht. Je nach Art entstehen Brutzellen im Boden, in Pflanzenstängeln oder in vorhandenen Hohlräumen.

Viele dieser Wespen versorgen ihre Brutzellen mit erbeuteten Insekten oder Spinnen. Die Nahrung dient später den Larven. Daneben gibt es parasitoide Wespen, deren Nachwuchs sich in oder an einem anderen Tier entwickelt und dieses schließlich tötet. Ein Beispiel ist die Kohlweißlings-Brackwespe (Cotesia glomerata): Sie legt ihre Eier in Kohlweißlingsraupen ab, in denen anschließend ihre Larven heranwachsen.
Schon gewusst? Auch Wespen nutzen Wildbienen-Nisthilfen
In einer Nisthilfe für Wildbienen können auch solitäre Wespen einziehen. Jedes Weibchen legt dort seine eigenen Brutzellen an und versorgt den Nachwuchs allein – ganz ohne Königin und Arbeiterinnen.

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3. Erwachsene Wespen brauchen Zucker, ihre Larven vor allem Eiweiß
Warum sitzt dieselbe Wespenart einmal auf einer reifen Birne und ein anderes Mal auf einem Stück Grillfleisch? Dahinter stehen unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse. Erwachsene Arbeiterinnen der Deutschen und Gemeinen Wespe decken ihren Energiebedarf vor allem mit zuckerhaltigen Flüssigkeiten. Dazu gehören , Fruchtsäfte und Honigtau – die süßen Ausscheidungen von Blattläusen.

Die wachsenden Larven benötigen dagegen eiweißreiche Nahrung. Dafür erbeuten die Arbeiterinnen unter anderem Fliegen oder Raupen, zerkleinern sie mit ihren kräftigen Kiefern und tragen Portionen zum Nest. Auch ein abgetrenntes Stück Fleisch kann als Larvenfutter dienen. Die Larven geben wiederum ein nährstoffhaltiges Sekret ab, das erwachsene Tiere aufnehmen.
Wenn eine Wespe Beute davonträgt, versorgt sie also häufig ihren Nachwuchs. Damit leisten Wespen zugleich einen Beitrag zur natürlichen Regulierung anderer Insekten.
Schon gewusst?
Oft ist zu lesen, dass schon ein kleines Wespenvolk täglich ein halbes Kilogramm oder rund 3.000 Insekten und andere Kleintiere erbeutet. Das lässt sich aber nicht verallgemeinern: Die tatsächliche Menge hängt von der Wespenart, der Zahl der hungrigen Larven und dem Nahrungsangebot ab.
4. Wespen helfen auch bei der Bestäubung
Als Bestäuber fallen uns meist zuerst Bienen und Hummeln ein. Doch auch Wespen besuchen Blüten, um Nektar aufzunehmen. Dabei bleiben Pollenkörner an ihrem Körper haften und gelangen so zur nächsten Blüte. Ihr Beitrag wird leicht übersehen, weil wir sie häufiger mit ihrem Stachel als mit Blüten verbinden. Und ja, Hummeln sind einfach viel süßer. 😅

Für deinen Garten bedeutet das: Ein abwechslungsreiches Blütenangebot lockt neben Bienen und Hummeln auch Wespen in deinen Garten. Sie besuchen Blüten und jagen unter anderem Schädlinge.
5. Ihr Nest besteht aus zerkauten Holzfasern
Wespennester bestehen aus einem papierähnlichen Material, das die Tiere aus Pflanzenfasern und Speichel herstellen. Die Tiere nagen mit ihren Kiefern feine Fasern von Holz oder trockenen Pflanzenresten ab, zerkauen sie und verarbeiten den feuchten Brei am Nest. Beim Trocknen wird daraus ein leichter, fester Baustoff.

Vielleicht hast du schon eine Wespe an einem verwitterten Zaun oder Gartenmöbel beobachtet. Dort sammelt sie möglicherweise Material für ihre Kinderstube. Im Innern der Nester von Deutscher und Gemeiner Wespe liegen Waben mit Brutzellen. Eine mehrschichtige Hülle umgibt diesen Bereich.
Schon gewusst? Wespennester sehen nicht alle gleich aus
Feldwespen bauen kleine, offene Waben ohne schützende Außenhülle. Deutsche Wespen, Gemeine Wespen und Europäische Hornissen umgeben ihre Waben dagegen mit einer papierähnlichen Hülle.
6. Wespen kühlen ihre Kinderstube mit Wasser
An heißen Tagen sammeln Arbeiterinnen Wasser und verteilen es im Nest. Zusätzlich fächern sie mit ihren Flügeln Luft über die Waben. Das Wasser verdunstet und entzieht dabei der Umgebung Wärme – so wird die Brut vor Überhitzung geschützt.

Wasser wird außerdem für die Verarbeitung des Nestmaterials benötigt. Eine flache, saubere Wasserstelle mit sicheren Landeflächen aus Steinen kann im Garten hilfreich sein – am besten mit Abstand zum Esstisch.
7. Wespen besitzen neben ihren großen Augen drei kleine Punktaugen
Bei einer Nahaufnahme des Wespenkopfes fallen zunächst die beiden großen Facettenaugen auf. Jedes davon besteht aus vielen kleinen Seheinheiten. Damit nehmen die Tiere ihre Umgebung wahr und können unter anderem Bewegungen und Formen erkennen.

Auf der Oberseite des Kopfes sitzen zusätzlich drei kleine Punktaugen, die sogenannten Ocelli. Wespen besitzen damit insgesamt fünf Augen: zwei große Facettenaugen und drei Punktaugen. Die Punktaugen sind wesentlich einfacher aufgebaut und liefern vor allem zusätzliche Informationen über die Lichtverhältnisse.
Diese fünf Augen sind also keine fünf gleichartigen Kameras. Die unterschiedlichen Augentypen ergänzen sich. Auf einem ausreichend scharfen Makrofoto lassen sich die drei kleinen, meist dunkel glänzenden Punkte zwischen den großen Augen gut suchen.
Gut zu wissen
Das Zusammenspiel aus Facetten- und Punktaugen macht Wespen zu äußerst reaktionsschnellen Fliegern. Sie nehmen Bewegungen und Hindernisse schnell wahr und können ihre Flugrichtung entsprechend anpassen. Zudem sehen Wespen UV-Licht. Dadurch erkennen sie UV-Muster auf Blüten, die für uns Menschen unsichtbar sind und ihnen den Weg zu Nektar und weisen.
8. Wespen können sich lohnende Futterplätze merken
Taucht eine Wespe wiederholt an derselben Stelle auf, muss das kein Zufall sein. Die Deutsche Wespe kann sich Merkmale ihrer Umgebung einprägen und diese mit einer Futterquelle verknüpfen. Untersuchungen zeigen, dass bereits ein erfolgreicher Besuch ausreichen kann, damit sich die Tiere wichtige Orientierungspunkte rund um den Futterplatz merken.

Entfernten die Forschenden das Futter oder versetzten sie es, suchten Wespen teilweise weiter am zuvor eingeprägten Ort. Ihr Verhalten wird also nicht ausschließlich vom Geruch bestimmt. Auch frühere Erfahrungen beeinflussen, wo sie nach Nahrung suchen. Das hilft, zu verstehen, warum ein leergeräumter Teller noch eine Weile interessant bleiben kann.
Gut zu wissen
Einige Wespenarten absolvieren beim Verlassen ihres Nestes regelrechte Lernflüge. Dabei orientieren sie sich zunächst in der unmittelbaren Umgebung und prägen sich markante Punkte rund um den Nesteingang ein. Diese Orientierungshilfen nutzen sie später, um zuverlässig zum Nest zurückzufinden – eine erstaunliche Lernleistung!
9. Nur weibliche Wespen besitzen einen Giftstachel
Bei unseren Wespen können Königinnen und Arbeiterinnen stechen, Männchen dagegen nicht. Der Grund liegt in der Entwicklung des Stachels: Er ist aus einem ursprünglichen Eiablageapparat (Legebohrer) hervorgegangen. Männchen besitzen diesen Apparat nicht und haben deshalb auch keinen entsprechenden Giftstachel.

Weibliche Wespen setzen ihren Stachel zur Verteidigung ein. Anders als bei einer Honigbienen-Arbeiterin bleibt er beim Stich in menschliche Haut normalerweise nicht stecken. Eine Wespe kann ihn wieder herausziehen und erneut stechen.
Wann stechen Wespen?
Wespen stechen in der Regel nicht grundlos, sondern wenn sie sich bedroht fühlen – etwa wenn sie eingequetscht, festgehalten oder nach ihnen geschlagen wird. Besonders vorsichtig solltest du in der Nähe eines Wespennestes sein, denn dort verteidigen die Tiere ihr Volk.
Kommt eine Wespe zu dir, bleib ruhig und vermeide hektische Bewegungen. Schlage nicht nach ihr und puste sie nicht an. Bei Essen oder Getränken kannst du sie vorsichtig weglocken oder einfach abwarten, bis sie weiterfliegt. In Nestnähe gilt: Abstand halten und den direkten Anflugbereich nicht versperren.
10. Den Winter überleben nur die Jungköniginnen
Ein Volk der Deutschen oder Gemeinen Wespe besteht nur eine Saison. Im Laufe des Sommers entstehen neben Arbeiterinnen auch Männchen und neue Königinnen. Nach der Paarung suchen die Jungköniginnen geschützte Winterverstecke, etwa in morschem Holz oder anderen geeigneten Spalten.
Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen sterben im weiteren Verlauf der Saison. Wann ein Nest verwaist, hängt von Art und Witterung ab. Ein festes Datum im August oder September gibt es dafür nicht. Bei mildem Wetter können Deutsche und Gemeine Wespen bis weit in den Herbst aktiv bleiben.
Im nächsten Frühjahr beginnt eine überlebende Jungkönigin mit dem Nestbau und versorgt zunächst selbst ihre Larven. Erst wenn die ersten Arbeiterinnen herangewachsen sind, übernehmen diese viele Aufgaben. Das alte Nest wird normalerweise nicht erneut bezogen; ein günstiger Hohlraum kann jedoch wieder als Standort für einen Neubau dienen.
So unterstützt du Wespen in deinem Garten
Ein naturnaher Garten mit vielfältigen Lebensräumen bietet Wespen Nahrung, Nistmöglichkeiten und Rückzugsorte. Lass in einer ruhigen Ecke etwas und trockene Pflanzenstängel stehen. Heimische Blütenpflanzen und ein Verzicht auf Insektengifte unterstützen zugleich zahlreiche andere Gartenbewohner.

Am Esstisch helfen einfache Gewohnheiten: Speisen und Getränke abdecken, vor dem Trinken ins Glas schauen und Essensreste wegräumen. Ein besetztes Nest solltest du mit Abstand betrachten und seine Flugbahn freihalten. Liegt es an einer problematischen Stelle, können eine örtliche Wespenberatung oder die Naturschutzbehörde die Situation beurteilen.
Wespennester nicht eigenmächtig zerstören
Wild lebende Wespen unterliegen dem allgemeinen Artenschutz. Nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz dürfen sie nicht mutwillig beunruhigt oder ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch ihre Lebensstätten dürfen ohne vernünftigen Grund nicht beeinträchtigt oder zerstört werden. Für besonders geschützte Arten wie die Europäische Hornisse gelten zusätzliche Vorschriften. Lass mögliche Maßnahmen deshalb fachkundig klären.





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