Regenwürmer leben verborgen unter unseren Füßen. Dabei übernehmen sie im Boden wichtige Aufgaben: Sie graben Gänge, bewegen organisches Material und tragen zu einer lockeren, fruchtbaren Bodenstruktur bei. Für Kinder bietet der Regenwurm deshalb einen besonders anschaulichen Einstieg in die Themen Bodenleben, natürliche Stoffkreisläufe und Bodenschutz.
Mit dieser BNE-Unterrichtseinheit erforschen Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 und 4 den Körperbau und die Lebensweise des Regenwurms. Sie verfolgen den Weg eines abgestorbenen Blattes durch den Boden und entwickeln anschließend eigene Ideen für einen regenwurmfreundlichen Garten oder Schulhof.

Unterrichtsmaterial auf einen Blick
- Zielgruppe: Grundschule, Klasse 3–4
- Dauer: 60–90 Minuten
- Lernort: Klassenraum sowie optional Schulgarten oder Schulhof
- Jahreszeit: ganzjährig; Bodenerkundung am besten von März bis Oktober
- Sozialform: Einzel- und Partnerarbeit sowie gemeinsames Unterrichtsgespräch
- Material: Arbeitsblätter und Stifte, optional Becherlupen, flache helle Schalen, Löffel und eine feuchte Bodenprobe
- Themenbereich: Regenwürmer, Bodenleben und Bodenfruchtbarkeit
- BNE-Bezug: Den Boden als lebendigen Lebensraum wahrnehmen, die Bedeutung von Regenwürmern für natürliche Stoffkreisläufe erkennen und Maßnahmen zum Schutz des Bodenlebens entwickeln
Warum eignet sich der Regenwurm für den Sachunterricht?
Der Regenwurm verbindet unmittelbar erfahrbares Tierwissen mit zentralen Fragen einer nachhaltigen Entwicklung. An seinem Beispiel erkennen die Kinder, dass ein gesunder Boden kein lebloses Material ist. In ihm arbeiten zahlreiche Tiere, Pilze und Mikroorganismen zusammen.
Regenwürmer legen Gänge im Boden an. Diese Hohlräume verbessern die Belüftung und erleichtern das Versickern von Wasser. Gleichzeitig bewegen Regenwürmer organisches Material und mineralische Bodenbestandteile. Ihre Ausscheidungen tragen zu einer stabilen, krümeligen Bodenstruktur bei und enthalten Nährstoffe, die Pflanzen nutzen können.
Das Thema Regenwurm macht sichtbar, wie eng Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt, Pflanzenwachstum und biologische Vielfalt zusammenhängen. Aus dem Tierporträt entsteht eine handlungsorientierte BNE-Einheit: Die Kinder lernen nicht nur etwas über Regenwürmer, sondern überlegen auch, wie Menschen ihren Lebensraum erhalten können.
Lernziele der Unterrichtseinheit
Nach Abschluss der Unterrichtseinheit können die Kinder:
- wichtige Merkmale und Bedürfnisse eines Regenwurms beschreiben,
- erklären, wie Regenwürmer den Boden lockern und zur Humusbildung beitragen,
- günstige und ungünstige Bedingungen für Regenwürmer unterscheiden,
- konkrete Maßnahmen für einen regenwurmfreundlichen Garten oder Schulhof entwickeln und begründen.
Zusätzlich üben die Schülerinnen und Schüler, Informationen aus Bildern und kurzen Sachtexten zu entnehmen, Abläufe zu ordnen, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu erkennen und eigene Entscheidungen zu begründen.
Die Arbeitsblätter im Überblick
Das Unterrichtsmaterial besteht aus drei aufeinander aufbauenden Arbeitsblättern. Die Kinder beginnen mit dem Tier selbst, untersuchen anschließend seine Wirkung auf den Boden und übertragen ihre Erkenntnisse zuletzt auf die Gestaltung eines Gartens oder Schulhofs.
Arbeitsblatt 1: Der Regenwurm – Leben ohne Augen und Lunge

Auf dem ersten Arbeitsblatt lernen die Kinder wichtige Merkmale des Regenwurms kennen. Sein Körper besteht aus zahlreichen ringförmigen Abschnitten, den sogenannten Segmenten. Im vorderen Körperbereich ist bei geschlechtsreifen Tieren außerdem der verdickte Gürtel zu erkennen.
Regenwürmer besitzen keine Lunge. Sie nehmen Sauerstoff über ihre feuchte Haut auf und benötigen deshalb eine Umgebung, in der sie nicht austrocknen. Augen und Ohren haben sie ebenfalls nicht. Über Sinneszellen in der Haut nehmen sie jedoch unter anderem Licht, Berührungen und Erschütterungen wahr.
Die Schülerinnen und Schüler beschriften den Körper eines Regenwurms, überprüfen Aussagen auf richtig oder falsch und entscheiden begründet, welcher Lebensraum die besten Bedingungen bietet. So wird biologisches Grundwissen direkt mit den Bedürfnissen des Tieres verknüpft.
Arbeitsblatt 2: So arbeitet der Regenwurm im Boden
Das zweite Arbeitsblatt richtet den Blick auf den Regenwurm als Bodenverbesserer. Viele Regenwürmer ziehen abgestorbene Pflanzenreste in ihre Gänge. Pilze und Mikroorganismen beginnen dort mit der Zersetzung. Der Regenwurm nimmt das vorbereitete Pflanzenmaterial je nach Art zusammen mit Erde auf. Seine Ausscheidungen enthalten gut verfügbare Nährstoffe und tragen zu einer krümeligen Bodenstruktur bei.

Die Kinder bringen den Weg eines abgestorbenen Blattes in die richtige Reihenfolge. Anschließend untersuchen sie, welche Folgen die Regenwurmgänge für Luft, Wasser und Pflanzenwurzeln haben. Ein Vergleich zwischen einem lockeren, bedeckten Boden und einem harten, kahlen Boden verdeutlicht die Zusammenhänge.
Zum Abschluss halten die Kinder die wichtigste Erkenntnis in einem Merksatz fest: Regenwürmer lockern den Boden, unterstützen die Humusbildung und verbessern den Weg von Luft und Wasser durch die Erde.
Arbeitsblatt 3: Ein Garten für Regenwürmer
Auf dem dritten Arbeitsblatt wenden die Kinder ihr neues Wissen an. Sie vergleichen verschiedene Gartensituationen und beurteilen, welche Bedingungen für Regenwürmer günstig oder problematisch sind.
Eine schützende Laub- oder Mulchschicht, reifer Kompost, verschiedene Pflanzen und ein lockerer, leicht feuchter Boden bieten gute Voraussetzungen für ein vielfältiges Bodenleben. Kahle, ausgetrocknete Flächen, unnötig häufiges tiefes Umgraben und der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel können den Lebensraum dagegen beeinträchtigen.

In einer Gestaltungsaufgabe verwandeln die Schülerinnen und Schüler eine leere Garten- oder Schulhoffläche in einen regenwurmfreundlichen Lebensraum. Dabei sollen sie mindestens vier geeignete Elemente einbauen. Abschließend formulieren sie einen eigenen Bodenschutz-Tipp und begründen, warum ihre Maßnahme den Regenwürmern hilft.
Vorschlag für den Unterrichtsablauf
Einstieg: Was geschieht unter unseren Füßen?
Zum Einstieg betrachten die Kinder einen Regenwurm im Boden. Die Lehrkraft sammelt Vermutungen zu der Frage: „Was macht der Regenwurm den ganzen Tag unter der Erde?“ Die Antworten werden zunächst nicht bewertet. Anschließend wird die gemeinsame Leitfrage vorgestellt:
Warum sind Regenwürmer für einen gesunden Boden so wichtig und wie können wir sie schützen?
Für diese Phase sollten etwa zehn Minuten eingeplant werden.

Erarbeitung: Vom Körperbau zum Boden
In der ersten Erarbeitungsphase bearbeiten die Kinder das Arbeitsblatt zum Körperbau und zu den Bedürfnissen des Regenwurms. Dafür eignen sich Einzel- oder Partnerarbeit. Anschließend werden die Ergebnisse kurz gemeinsam verglichen.
In der zweiten Phase untersuchen die Schülerinnen und Schüler die Arbeit des Regenwurms im Boden. Sie ordnen den Weg des Blattes, deuten die Funktion der Gänge und vergleichen zwei unterschiedliche Bodensituationen. Für beide Erarbeitungsphasen werden zusammen etwa 35 Minuten benötigt.
Anwendung: Einen Lebensraum gestalten
Danach bearbeiten die Kinder die Regenwurm-Ampel und gestalten eine regenwurmfreundliche Fläche. In Partner- oder Kleingruppenarbeit können sie ihre Entscheidungen vergleichen und einander erklären. Dauer: ungefähr 20 Minuten.
Sicherung und Reflexion
Zum Abschluss sammelt die Klasse die Ergebnisse in zwei Bereichen:
- Das leistet der Regenwurm für den Boden.
- So können wir Regenwürmer und andere Bodenlebewesen schützen.
Danach wird die Leitfrage erneut aufgegriffen. Jedes Kind nennt oder notiert eine Maßnahme, die es selbst im Garten, auf dem Schulhof oder in der Nachbarschaft umsetzen könnte. Für Sicherung und Reflexion sollten 15 bis 20 Minuten eingeplant werden.
So lässt sich die Einheit auf 45 Minuten kürzen
Wenn nur eine Schulstunde zur Verfügung steht, kann der Körperbau verkürzt besprochen oder als Hausaufgabe eingesetzt werden. Folgender Ablauf ist möglich:
- 5 Minuten: Einstieg und Leitfrage
- 15 Minuten: Arbeitsblatt 2 zur Arbeit des Regenwurms im Boden
- 15 Minuten: Regenwurm-Ampel und Bodenschutz-Tipp aus Arbeitsblatt 3
- 10 Minuten: gemeinsame Sicherung und Beantwortung der Leitfrage
Optionale Bodenerkundung im Schulgarten
Die Unterrichtseinheit funktioniert vollständig ohne lebende Tiere. Wenn ein Schulgarten oder eine geeignete Grünfläche vorhanden ist, kann sie jedoch um eine Bodenerkundung ergänzt werden.
Die Kinder vergleichen beispielsweise eine bedeckte, leicht feuchte Fläche mit einem kahlen oder verdichteten Bereich. Sie betrachten Bodenstruktur, Pflanzenreste und sichtbare Bodentiere. Eine Becherlupe oder eine flache helle Schale erleichtert die Beobachtung kleiner Tiere.
Gefundene Regenwürmer dürfen nicht gezogen, gedrückt oder längere Zeit Licht und trockener Luft ausgesetzt werden. Nach der Beobachtung werden sie möglichst schnell genau dort zurückgesetzt, wo sie gefunden wurden. Bei trockenem, heißem oder frostigem Wetter sollte auf die Suche nach Regenwürmern verzichtet werden.
Warum Regenwurmschutz auch Bodenschutz ist
Ein regenwurmfreundlicher Garten muss nicht perfekt aufgeräumt sein. Eine dünne Laubschicht, Mulch, reifer Kompost und abwechslungsreiche Pflanzen liefern Nahrung, halten Feuchtigkeit im Boden und bieten Schutz. Gleichzeitig profitieren viele weitere Bodenlebewesen von diesen Bedingungen.
Die Kinder erkennen dadurch, dass schon kleine Entscheidungen Auswirkungen auf ein ganzes Ökosystem haben können. Wer den Boden bedeckt hält, organisches Material im natürlichen Kreislauf belässt und auf unnötige chemische Mittel verzichtet, schützt nicht nur Regenwürmer. Auch Pflanzen, andere Bodentiere und der Wasserhaushalt des Gartens profitieren.
Fazit: Kleine Tiere mit großer Wirkung
Regenwürmer sind für Kinder leicht verständliche Botschafter eines oft übersehenen Lebensraums. Mit den drei Arbeitsblättern erschließen sich die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt den Zusammenhang zwischen Tier, Boden und menschlichem Handeln.
Die Unterrichtseinheit verbindet biologisches Grundwissen mit praktischer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Am Ende wissen die Kinder nicht nur, wie ein Regenwurm lebt und warum seine Gänge wichtig sind. Sie können auch erklären, wie sie selbst zu einem lebendigen und gesunden Boden beitragen können.
Arbeitsblätter zum Herunterladen
Passend zu dieser Unterrichtseinheit stehen drei Arbeitsblätter zur Verfügung. Sie können einzeln verwendet oder zu einer vollständigen Unterrichtsstunde kombiniert werden.
Der Regenwurm – Leben ohne Augen und Lunge
Die Kinder untersuchen Körperbau, Hautatmung und Sinneswahrnehmung des Regenwurms und ordnen günstige Lebensbedingungen zu.
Umfang: 4-seitiges Arbeitsblatt (PDF)

So arbeitet der Regenwurm im Boden
Die Kinder verfolgen den Weg eines Blattes, erforschen die Bedeutung der Regenwurmgänge und erklären, wie Regenwürmer den Boden verbessern.
Umfang: 3-seitiges Arbeitsblatt (PDF)

Ein Garten für Regenwürmer
Die Kinder bewerten verschiedene Gartensituationen und gestalten eine Fläche mit Nahrung, Feuchtigkeit und Schutz für Regenwürmer.
Umfang: 4-seitiges Arbeitsblatt (PDF)

Kostenloses Bildmaterial für Unterricht und Bildungsarbeit
Du kannst die Illustrationen kostenlos herunterladen und für den Unterricht, eigene Arbeitsblätter und Präsentationen verwenden.
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