Die Weinbergschnecke (Helix pomatia) gehört zu den größten Landschnecken Europas und ist ein echter Nützling im Garten. Anders als viele andere Schnecken frisst sie überwiegend abgestorbenes Pflanzenmaterial und trägt so zum Humusaufbau bei.
Doch die gemächliche Schnecke hat noch viele weitere Besonderheiten. Sie besitzt tausende winzige Zähnchen, verschießt bei der Paarung einen Liebespfeil und kann deutlich älter werden, als die meisten vermuten.
Hier sind zehn spannende Fakten über die Weinbergschnecke.
1. Weinbergschnecken sind nützliche Helfer im Garten
Viele Hobbygärtner halten Schnecken grundsätzlich für Schädlinge. Bei der Weinbergschnecke trifft das jedoch nicht zu.
Sie ernährt sich überwiegend von abgestorbenen Pflanzenteilen, welkem Laub, Pilzen und anderen organischen Resten. Dadurch beschleunigt sie die Zersetzung und trägt zur Bildung von wertvollem bei. Frische Pflanzen werden nur dann angeknabbert, wenn andere Nahrung nicht zur Verfügung steht.

Anders als viele Nacktschnecken richtet die Weinbergschnecke in Gemüsebeeten deshalb nur selten größere Schäden an. Stattdessen übernimmt sie eine wichtige Rolle im natürlichen Stoffkreislauf und trägt dazu bei, organische Reste aus dem Garten zu verwerten.
Wer Weinbergschnecken im Garten entdeckt, kann sich deshalb über einen natürlichen Helfer freuen. In naturnahen Gärten mit Laub, und kalkhaltigem Boden finden die Schnecken ideale Lebensbedingungen.
2. Eine Weinbergschnecke besitzt rund 40.000 Zähnchen

Zum Zerkleinern ihrer Nahrung nutzen Weinbergschnecken einen Oberkiefer und eine sogenannte Radula. Diese raspelartige Zunge trägt rund 40.000 winzige Zähnchen, mit denen sie Blätter, Pilze und anderes Pflanzenmaterial fein abraspeln.
Unter dem Mikroskop erinnert die Radula eher an feines Schleifpapier als an ein Gebiss.

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3. Der Liebespfeil erhöht die Chance auf Nachwuchs
Der sogenannte Liebespfeil der Weinbergschnecke gehört zu den ungewöhnlichsten Fortpflanzungsstrategien im Tierreich.

Während des Liebesspiels schießen Weinbergschnecken ihrem Partner einen kleinen Kalkpfeil in den Körper. Lange glaubte man, dieser diene lediglich der sexuellen Stimulation.
Heute weiß man mehr: Der Pfeil überträgt ein hormonhaltiges Sekret, das den Fortpflanzungstrakt des Partners beeinflusst. Dadurch erreichen mehr Spermien der schießenden Schnecke die Samentasche und ihre Chancen steigen, später die Eizellen des Partners zu befruchten.
Der Liebespfeil ist also keine romantische Geste, sondern eine ausgeklügelte evolutionäre Strategie.
4. Weinbergschnecken sind Zwitter
Jede Weinbergschnecke besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane (das trifft übrigens auch auf den Regenwurm zu).
Trotzdem können sie sich nicht selbst befruchten. Zur Fortpflanzung benötigen sie immer einen Partner, mit dem sie Spermien austauschen.
Nach der Paarung gräbt die Schnecke eine kleine Mulde in lockeren Boden und legt dort meist mehrere Dutzend Eier ab. Nach wenigen Wochen schlüpfen daraus bereits vollständig entwickelte Jungschnecken mit einem winzigen Schneckenhaus.

5. Das Schneckenhaus wächst ein Leben lang mit
Das Gehäuse der Weinbergschnecke besteht überwiegend aus Kalk und wächst während ihres gesamten Lebens mit.

Verantwortlich dafür ist der sogenannte Mantelrand. Über diesen bildet die Weinbergschnecke kontinuierlich neue Kalkschichten und vergrößert so ihr Gehäuse Stück für Stück. Den dafür benötigten Kalk nimmt sie über die Nahrung auf. Deshalb bevorzugen Weinbergschnecken kalkreiche Böden als Lebensraum.
Gut zu wissen
Junge Weinbergschnecken schlüpfen bereits mit einem winzigen, noch durchscheinenden Schneckenhaus aus dem Ei. Erst mit der Zeit härtet es aus und wächst gemeinsam mit der Schnecke weiter.
Ist eine Weinbergschnecke ausgewachsen, bildet sich am Gehäuserand ein deutlich verdickter, heller Saum. Daran lässt sich erkennen, dass ihr Wachstum abgeschlossen ist.
6. Weinbergschnecken können über 20 Jahre alt werden
Für eine Schnecke erreichen Weinbergschnecken ein erstaunlich hohes Alter.
In freier Natur werden sie häufig fünf bis zehn Jahre alt. Unter günstigen Bedingungen können einzelne Tiere jedoch mehr als 20 Jahre leben.
Zu ihren größten Feinden gehören unter anderem Igel, Drosseln, Mäuse und verschiedene Käfer.

7. Weinbergschnecken halten Sommer- und Winterruhe
Weinbergschnecken sind erstaunlich gut an extreme Wetterbedingungen angepasst. Sowohl im Winter als auch während längerer Trockenperioden im Sommer ziehen sie sich vollständig in ihr Schneckenhaus zurück.
Sinken die Temperaturen unter etwa acht Grad Celsius, graben sie sich in den Boden ein und verschließen die Gehäuseöffnung mit einem festen Kalkdeckel. Dieser schützt die Schnecke vor Frost, Austrocknung und Fressfeinden. Während der Winterruhe schalten sie ihren Stoffwechsel auf Kältestarre um.

Mit einem Kalkdeckel verschließt die Weinbergschnecke ihr Gehäuse während der Winterruhe.
Auch an heißen, trockenen Sommertagen kann die Weinbergschnecke eine Ruhephase einlegen. Dann verschließt sie ihre Gehäuseöffnung mit einem oder mehreren Schleimdeckeln und wartet, bis die Bedingungen wieder feuchter werden. Nicht selten haftet sie dabei an Steinen, Mauern oder Baumstämmen.
Sobald die Temperaturen steigen oder nach einem kräftigen Regenschauer ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist, bricht sie den Verschluss wieder auf und setzt ihre Nahrungssuche fort.
8. Linksdrehende Weinbergschnecken sind extrem selten
Fast alle Weinbergschnecken besitzen ein rechtsgewundenes Gehäuse.
Nur etwa eine von 40.000 Schnecken trägt ihr Haus spiegelverkehrt nach links. Solche seltenen Exemplare werden daher als Schneckenkönige bezeichnet.

Fun Fact
Da bei linksgedrehten Weinbergschnecken auch die Geschlechtsöffnung spiegelverkehrt angeordnet ist, ist die Paarung mit den rechtsgedrehten Artgenossen deutlich erschwert.
9. Die Weinbergschnecke steht unter strengem Naturschutz
In Deutschland steht die Weinbergschnecke unter besonderem Schutz. Sie darf weder gesammelt noch getötet oder aus der Natur entnommen werden. Auch beim Einsatz von Schneckenkorn ist Vorsicht geboten, da dadurch geschützte Weinbergschnecken gefährdet sind (betrifft auch Schneckenkorn mit Eisen-III-phosphat).
Wer Weinbergschnecken im Garten entdeckt, sollte sich deshalb freuen. Mit einem naturnahen Garten schaffst du gute Bedingungen für die größte heimische Landschnecke Europas.
Wusstest du schon?
Wer Weinbergschnecken in Deutschland sammelt, tötet oder aus der Natur entnimmt, muss je nach Bundesland mit Bußgeldern von bis zu 65.000 EUR rechnen.

Gleichzeitig gilt die Weinbergschnecke in Ländern wie Frankreich oder Italien als Delikatesse. Für den Verzehr werden die Tiere jedoch in speziellen Zuchten gehalten – auch dort ist das Sammeln wild lebender Weinbergschnecken verboten.
10. Weinbergschnecken finden erstaunlich gut nach Hause
Obwohl sie sich nur langsam bewegen, besitzen Weinbergschnecken einen erstaunlich guten Orientierungssinn.

Weinbergschnecken finden zu ihren geschützten Tagesverstecken zurück – vermutlich mithilfe von Schleimspuren und anderen Umweltreizen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sie immer wieder zu ihrem bevorzugten Tagesversteck zurückkehren können. Dieses sogenannte Homing-Verhalten hilft ihnen dabei, geschützte und feuchte Ruheplätze zuverlässig wiederzufinden.
Wie sie sich genau orientieren, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen Geruchsspuren, der Tastsinn und Umweltreize eine wichtige Rolle. Für ein Tier mit einem vergleichsweise einfachen Nervensystem ist diese Orientierungsleistung dennoch bemerkenswert.





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