Regenwürmer verbringen ihr ganzes Leben unter der Erde und bleiben deshalb oft unbemerkt. Dabei leisten sie Tag für Tag Erstaunliches: Sie lockern den Boden, verbessern die Wasserspeicherung und tragen entscheidend zu einem fruchtbaren Garten bei. Doch das ist längst nicht alles. Sie besitzen fünf Herzpaare, atmen durch ihre Haut und überraschen mit einigen Fähigkeiten, die kaum jemand kennt. In diesem Artikel stellen wir dir zehn spannende Fakten über Regenwürmer vor.
1. Regenwürmer machen den Boden fruchtbar
Kaum ein Tier ist für einen gesunden Gartenboden so wichtig wie der Regenwurm. Während er sich durch die Erde gräbt, lockert er den Boden auf und hinterlässt ein weit verzweigtes Gangsystem. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff an die Pflanzenwurzeln und Regenwasser kann besser versickern. Doch nicht nur seine Grabtätigkeit verbessert den Boden – auch seine Ernährungsweise trägt maßgeblich zur Bodenfruchtbarkeit bei.

Der Regenwurm zieht abgestorbene Blätter und andere Pflanzenreste in seine Gänge. Dort beginnen Pilze und Mikroorganismen bereits mit der Zersetzung und machen das Pflanzenmaterial für den zahnlosen Regenwurm leichter verdaulich. Beim Fressen nimmt er es zusammen mit humusreicher Erde auf. Mit der Erde aufgenommene, feine Sandkörner, wirken im Muskelmagen wie ein Mahlwerk und zerkleinern die Nahrung, bevor sie im Darm verdaut wird.
Der ausgeschiedene Wurmkot ist besonders nährstoffreich. Er fördert die Humusbildung, verbessert die Bodenfruchtbarkeit und versorgt Pflanzen auf natürliche Weise mit wertvollen Nährstoffen.
Tipp aus der Praxis
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2. Regenwürmer graben bis zu sieben Meter tiefe Gänge
Regenwürmer gehören zu den fleißigsten Tunnelbauern im Boden. Unter optimalen Bedingungen können sie Gänge von bis zu sieben Metern Tiefe anlegen. In unseren Gärten reichen ihre Röhren jedoch in der Regel nur ein bis drei Meter tief ins Erdreich – eine erstaunliche Leistung für ein Tier, das nur wenige Zentimeter lang ist.
Möglich wird das durch das perfekte Zusammenspiel ihrer Ring- und Längsmuskulatur. Durch abwechselndes Strecken und Zusammenziehen schiebt sich der Regenwurm Stück für Stück durch die Erde. Gleichzeitig sondert er Schleim ab, der die Gänge stabilisiert und das Vorankommen erleichtert.
Gut zu wissen
Die tiefen Gänge des Regenwurms sind überlebenswichtig. Sie bieten im Sommer Schutz vor Hitze und Trockenheit, bleiben im Winter frostfrei und dienen gleichzeitig als sicherer Rückzugsort vor oberirdischen Fressfeinden wie Vögeln oder Igeln.

3. Aus einem zerteilten Regenwurm werden keine zwei Tiere
Einer der bekanntesten Irrtümer über Regenwürmer hält sich bis heute: Wird ein Regenwurm zerteilt, entstehen angeblich zwei neue Würmer.
Das stimmt nicht. Zwar können Regenwürmer unter bestimmten Bedingungen Teile ihres hinteren Körperabschnitts regenerieren. Voraussetzung ist jedoch, dass lebenswichtige Organe im vorderen Bereich unversehrt bleiben und die Verletzung hinter dem sogenannten Clitellum – dem verdickten Gürtel am Körper – liegt.

Geht dagegen der Vorderkörper verloren, ist eine Regeneration nicht möglich. In vielen Fällen überleben schwer verletzte Regenwürmer ihre Verletzungen ohnehin nicht, da Infektionen zum Tod führen.
4. Regenwürmer besitzen fünf Herzpaare
Oft liest man, Regenwürmer hätten fünf Herzen. Ganz richtig ist das allerdings nicht.
Tatsächlich besitzen Regenwürmer fünf Paar muskulöse Aortenbögen, also insgesamt zehn kräftige Gefäßabschnitte. Diese arbeiten gemeinsam wie kleine Pumpen und übernehmen die Aufgabe eines Herzens: Sie transportieren die Hämolymphe – das Blut der Regenwürmer – durch den gesamten Körper.

Das Rückengefäß (Dorsalgefäß) befördert die Hämolymphe nach vorn, während das Bauchgefäß (Ventralgefäß) sie wieder zurückführt. Die fünf Herzpaare verbinden beide Gefäße miteinander und sorgen dafür, dass der Kreislauf ständig in Bewegung bleibt.
Für ein Tier ohne Knochen und mit einem so einfachen Körperbau ist dieses Kreislaufsystem erstaunlich leistungsfähig.
5. Regenwürmer atmen durch ihre Haut
Regenwürmer besitzen keine Lungen. Den Sauerstoff nehmen sie vollständig über ihre Haut auf. Damit dieser Gasaustausch funktioniert, muss ihre Haut konstant feucht bleiben.
Genau deshalb bevorzugen Regenwürmer lockere, feuchte Böden und meiden trockene Standorte. Trocknet ihre Haut aus, können sie keinen Sauerstoff mehr aufnehmen und sterben.

Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass Regenwürmer bei Regen aus dem Boden kriechen, um nicht zu ertrinken. Tatsächlich können sie über ihre feuchte Haut auch unter Wasser Sauerstoff aufnehmen, sofern das Wasser ausreichend sauerstoffreich ist. Nach einem Regenschauer nutzen sie vielmehr die feuchten Bedingungen, um sich an der Oberfläche zu bewegen, ohne auszutrocknen.
6. Warum heißt der Regenwurm eigentlich Regenwurm?
Der Name „Regenwurm“ hat nichts mit dem Regen zu tun. Sprachwissenschaftler gehen vielmehr davon aus, dass er sich aus dem althochdeutschen Begriff „reger Wurm“ entwickelt hat. Das Wort „rege“ bedeutete damals so viel wie fleißig oder ständig in Bewegung – eine treffende Beschreibung für den unermüdlich arbeitenden Bodenbewohner.

Tatsächlich verbringen Regenwürmer nahezu ihr gesamtes Leben damit, Gänge zu graben, Pflanzenreste in den Boden zu ziehen und den Boden zu durchmischen. Diese unermüdliche Tätigkeit dürfte den ursprünglichen Namen „reger Wurm“ geprägt haben, aus dem sich im Laufe der Zeit der heute gebräuchliche Begriff „Regenwurm“ entwickelte.
Dass der Name bis heute häufig mit Regen in Verbindung gebracht wird, liegt vermutlich daran, dass die Tiere nach einem Regenschauer besonders gut zu beobachten sind. Mit dem eigentlichen Ursprung des Namens hat das jedoch wahrscheinlich nichts zu tun.
7. Regenwürmer sind Zwitter

Regenwürmer besitzen sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Sie sind also Zwitter.
Trotz ihrer Zwittereigenschaft können sie sich nicht selbst befruchten. Zur Fortpflanzung benötigen sie immer einen Partner. Bei der Paarung legen sich zwei Regenwürmer mit den Bauchseiten aneinander und tauschen gegenseitig Spermien aus. Diese werden zunächst in speziellen Samentaschen gespeichert. Erst später bildet das Clitellum einen Schleimring, in den sowohl die eigenen Eizellen als auch die gespeicherten Spermien abgegeben werden. Der Ring verschließt sich anschließend zu einem Kokon, in dem sich die Jungwürmer entwickeln. Je nach Art schlüpfen daraus später ein bis fünf junge Regenwürmer.
8. Regenwürmer haben weder Augen noch Ohren
Obwohl Regenwürmer weder Augen noch Ohren besitzen, orientieren sie sich erstaunlich sicher. Ihre Haut enthält lichtempfindliche Sinneszellen, mit denen sie Helligkeit und Dunkelheit wahrnehmen können. Dadurch erkennen sie schnell, wenn sie ungeschützt an die Erdoberfläche gelangen, und ziehen sich wieder in den Boden zurück.
Außerdem nehmen Regenwürmer feinste Erschütterungen über spezielle Sinneszellen in ihrer Haut wahr. So erkennen sie beispielsweise grabende Maulwürfe oder die Schritte anderer Tiere. Auch die Vibrationen von Regentropfen können sie deutlich wahrnehmen.

Zusätzlich verfügen sie über einen ausgeprägten Tastsinn, der ihnen hilft, sich sicher durch ihre unterirdischen Gänge zu bewegen.
Gut zu wissen
Regenwürmer besitzen zwar weder Augen noch Ohren, dafür aber einen kräftigen Mund. Mit ihm nehmen sie Erde und abgestorbenes Pflanzenmaterial auf – ganz ohne Zähne.
9. Regenwürmer halten Winterruhe
Sobald die Temperaturen dauerhaft unter etwa fünf Grad Celsius fallen, ziehen sich Regenwürmer tief in den Boden zurück. Dort herrschen auch im Winter frostfreie Bedingungen. In ihren Erdröhren legen sie sich eine geschützte Kammer an, die sie mit Schleim auskleiden. So bleibt die Umgebung feucht und der Regenwurm trocknet während der Winterruhe nicht aus.

Sie bewegen sich kaum noch, nehmen nur wenig oder gar keine Nahrung auf und fahren den Stoffwechsel komplett herunter. Anders als viele Säugetiere halten Regenwürmer jedoch keinen echten Winterschlaf, sondern eine Winterruhe.
Sobald sich der Boden im Frühjahr wieder erwärmt, werden sie aktiv und beginnen erneut damit, den Boden zu lockern und organisches Material zu zersetzen.
10. Manche Regenwürmer werden bis zu drei Meter lang
Der Gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris), eine der bekanntesten heimischen Arten, erreicht eine Länge von circa 9 bis 30 Zentimetern. Doch weltweit gibt es über 3.000 Regenwurmarten, darunter echte Giganten.
Zu den größten gehört der australische Giant Gippsland Earthworm, der eine Länge von bis zu drei Metern erreichen kann. Damit ist er etwa zehnmal länger als ein heimischer Tauwurm.

In Deutschland kommen – je nach wissenschaftlicher Einordnung – rund 40 bis 50 Regenwurmarten vor. Sie werden verschiedenen Gattungen zugeordnet, die sich in Lebensweise, Größe und Lebensraum unterscheiden. Die folgende Tabelle zeigt einige der bekanntesten Vertreter.
| Gattung | Bekannte Art | Besonderheit |
|---|---|---|
| Lumbricus | Gemeiner Regenwurm (Lumbricus terrestris) | Zu den bekanntesten heimischen Regenwürmern. |
| Eisenia | Kompostwurm (Eisenia fetida) | Wird häufig in Wurmkisten und Kompostern eingesetzt. |
| Allolobophora | Kleiner Wiesenwurm | Artenreiche Gattung mit zahlreichen Bodenbewohnern. |
| Dendrobaena | Köcherwurm (Dendrobaena rubida) | Lebt häufig in Laubstreu und morschem Holz. |
| Octolasion | Großer Ackerwurm (Octolasion lacteum) | Bevorzugt feuchte Böden und Wiesen. |





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