Schmetterlinge schützen: Unterrichtsmaterial für die Grundschule

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2026

Schmetterlinge gehören zu den auffälligsten Insekten in Gärten, Parks und auf Wiesen. Doch der größte Teil ihrer Entwicklung bleibt verborgen: Bevor ein Schmetterling fliegen kann, durchläuft er die Stadien Ei, Raupe und Puppe.

In dieser BNE-Unterrichtseinheit untersuchen Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 und 4 den Lebenszyklus eines Schmetterlings. Sie vergleichen die Bedürfnisse von Raupen und ausgewachsenen Faltern und entwickeln Vorschläge für einen schmetterlingsfreundlichen Garten oder Schulhof.

Unterrichtsmaterial auf einen Blick

  • Zielgruppe: Grundschule, Klasse 3–4
  • Dauer: 60–90 Minuten
  • Lernort: Klassenraum sowie optional Schulgarten, Schulhof, Park oder Wiese
  • Jahreszeit: vorzugsweise April bis September; als reine Unterrichtseinheit im Klassenraum ganzjährig einsetzbar
  • Sozialform: Einzel- und Partnerarbeit, Kleingruppen sowie gemeinsames Unterrichtsgespräch
  • Material: Arbeitsblätter und Stifte, optional Klemmbretter, Becherlupen zur Pflanzenbetrachtung und Bestimmungshilfen
  • Themenbereich: Schmetterlinge, Lebenszyklus, Raupenfutterpflanzen und Lebensraumgestaltung
  • BNE-Bezug: Unterschiedliche Bedürfnisse innerhalb eines Lebenszyklus erkennen, die Folgen menschlicher Gartengestaltung beurteilen und Maßnahmen für einen vielfältigen entwickeln

Warum eignen sich Schmetterlinge für den Sachunterricht?

Schmetterlinge eignen sich besonders gut für den Sachunterricht, weil Kinder an ihnen eine vollständige Verwandlung nachvollziehen können. Gleichzeitig erkennen sie, dass sich mit dem Körper auch die Bedürfnisse eines Tieres verändern. Aus dem biologischen Thema entsteht dadurch eine handlungsorientierte BNE-Einheit über Pflanzenvielfalt, Lebensräume und nachhaltige Gartengestaltung.

Die zentrale Leitfrage der Unterrichtseinheit lautet:

Wie können wir einen Garten oder Schulhof gestalten, in dem Raupen und Schmetterlinge ausreichend Nahrung und geschützte Lebensräume finden?

Vom Ei zum ausgewachsenen Schmetterling

Die Entwicklung eines Schmetterlings beginnt mit der Eiablage. Weibliche Schmetterlinge legen ihre Eier gezielt an Pflanzen ab, von denen sich die später schlüpfenden Raupen ernähren können. Die Wahl des Ablageortes ist deshalb entscheidend: Eine junge Raupe kann nicht einfach zu einer weit entfernten geeigneten Pflanze wechseln.

Nach dem Schlüpfen besteht die Hauptaufgabe der Raupe darin, zu fressen und zu wachsen. Weil ihre Körperhülle nicht unbegrenzt mitwachsen kann, häutet sie sich mehrfach. Am Ende der Raupenzeit sucht sie einen geeigneten Platz zur . Je nach Art hängt die Puppe frei an einem Pflanzenstängel, ist dort mit feinen Seidenfäden befestigt oder liegt geschützt im Boden. Manche Nachtfalter spinnen zusätzlich einen Kokon um ihre Puppe.

In der Puppe findet die Verwandlung zum ausgewachsenen Schmetterling statt. Nach dem Schlüpfen müssen sich die zunächst noch weichen Flügel entfalten und aushärten. Erst danach kann der Falter fliegen.

Was brauchen Raupen und Schmetterlinge?

Viele ausgewachsene Schmetterlinge nehmen mit ihrem Saugrüssel Blütennektar auf. Nicht jede Blüte bietet jedoch gut erreichbaren , und verschiedene Arten bevorzugen unterschiedliche Pflanzen.

Raupen besitzen beißende Mundwerkzeuge und ernähren sich von Pflanzenteilen. Manche können mehrere Pflanzenarten nutzen, andere sind auf eine bestimmte Pflanzengattung oder Pflanzenfamilie angewiesen. Die Große Brennnessel dient beispielsweise den Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs, Admiral und Landkärtchen als Nahrung.

Ein Garten mit vielen Blüten versorgt deshalb nicht automatisch auch die Raupen. Ein vollständiger Lebensraum verbindet Nektarpflanzen, geeignete Raupenfutterpflanzen und geschützte Entwicklungsorte. Beispiele bietet der Beitrag „25 heimische Pflanzen für Schmetterlinge und ihre Raupen“.

Ein schmetterlingsfreundlicher Lebensraum verbindet:

  • Nektarpflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten,
  • geeignete Raupenfutterpflanzen,
  • sonnige und geschützte Rückzugsorte,
  • eine zurückhaltende, giftfreie Pflege.

Auf die richtige Pflege kommt es an

Ein schmetterlingsfreundlicher Lebensraum entsteht nicht allein durch die Auswahl geeigneter Pflanzen. Entscheidend ist auch, wie die Fläche gepflegt wird. Werden Wiesen abschnittsweise statt vollständig gemäht, Pflanzenstängel über den Winter stehen gelassen und wilde Randbereiche erhalten, bleiben mehr Entwicklungs- und Rückzugsorte bestehen. Auf chemische Pflanzenschutzmittel sollte vollständig verzichtet werden.

Lernziele der Unterrichtseinheit

Nach Abschluss der Unterrichtseinheit können die Kinder:

  • die Entwicklungsstadien Ei, Raupe, Puppe und Schmetterling in die richtige Reihenfolge bringen und beschreiben,
  • unterschiedliche Bedürfnisse von Raupen und ausgewachsenen Schmetterlingen erklären,
  • günstige und ungünstige Bedingungen für Schmetterlinge in einem Garten oder Schulhof erkennen,
  • konkrete Maßnahmen für einen schmetterlingsfreundlichen Lebensraum entwickeln und begründen.

Zusätzlich üben die Schülerinnen und Schüler, Informationen aus Bildern und kurzen Sachtexten zu entnehmen, biologische Abläufe zu ordnen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und Folgen menschlicher Entscheidungen einzuschätzen.

Die Arbeitsblätter im Überblick

Das Unterrichtsmaterial besteht aus drei aufeinander aufbauenden Arbeitsblättern. Die Kinder beginnen mit dem Lebenszyklus, vergleichen anschließend die Bedürfnisse von Raupe und Schmetterling und übertragen ihr Wissen zuletzt auf die Gestaltung eines Gartens oder Schulhofs.

Arbeitsblatt 1: Vom Ei zum Schmetterling

Die Kinder bringen Ei, Raupe, Puppe und ausgewachsenen Falter in die richtige Reihenfolge und ordnen den Stadien passende Vorgänge zu. Anschließend beschreiben sie die Entwicklung mit eigenen Worten und erklären, warum der Ort der Eiablage für die schlüpfende Raupe wichtig ist.

Arbeitsblatt 2: Was brauchen Raupe und Schmetterling?

Die Kinder ordnen Nahrung, Pflanzen und Lebensraumstrukturen entweder der Raupe, dem ausgewachsenen Schmetterling oder beiden zu. Anschließend markieren sie in einer Gartenszene Nektarquellen, Raupenfutterpflanzen, geschützte Bereiche und problematische Strukturen.

Ein schmetterlingsfreundlicher Garten braucht Nahrung und Schutz für alle Entwicklungsstadien.

Arbeitsblatt 3: Unser schmetterlingsfreundlicher Schulhof

Auf dem dritten Arbeitsblatt wenden die Kinder ihr Wissen auf eine konkrete Gestaltungssituation an. Sie beurteilen einen Schulhof oder Garten und prüfen, welche Voraussetzungen für Raupen und Schmetterlinge bereits vorhanden sind.

Danach entwickeln sie Verbesserungen. Denkbar sind beispielsweise:

  • eine kleine Fläche mit heimischen Wildblumen,
  • ein geschützter Bereich mit Brennnesseln oder anderen Raupenfutterpflanzen,
  • weniger häufig gemähte Randbereiche,
  • heimische Sträucher,
  • über den Winter stehen gelassene Pflanzenstängel,
  • der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel.

Zum Abschluss erstellen die Kinder einen gemeinsamen Plan und begründen, welche Maßnahmen auf kleinen Teilflächen besonders wichtig und realistisch sind.

Vorschlag für den Unterrichtsablauf

Einstieg: Woher kommt der Schmetterling?

Zum Einstieg betrachtet die Klasse Bilder eines Eis, einer Raupe, einer Puppe und eines ausgewachsenen Schmetterlings. Die Kinder äußern Vermutungen dazu, was die Bilder miteinander verbindet und in welcher Reihenfolge die Stadien auftreten.

Anschließend stellt die Lehrkraft die gemeinsame Leitfrage vor.

Für diese Phase sollten etwa zehn Minuten eingeplant werden.

Erarbeitung: Ein Tier mit unterschiedlichen Bedürfnissen

In der ersten Erarbeitungsphase bearbeiten die Kinder das Arbeitsblatt zum Lebenszyklus. Sie ordnen die Entwicklungsstadien und beschreiben die wichtigsten Veränderungen.

Danach folgt das zweite Arbeitsblatt. Die Schülerinnen und Schüler vergleichen Raupe und Schmetterling und ordnen ihnen passende Nahrung und Lebensraumstrukturen zu.

Für beide Erarbeitungsphasen werden zusammen etwa 30 bis 35 Minuten benötigt.

Anwendung: Einen Lebensraum gestalten

Anschließend untersuchen die Kinder einen dargestellten oder realen Garten beziehungsweise Schulhof. In Partner- oder Kleingruppenarbeit entwickeln sie Vorschläge für einen schmetterlingsfreundlichen Bereich.

Jede Gruppe wählt drei bis fünf Maßnahmen aus und begründet:

  • Wem hilft diese Maßnahme?
  • Hilft sie einer Raupe, einem ausgewachsenen Schmetterling oder beiden?
  • Wo könnte sie umgesetzt werden?
  • Was müsste bei der späteren Pflege beachtet werden?

Für diese Phase sollten etwa 20 Minuten vorgesehen werden.

Sicherung und Reflexion

Zum Abschluss sammelt die Klasse ihre Ergebnisse in zwei Bereichen:

  • Das brauchen Raupen.
  • Das brauchen ausgewachsene Schmetterlinge.

Gemeinsame Bedürfnisse können in der Mitte eingetragen werden. Danach wird die Leitfrage erneut aufgegriffen. Die Klasse entscheidet, welche Maßnahmen auf dem eigenen Schulhof besonders sinnvoll und umsetzbar wären.

Für Sicherung und Reflexion sollten 15 bis 20 Minuten eingeplant werden.

So lässt sich die Einheit auf 45 Minuten kürzen

Wenn nur eine Schulstunde zur Verfügung steht, kann der Lebenszyklus verkürzt im Unterrichtsgespräch erarbeitet werden. Folgender Ablauf ist möglich:

  • 5 Minuten: Einstieg mit den vier Entwicklungsstadien
  • 10 Minuten: Lebenszyklus gemeinsam ordnen
  • 15 Minuten: Arbeitsblatt 2 zu den Bedürfnissen von Raupe und Schmetterling
  • 10 Minuten: zwei bis drei Maßnahmen für einen schmetterlingsfreundlichen Schulhof entwickeln
  • 5 Minuten: Ergebnisse sichern und Leitfrage beantworten

Das dritte Arbeitsblatt kann anschließend als Hausaufgabe, Vertiefung oder Ausgangspunkt für ein längerfristiges Schulhofprojekt verwendet werden.

Optionale Beobachtung im Schulgarten oder auf dem Schulhof

Die Unterrichtseinheit funktioniert vollständig ohne lebende Tiere. Wenn geeignete Außenflächen vorhanden sind, kann sie jedoch um eine kurze Beobachtung ergänzt werden.

Die Kinder suchen nicht nur nach ausgewachsenen Schmetterlingen. Sie untersuchen auch:

  • Welche Pflanzen blühen gerade?
  • Sind angefressene Blätter zu erkennen?
  • Gibt es Brennnesseln, Gräser oder heimische Sträucher?
  • Sind geschützte und wenig gemähte Bereiche vorhanden?
  • Finden Schmetterlinge über mehrere Monate hinweg Nahrung?
  • Gibt es Pflanzenstängel, Laub oder als mögliche Rückzugsorte?

Beobachtete Tiere werden nicht angefasst oder verfolgt. Eier, Raupen und Puppen bleiben an ihrem Fundort. Die Kinder halten ausreichend Abstand und betrachten Tiere und Pflanzen möglichst ohne sie zu beschädigen.

Für die Beobachtung eignen sich warme, trockene und möglichst windarme Tage.

Differenzierung

Für jüngere Kinder kann die Einheit auf die vier Entwicklungsstadien und die grundlegenden Bedürfnisse Nahrung und Schutz reduziert werden. Bilder, einfache Zuordnungsaufgaben und ein gemeinsamer Gestaltungsplan erleichtern den Zugang.

Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler können zusätzlich bestimmte Schmetterlingsarten und ihre Raupenfutterpflanzen untersuchen. Sie vergleichen beispielsweise Tagpfauenauge, Zitronenfalter und Schwalbenschwanz und prüfen, ob die benötigten Pflanzen auf dem Schulhof vorkommen könnten.

Eine weitere Vertiefungsmöglichkeit besteht darin, einen Blühkalender zu erstellen. Die Kinder wählen Pflanzen aus, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen, und prüfen, ob vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrung vorhanden ist.

BNE-Bezug: Einen Lebensraum aus mehreren Perspektiven betrachten

Im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung untersuchen die Kinder die Folgen konkreter Gestaltungs- und Pflegeentscheidungen. Eine kurz gemähte Fläche wirkt aufgeräumt und ist gut zum Spielen, bietet Insekten jedoch wenig Nahrung und Schutz. Eine vollständig sich selbst überlassene Fläche ist auf einem Schulhof dagegen nicht an jedem Ort praktikabel.

Die Aufgabe besteht deshalb nicht darin, zwischen Nutzung und Naturschutz zu wählen. Vielmehr entwickeln die Kinder Lösungen, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen. Ein Teil des Schulhofs kann weiterhin zum Spielen und Lernen genutzt werden, während Randbereiche mit heimischen Pflanzen, seltener Mahd und geschützten Strukturen Lebensraum bieten.

So lernen die Kinder, Nutzung und Artenschutz nicht als Gegensätze zu betrachten, sondern begründete und realistische Lösungen für verschiedene Bereiche des Schulhofs zu entwickeln.

Arbeitsblätter zum Herunterladen

Passend zu dieser Unterrichtseinheit stehen drei Arbeitsblätter zur Verfügung. Sie können einzeln verwendet oder zu einer vollständigen Unterrichtsstunde kombiniert werden.

Vom Ei zum Schmetterling

Die Kinder beschreiben und zeichnen eine Libellenlarve und halten ihre Beobachtungen fest.

Umfang: 2-seitiges Arbeitsblatt (PDF)


Was brauchen Raupe und Schmetterling?

Die Kinder vergleichen Nahrung und Lebensraumansprüche von Raupen und ausgewachsenen Schmetterlingen und untersuchen eine Gartenszene.

Umfang: 3-seitiges Arbeitsblatt (PDF)


Unser schmetterlingsfreundlicher Schulhof

Die Kinder bewerten einen Garten oder Schulhof und entwickeln begründete Maßnahmen für Nektarpflanzen, Raupenfutterpflanzen und geschützte Bereiche.

Umfang: 3-seitiges Arbeitsblatt (PDF)


Kostenloses Bildmaterial für Unterricht und Bildungsarbeit

Du kannst die Illustrationen kostenlos herunterladen und für den Unterricht, eigene Arbeitsblätter und Präsentationen verwenden.

Bitte gib BioGartenLiving.de als Quelle an. Der Verkauf oder die Weitergabe der Bilddateien sind nicht erlaubt.


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