Hummeln gehören zu den ersten Insekten, die wir im Frühjahr beobachten können. Schon an kühlen Tagen summen sie von Blüte zu Blüte, während viele andere Bestäuber noch gar nicht unterwegs sind.
Mit ihrem dichten Pelz und dem tiefen Brummen wirken sie gemütlich – tatsächlich sind Hummeln jedoch hochspezialisierte Wildbienen. Sie können ihre Flugmuskeln aufheizen, Pflanzen durch Vibration bestäuben und jedes Jahr einen neuen Staat gründen.
Wir haben zehn faszinierende Fakten zusammengestellt, die zeigen, warum Hummeln zu den wichtigsten und zugleich erstaunlichsten Bestäubern unserer heimischen Natur gehören.
1. Hummeln sind Wildbienen

Hummeln werden oft für eine eigene Insektengruppe gehalten. Tatsächlich gehören sie zu den Wildbienen. Gemeinsam bilden alle Hummelarten die Gattung Bombus innerhalb der Familie der Echten Bienen.
Weltweit sind heute rund 250 Hummelarten bekannt. In Deutschland kommen etwa 45 Arten vor – darunter bekannte Vertreter wie die Erdhummel, Gartenhummel, Ackerhummel oder Baumhummel.
Anders als Honigbienen werden Hummeln nicht vom Menschen gehalten. Sie leben frei in der Natur und gehören deshalb zu den Wildbienen.
Schon gewusst?
Obwohl Hummeln Staaten bilden, zählen sie zu den Wildbienen. Als Wildbienen werden alle Bienenarten bezeichnet, die nicht zur Honigbiene (Apis mellifera) gehören.
2. Hummeln fliegen schon bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt

Während Honigbienen erst bei höheren Temperaturen aktiv werden, fliegen Hummeln bereits bei etwa 2 bis 5 °C.
Möglich wird das durch ihre kräftigen Flugmuskeln. Noch bevor sie starten, lassen sie diese schnell zittern und erzeugen dadurch Wärme. So bringen sie ihre Körpertemperatur auf rund 30 bis 35 °C, trotz kälterer Umgebungstemperatur.
Ihr dichter Pelz hilft zusätzlich dabei, diese Wärme zu speichern.
Deshalb gehören Hummeln zu den wichtigsten Bestäubern im zeitigen Frühjahr. Schon wenn Krokusse, Weiden oder Lungenkraut blühen, sind sie unterwegs.

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3. Hummeln bestäuben Blüten durch Vibration
Hummeln beherrschen eine Fähigkeit, die Honigbienen fehlt.
Bei bestimmten Pflanzen klammern sie sich an die Blüte und lassen ihre Flugmuskeln extrem schnell vibrieren. Dabei entstehen Schwingungen, durch die der regelrecht aus den Staubbeuteln geschüttelt wird.
Dieses Verfahren nennt sich Vibrations- oder Buzz-.
Besonders wichtig ist diese Technik beispielsweise für:
- Tomaten
- Auberginen
- Heidelbeeren
- Preiselbeeren
- einige Nachtschattengewächse

Schon gewusst?
In vielen Gewächshäusern arbeiten Hummeln als natürliche Bestäuber. Gemüsebetriebe setzen dafür fertige Hummelboxen mit einer Königin und ihrem Volk ein. Vor allem Tomaten werden so besonders effizient bestäubt, da Hummeln durch ihre Vibrationen den Pollen aus den Blüten lösen können.
So bestäuben Hummeln Tomaten und Heidelbeeren durch Vibration
Im folgenden Video siehst du, wie Hummeln durch feine Vibrationen den Pollen aus den Blüten von Heidelbeeren und Tomaten lösen – eine faszinierende Bestäubungstechnik, die diese Pflanzen besonders effizient befruchtet.
4. Nur die Königin überwintert
Im Herbst endet das Leben eines Hummelvolkes. Nach der Paarung sterben Arbeiterinnen, Drohnen und die alte Königin. Nur die jungen, begatteten Königinnen überleben. Sie suchen sich ein geschütztes Winterquartier im Boden, unter Moos oder in einer Laubschicht. Im folgenden Frühjahr erwachen sie aus der Winterruhe und gründen ganz allein einen neuen Hummelstaat – der Kreislauf beginnt von vorn.

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5. Ein Hummelvolk lebt nur einen Sommer
Im Gegensatz zur Honigbiene existiert ein Hummelstaat nur wenige Monate.
Nach dem Erwachen im Frühjahr ist die Königin zunächst auf sich allein gestellt.
Sie muss:
- einen geeigneten Nistplatz finden
- Nektar und Pollen sammeln
- die ersten Eier legen
- Brut und Larven versorgen
- das Nest ausbauen
Sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, kümmern sie sich um Nahrungssuche und Brutpflege.
Übrigens: Je nach Art umfasst ein Hummelvolk zwischen etwa 50 und 600 Tiere.
Zum Vergleich: Ein Honigbienenvolk kann aus über 50.000 Individuen bestehen.
6. Manche Hummeln betreiben Nektarraub

Nicht jede Hummel besitzt eine ausreichend lange Zunge, um an den tiefkelchiger Blüten zu gelangen.
Einige kurzrüsselige Hummelarten umgehen dieses Problem auf spannende Weise: Sie beißen mit ihren Mundwerkzeugen ein kleines Loch in die Blütenbasis oder den Blütensporn und trinken den Nektar direkt.
Da sie dabei die eigentliche Blütenöffnung umgehen, kommen sie nicht mit den Staubblättern oder der Narbe in Kontakt – die Pflanze wird in diesem Fall also nicht bestäubt.
Dieses Verhalten wird als primärer Nektarraub bezeichnet.
Besonders spannend: Andere Hummeln nutzen die bereits vorhandenen Löcher später ebenfalls, anstatt selbst neue zu beißen. Dieses Verhalten nennt man sekundären Nektarraub.
7. Hummeln finden zuverlässig nach Hause

Obwohl Hummeln oft mehrere hundert Meter weit fliegen, finden sie ihr Nest zuverlässig wieder.
Dafür führen junge Arbeiterinnen zunächst sogenannte Orientierungsflüge durch.
Dabei drehen sie mehrere Kreise vor dem Nest und prägen sich markante Landschaftsmerkmale ein.
Zusätzlich nutzen sie:
- Sonnenstand
- Kontraste
- Geländestrukturen
- Farben
- Gerüche
Schon gewusst?
An einem Hummelkasten lässt sich der Orientierungsflug besonders genau beobachten. Wenn junge Arbeiterinnen das Nest zum ersten Mal verlassen, fliegen sie zunächst mehrmals in kleinen Kreisen vor dem Eingang, bevor sie sich auf Nahrungssuche begeben. So prägen sie sich die Umgebung ihres Nests ein.
8. Kuckuckshummeln übernehmen fremde Nester
Nicht alle Hummeln gründen einen eigenen Staat. Die sogenannten Kuckuckshummeln verzichten vollständig auf den Nestbau.
Stattdessen dringen sie in bestehende Hummelnester ein. Dort töten oder verdrängen sie die ursprüngliche Königin. Die vorhandenen Arbeiterinnen ziehen anschließend den Nachwuchs der Eindringlinge groß.
Ein ähnliches Verhalten kennt man auch vom Kuckuck unter den Vögeln.
9. Hummeln gehören zu den wichtigsten Bestäubern Europas

Viele Wild- und Kulturpflanzen sind auf Hummeln angewiesen.
Sie fliegen:
- früher im Jahr
- länger am Tag
- auch bei Wind
- bei niedrigen Temperaturen
Dadurch bestäuben sie zahlreiche Pflanzen, wenn andere Insekten kaum aktiv sind.
Besonders profitieren:
- Obstbäume
- Himbeeren
- Heidelbeeren
- Bohnen
- Tomaten
- Klee
- zahlreiche Wildblumen
Ein naturnaher Garten mit Hummeln ist deshalb meist auch ein artenreicher Garten.
10. Hummeln sind friedlich

Viele Menschen haben Angst vor Hummeln – dabei gehören sie zu den friedlichsten heimischen Wildbienen. Meist sind sie so sehr mit der Nahrungssuche beschäftigt, dass sie Menschen kaum beachten. Selbst wenn man ihnen beim Sammeln an einer Blüte sehr nahekommt, fliegen sie unbeirrt einfach weiter.
Wirklich wehrhaft werden Hummeln erst, wenn sie sich unmittelbar bedroht fühlen oder ihr Nest verteidigen müssen. Wer ein Hummelnest erschüttert, eine Hummel festhält oder sie einklemmt, riskiert einen Stich. Im normalen Gartenalltag kommt das jedoch außergewöhnlich selten vor.
Deshalb gilt: Wer Hummeln in Ruhe lässt und ausreichend Abstand zum Nest hält, wird praktisch nie gestochen.
Gut zu wissen:
Nur weibliche Hummeln besitzen einen Stachel. Anders als bei der Honigbiene bleibt dieser nach einem Stich nicht in der menschlichen Haut stecken. Deshalb können Hummeln mehrfach stechen.
Fun Fact: Manche Hummeln übernachten in Blüten
Vor allem männliche Hummeln verbringen die Nacht häufig direkt in Blüten. Anders als Arbeiterinnen kehren sie nach dem Verlassen ihres Geburtsnests nicht mehr dorthin zurück. Stattdessen ziehen sie auf der Suche nach Nahrung und paarungsbereiten Königinnen umher.
Geschlossene oder tief geformte Blüten bieten ihnen nachts einen geschützten Schlafplatz und dienen bei Regen auch als Unterschlupf. Wer frühmorgens unterwegs ist, kann mit etwas Glück noch eine schlafende Hummel in einer Blüte entdecken.
FAQ – Häufige Fragen zu Hummeln
Ja. Alle Hummelarten gehören zu den Wildbienen und bilden die Gattung Bombus.
Ja, aber sie tun dies nur zur Verteidigung. Während des Blütenbesuchs sind Hummeln ausgesprochen friedlich.
Sie können ihre Flugmuskeln vor dem Start aufwärmen und dadurch bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt aktiv werden.
Nur einen Sommer. Lediglich die jungen Königinnen überwintern und gründen im folgenden Frühjahr neue Völker.
Je nach Art in verlassenen Mäusenestern, unter , in Graspolstern, Steinspalten oder Baumhöhlen.
Mit heimischen Wildblumen, einem durchgehenden Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst, strukturreichen Ecken, Totholz, offenen Bodenstellen und dem Verzicht auf Pestizide.





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