10 faszinierende Fakten über Fledermäuse – lautlose Jäger der Nacht

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2026

Wenn in der Abenddämmerung kleine dunkle Silhouetten blitzschnell durch den Garten fliegen, sind meist Fledermäuse unterwegs. Die nachtaktiven Säugetiere jagen Mücken, Nachtfalter, Käfer und andere Insekten – und bleiben dabei für unsere Ohren fast vollkommen lautlos.

Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten heimischen Wildtieren. Sie fliegen mit ihren Händen, und orientieren sich mithilfe von Ultraschall. Obwohl viele Fledermäuse nur wenige Gramm wiegen, können einige Arten mehrere Jahrzehnte alt werden – ungewöhnlich lange für Säugetiere dieser Größe.

In diesem Artikel findest du zehn spannende Fakten über Fledermäuse und erfährst, wie du die nächtlichen Flugkünstler in deinem Garten unterstützen kannst.

1. Fledermäuse sind die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere

Vögel, Insekten und Fledermäuse können fliegen – doch unter den heimischen Säugetieren beherrschen nur Fledermäuse den aktiven Flug. Flughörnchen oder Gleitbeutler schweben lediglich von einem erhöhten Punkt zum nächsten. Fledermäuse erzeugen dagegen mit jedem Flügelschlag selbst Auftrieb und können ihre Flugrichtung gezielt verändern.

Ihre Flügel sind eigentlich stark umgeformte Hände. Zwischen den extrem verlängerten Fingerknochen spannt sich eine dünne, elastische Flughaut. Sie reicht seitlich bis zu den Hinterbeinen und bei vielen Arten sogar bis zum Schwanz. Der kurze Daumen bleibt frei und trägt eine Kralle, mit der sich das Tier festhalten und klettern kann.

Die empfindliche Flughaut ist von Blutgefäßen und Nerven durchzogen. Kleine Verletzungen können häufig wieder verheilen. Gleichzeitig liefert die Haut den Fledermäusen wichtige Informationen über Luftströmungen – beinahe so, als könnten sie die Luft mit ihren Flügeln ertasten.

2. Fledermäuse sind nicht blind

Die Redewendung „blind wie eine Fledermaus“ führt in die Irre. Fledermäuse besitzen funktionierende Augen und können je nach Art unterschiedlich gut sehen. Viele heimische Arten nehmen Helligkeit, Umrisse und Bewegungen wahr. In der Dämmerung hilft ihnen das Sehvermögen durchaus bei der Orientierung.

Für die Jagd in völliger Dunkelheit reicht Sehen allein jedoch nicht aus. Deshalb kombinieren Fledermäuse ihre Augen mit einem viel genaueren akustischen Orientierungssystem: der Echoortung. Sie sind also keineswegs blind – sie nehmen ihre Umgebung nur zusätzlich auf eine Weise wahr, die uns Menschen verborgen bleibt.

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3. Mit Ultraschall entsteht ein Hörbild der Umgebung

Während des Fluges stoßen Fledermäuse sehr hohe Rufe aus. Diese Ultraschalltöne liegen größtenteils außerhalb des menschlichen Hörbereichs. Treffen die Schallwellen auf einen Baum, eine Hauswand oder ein Insekt, werden sie als Echo zurückgeworfen.

Aus der Zeit bis zur Rückkehr des Echos, seiner Lautstärke und kleinen Veränderungen in der Tonhöhe erkennt die Fledermaus, wo sich ein Objekt befindet, wie groß es ungefähr ist und ob es sich bewegt. So entsteht in ihrem Gehirn ein detailliertes akustisches Bild der Umgebung.

Nähert sich eine Fledermaus ihrer Beute, verkürzt sie die Abstände zwischen den Rufen immer stärker. Kurz vor dem Fang entsteht eine schnelle Rufserie, die Fachleute als „feeding buzz“ bezeichnen. Mit einem Fledermausdetektor lassen sich die für uns unhörbaren Rufe in hörbare Signale umwandeln.

4. Heimische Fledermäuse sind nächtliche Insektenjäger

Alle in Deutschland heimischen Fledermausarten ernähren sich überwiegend von tierischer Kost. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Mücken, Nachtfalter, Käfer, Schnaken und andere fliegende Insekten. Manche Arten lesen Beutetiere außerdem direkt von Blättern, Ästen oder vom Boden ab.

Da kleine Fledermäuse einen schnellen Stoffwechsel besitzen, müssen sie in einer Nacht große Mengen Nahrung aufnehmen. Besonders säugende Weibchen benötigen viel Energie. Wie viele Insekten ein Tier tatsächlich erbeutet, hängt von der Fledermausart, der Beutegröße, dem Wetter und der Jahreszeit ab.

Für den Garten sind Fledermäuse wertvolle Mitbewohner. Sie regulieren nachtaktive Insekten ganz ohne Gift oder Fallen. Ein Garten mit vielen heimischen Pflanzen, einem naturnahen Teich und möglichst wenig künstlichem Licht bietet ihnen besonders gute Jagdbedingungen.

5. Kopfüberhängen kostet sie fast keine Kraft

Ruhende Fledermäuse hängen mit dem Kopf nach unten. Möglich wird das durch einen raffinierten Mechanismus in Füßen und Sehnen. Sobald das Tier sein Körpergewicht an die Krallen hängt, werden die Zehen automatisch in der geschlossenen Position gehalten. Dafür muss die Fledermaus ihre Muskeln kaum anspannen.

Die hängende Position erleichtert auch den Start. Viele Fledermäuse lassen sich zunächst ein kleines Stück fallen und beginnen dann zu fliegen. Vom ebenen Boden können sie zwar ebenfalls starten, dafür benötigen sie aber mehr Platz und Energie.

Nicht alle Fledermäuse hängen offen von einer Decke. Viele heimische Arten verbergen sich tagsüber in schmalen Spalten, Baumhöhlen, Rollladenkästen oder hinter Fassadenverkleidungen. Dort sind sie von außen häufig überhaupt nicht zu sehen.

6. Fledermausmütter gründen gemeinsame Wochenstuben

Im Frühjahr schließen sich die Weibchen vieler Fledermausarten zu sogenannten Wochenstuben zusammen. In diesen warmen und geschützten Quartieren bringen sie ihre Jungen zur Welt und ziehen sie gemeinsam auf. Je nach Art besteht eine Wochenstube aus wenigen Tieren oder aus größeren Kolonien.

Die meisten heimischen Fledermäuse bekommen nur ein Jungtier pro Jahr, Zwillinge sind eher selten. Das nackte und zunächst flugunfähige Junge klammert sich an seine Mutter oder bleibt mit den anderen Jungtieren im Quartier zurück, während die erwachsenen Tiere nachts jagen.

Nach wenigen Wochen beginnen die jungen Fledermäuse selbst zu fliegen. Wochenstuben reagieren in dieser Zeit besonders empfindlich auf Eingriffe von außen. Werden Einflugöffnungen verschlossen oder Quartiere bei Bauarbeiten zerstört, kann eine ganze Kolonie ihren Nachwuchs verlieren.

7. Zwischen Paarung und Befruchtung können Monate liegen

Viele heimische Fledermäuse paaren sich bereits im Spätsommer oder Herbst. Trotzdem werden ihre Jungen erst im folgenden Frühsommer geboren. Die Weibchen speichern die Spermien über mehrere Monate in ihrem Körper.

Erst nach dem Ende des Winterschlafs kommt es zum Eisprung und zur Befruchtung. Die anschließende Tragzeit dauert je nach Art und Umweltbedingungen ungefähr 40 bis 70 Tage. Dadurch fällt die energieaufwendige Entwicklung des Nachwuchses in eine Jahreszeit, in der wieder reichlich Insekten verfügbar sind.

Die Jungen kommen meist im Frühsommer zur Welt. Warme Nächte und ein großes Nahrungsangebot bieten den säugenden Weibchen und ihrem Nachwuchs dann besonders günstige Bedingungen.

8. Fledermäuse können erstaunlich alt werden

Kleine Säugetiere wie Mäuse leben gewöhnlich nur wenige Jahre. Fledermäuse passen nicht in dieses Muster. Einige Arten können mehrere Jahrzehnte alt werden: Die nur wenige Gramm schwere Große Bartfledermaus kann unter anderem ein Alter von mehr als 40 Jahren erreichen. Damit gehören Fledermäuse im Verhältnis zu ihrer Körpergröße zu den langlebigsten Säugetieren überhaupt.

Warum Fledermäuse so langsam altern, wird wissenschaftlich intensiv untersucht. Vermutlich spielen mehrere Faktoren zusammen: ein effizienter Zellstoffwechsel, besondere Reparaturmechanismen und ihre Lebensweise mit längeren Ruhephasen.

Allerdings erreicht längst nicht jede Fledermaus ein so hohes Alter. Viele Tiere sterben früher durch den Verlust ihrer Quartiere, den Straßenverkehr, Windenergieanlagen, Katzen oder den Rückgang ihrer Nahrung.

9. Im Winterschlaf läuft ihr Körper auf Sparflamme

In der kalten Jahreszeit verschwinden die meisten Fluginsekten. Heimische Fledermäuse überbrücken diese nahrungsarme Zeit im Winterschlaf. Dafür suchen sie frostfreie und möglichst ungestörte Quartiere wie Höhlen, Stollen, Keller, Baumhöhlen oder geeignete Gebäudespalten auf.

Während des Winterschlafs sinken Körpertemperatur, Herzschlag und Atmung stark ab. Die Tiere zehren von ihren im Herbst angelegten Fettreserven. Gelegentlich wachen sie auf und wechseln sogar den Hangplatz – jedes vollständige Aufwärmen kostet jedoch viel Energie.

Deshalb dürfen überwinternde Fledermäuse nicht angefasst, angeleuchtet oder anderweitig gestört werden.

10. Fledermäuse brauchen in unseren Gärten Nahrung, Dunkelheit und Quartiere

Fledermäuse bauen keine Nester und nagen keine eigenen Höhlen in Gebäude. Sie sind auf vorhandene Spalten, Hohlräume und Baumhöhlen angewiesen. Werden alte Bäume gefällt, Dächer saniert und kleine Öffnungen an Fassaden verschlossen, gehen viele traditionelle Quartiere verloren.

Auch künstliches Licht kann ihre Flugwege und Jagdgebiete beeinträchtigen. Lasse Gartenbeleuchtung deshalb nur so lange wie nötig eingeschaltet, richte sie gezielt nach unten und verzichte auf Licht an bekannten Quartieren, Hecken und Gewässern.

Mit heimischen, nachts duftenden Pflanzen, einem strukturreichen Garten und dem Verzicht auf Insektengifte förderst du die natürliche Nahrungsgrundlage. In unserem ausführlichen Ratgeber zeigen wir dir, wie du einen fledermausfreundlichen Garten gestaltest.

Fehlen am Haus oder im Baumbestand geeignete Spalten, kann ein gut gebauter Fledermauskasten zusätzliche Ruheplätze bieten. Worauf es bei Maßen, Material, Einflugschlitz und Standort ankommt, erfährst du in unserer Bauanleitung für einen Fledermauskasten.

Fledermäuse im Garten beobachten

Die besten Chancen auf eine Beobachtung hast du an milden, windstillen Abenden zwischen Frühjahr und Herbst. Stelle dich kurz nach Sonnenuntergang an einen Gartenteich, eine Hecke oder einen Gehölzrand und beobachte den noch hellen Himmel. Fledermäuse wirken im Flug wendiger und unregelmäßiger als Vögel.

Leuchte die Tiere nicht mit einer Taschenlampe an und versuche nicht, sie anzufassen. Findest du eine geschwächte oder verletzte Fledermaus, verwende bissfeste Handschuhe, setze sie vorsichtig in einen ausbruchsicheren Karton mit Luftlöchern und wende dich an eine regionale Fledermaus-Fachstelle. Gesunde Fledermäuse sind scheu – ein Tier in Not kann sich aus Angst jedoch mit einem Biss verteidigen.

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