Kaum ein Insekt beherrscht den Luftraum so souverän wie die Libelle. Mit ihren schillernden Flügeln schwebt sie scheinbar mühelos über Teiche, Bäche und naturnahe Gärten, wechselt blitzschnell die Richtung und verschwindet oft genauso plötzlich, wie sie aufgetaucht ist.
Doch hinter ihrem filigranen Aussehen steckt ein faszinierender Jäger mit einer außergewöhnlichen Geschichte. Libellen flogen bereits durch die Lüfte, als die ersten Dinosaurier noch lange nicht existierten. Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie unsichtbar unter Wasser, bevor sie sich in einer spektakulären Metamorphose in elegante Flugkünstler verwandeln.

Heute gehören Libellen zu den wichtigsten Nützlingen an Gewässern. Sie fressen große Mengen an Mücken und anderen Insekten und gelten als wertvolle Bioindikatoren für intakte Lebensräume.
Hier kommen zehn faszinierende Fakten über Libellen, die zeigen, warum diese uralten Insekten zu den beeindruckendsten Flugkünstlern der Natur zählen.
1. Libellen sind lebende Fossilien

Libellen fliegen bereits seit rund 320 Millionen Jahren durch die Lüfte und gehören damit zu den ältesten heute noch lebenden Insekten der Erde. Schon lange bevor die Dinosaurier die Erde bevölkerten, hatten ihre Vorfahren den Luftraum erobert.
Besonders bemerkenswert ist, dass sich ihr grundlegender Körperbau über einen enorm langen Zeitraum kaum verändert hat. Die Kombination aus langem Hinterleib, vier Flügeln und großen Facettenaugen hat sich im Laufe der Evolution als so erfolgreich erwiesen, dass sie bis heute erhalten geblieben ist.
Deswegen werden Libellen häufig als „lebende Fossilien“ bezeichnet.
2. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens unter Wasser

Auch wenn wir Libellen meist als elegante Flugkünstler wahrnehmen, verbringen sie den größten Teil ihres Lebens unter Wasser. Nach der Eiablage entwickeln sich zunächst Larven, die je nach Art ein bis fünf Jahre in Teichen, Seen, langsam fließenden Bächen oder anderen Gewässern leben.
In ihrer Wachstumsphase häuten sie sich mehrfach. Anders als die ausgewachsenen Libellen besitzen die Larven noch keine Flügel und führen ein vollständig verborgenes Leben am Gewässergrund oder zwischen Wasserpflanzen.
Erst nach Abschluss ihrer Entwicklung verlassen sie das Wasser, häuten sich ein letztes Mal und verwandeln sich in die flugfähige Libelle.
Die letzte, kurze Lebensphase beginnt: Sie leben jetzt nur noch wenige Wochen bis einige Monate.
3. Die Verwandlung zur Libelle ist ein faszinierendes Naturschauspiel

Nach ihrer Entwicklung unter Wasser verlässt die Libellenlarve das Gewässer und klettert an einen Schilfhalm, einen Ast oder einen anderen festen Untergrund. Dort beginnt einer der beeindruckendsten Momente im Leben einer Libelle: ihre letzte Häutung.
Zunächst platzt die Larvenhaut am Rücken auf. Anschließend arbeitet sich die ausgewachsene Libelle langsam aus ihrer alten Hülle heraus. Dieser Vorgang kann je nach Art und Temperatur ein bis mehrere Stunden dauern und findet häufig in den frühen Morgenstunden statt.
Sobald die Libelle ihre Larvenhaut vollständig verlassen hat, pumpt sie Körperflüssigkeit in ihre noch weichen Flügel. Erst dadurch entfalten sie ihre endgültige Größe. Anschließend härtet der Körper aus, die Flügel trocknen, und nach kurzer Zeit ist die Libelle bereit für ihren ersten Flug.
Die leere Larvenhaut bleibt am Halm zurück und wird als Exuvie bezeichnet. Mit etwas Glück lässt sie sich im Frühjahr oder Sommer an Teichen und anderen Gewässern entdecken – ein stiller Hinweis darauf, dass hier kurz zuvor eine neue Libelle geschlüpft ist.
4. Libellen können nahezu rundherum sehen.

Wer schon einmal versucht hat, eine Libelle mit der Hand zu fangen, weiß, wie schwierig das ist. Einer der Gründe dafür ist ihr außergewöhnliches Sehvermögen.
Den größten Teil ihres Kopfes nehmen zwei riesige Facettenaugen ein. Je nach Art bestehen sie aus bis zu 30.000 Einzelaugen (Ommatidien), die gemeinsam ein Mosaikbild der Umgebung erzeugen. Dadurch erkennen Libellen selbst kleinste Bewegungen in ihrer Umgebung.
Zusammen ermöglichen die beiden Facettenaugen ein Sichtfeld von nahezu 360 Grad. So können Libellen Beute, Artgenossen oder mögliche Feinde aus fast jeder Richtung wahrnehmen, ohne den Kopf bewegen zu müssen.
Neben den beiden großen Facettenaugen besitzen Libellen außerdem drei kleine Punktaugen auf der Oberseite des Kopfes. Diese sogenannten Ocellen nehmen vermutlich vor allem Helligkeitsunterschiede wahr und helfen den Tieren dabei, ihre Lage im Raum zu orientieren. Ihre genaue Funktion ist bis heute jedoch nicht vollständig geklärt.
5. Libellen gehören zu den erfolgreichsten Jägern der Tierwelt

Libellen zählen zu den erfolgreichsten Jägern überhaupt. Untersuchungen zeigen, dass sie bei der Jagd auf fliegende Beute in bis zu 95 % der Angriffe erfolgreich sind. Damit übertreffen sie viele bekannte Raubtiere wie Haie, Löwen oder Greifvögel deutlich.
Diese außergewöhnlich hohe Erfolgsquote verdanken Libellen ihrem perfekten Zusammenspiel aus hervorragendem Sehvermögen, schneller Reaktionsfähigkeit und präziser Flugkontrolle. Dadurch entkommt ihnen nur selten eine einmal ins Visier genommene Beute.
Kein Wunder also, dass Libellen unter Biologen als wahre Spitzenjäger gelten.
6. Libellen berechnen die Flugbahn ihrer Beute

Libellen verfolgen ihre Beute nicht einfach blind. Stattdessen fliegen sie den Punkt an, an dem sich das Insekt voraussichtlich wenige Augenblicke später befinden wird. Forschende sprechen dabei von einem Abfangkurs – einer Jagdstrategie, die besonders effizient ist.
Hochgeschwindigkeitsaufnahmen zeigen, dass Libellen ihre Beute während des Flugs ständig im Blick behalten und ihre eigene Flugbahn fortlaufend anpassen. So können sie blitzschnell auf Richtungswechsel reagieren und den günstigsten Moment zum Zugriff wählen.
Je nach Art unterscheiden sich dabei auch die Jagdmethoden. Großlibellen wie die Königslibelle patrouillieren aktiv durch ihr Revier und fangen ihre Beute im Flug mit ihren zu einem Fangkorb geformten Beinen. Kleinlibellen und Heidelibellen lauern dagegen häufig auf einer Sitzwarte und starten erst, wenn ein geeignetes Beutetier vorbeifliegt.
Diese vorausschauende Jagdstrategie ist einer der Gründe dafür, warum Libellen zu den erfolgreichsten Jägern der Tierwelt gehören.
7. Libellen sind wahre Flugakrobaten

Kaum ein anderes Insekt beherrscht den Luftraum so souverän wie die Libelle. Dank ihrer vier unabhängig voneinander beweglichen Flügel kann sie Flugmanöver ausführen, die für die meisten anderen Insekten unmöglich sind.
Libellen können in der Luft auf der Stelle schweben, abrupt die Richtung wechseln, seitwärts oder sogar rückwärts fliegen. Je nach Art erreichen sie dabei Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h.
Wer eine Libelle über einem Gartenteich beobachtet, kann diese Flugkünste besonders gut erkennen. Oft scheint sie für einen Moment regungslos in der Luft zu stehen, bevor sie im nächsten Augenblick mit hoher Geschwindigkeit davonschießt.
8. Vor Millionen Jahren gab es riesige Libellen mit bis zu 70 cm Flügelspannweite.

Vor rund 300 Millionen Jahren flog mit Meganeura ein Verwandter der heutigen Libellen durch die Urwälder. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 70 Zentimetern zählt er zu den größten flugfähigen Insekten, die jemals existierten.
Warum diese urzeitlichen Insekten so groß werden konnten, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Lange galt der höhere Sauerstoffgehalt der damaligen Atmosphäre als wichtigste Erklärung. Neuere Untersuchungen stellen diese einfache Erklärung jedoch infrage. Wahrscheinlich spielten mehrere Faktoren zusammen – etwa Klima, Lebensräume, Konkurrenz und der damals andere Räuberdruck.
Die heutigen Libellen sind zwar deutlich kleiner, ihr grundlegender Körperbau hat sich jedoch über Millionen von Jahren bewährt. Wer heute eine Libelle beobachtet, blickt deshalb auf die Nachfahren einer der ältesten Insektengruppen der Erde.
9. Libellen sind für Menschen vollkommen harmlos

„Teufelsnadel“, „Augenstecher“ oder „Wasserschneider“ – im Volksmund tragen Libellen seit Jahrhunderten geheimnisvolle und teilweise furchteinflößende Namen. Dahinter verbirgt sich jedoch nichts weiter als alter Aberglaube, denn Libellen sind für Menschen vollkommen harmlos.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme besitzen Libellen keinen Stachel. Was bei den Weibchen am Hinterleib wie ein Stachel aussieht, ist der Legebohrer. Mit ihm werden die Eier an oder in Wasserpflanzen abgelegt – zur Verteidigung dient er nicht.
Zwar verfügen Libellen über kräftige Mundwerkzeuge, mit denen sie ihre Beute festhalten und zerkleinern. Gegenüber Menschen verhalten sie sich jedoch ausgesprochen scheu.
10. Libellen helfen dabei, Mücken im Garten zu reduzieren

Libellen gehören zu den nützlichsten Insekten im Garten. Sowohl die Larven im Wasser als auch die ausgewachsenen Tiere ernähren sich räuberisch und fressen eine Vielzahl anderer Insekten.
Besonders häufig stehen Stechmücken, Zuckmücken und andere kleine Fluginsekten auf ihrem Speiseplan. Eine einzige Großlibelle kann dabei mehr als 100 Mücken pro Tag erbeuten. Wer einen Gartenteich besitzt, kann dieses Jagdverhalten oft selbst beobachten:
Immer wieder patrouillieren Libellen über der Wasseroberfläche und greifen blitzschnell nach vorbeifliegenden Insekten.
Doch Libellen sind nicht nur erfolgreiche Jäger, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Sie tragen dazu bei, Insektenpopulationen im Gleichgewicht zu halten, und dienen gleichzeitig zahlreichen Tieren als Nahrung.

Ein naturnaher Gartenteich mit flachen Uferzonen, heimischen Wasserpflanzen und einer guten Wasserqualität bietet Libellen ideale Bedingungen.


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