10 coole Fakten über den Rotmilan – vom Gabelschwanz bis zum Plüschtier im Nest

Hoch über Wiesen und Feldern zieht ein rostroter Greifvogel seine Kreise. Sein tief gegabelter Schwanz verrät ihn schon aus der Ferne: Es ist der Rotmilan (Milvus milvus). Über der offenen Landschaft sucht er nach Nahrung, seinen Horst baut er hoch in Bäumen. Darin landen neben Zweigen manchmal sogar Arbeitshandschuhe und Plüschtiere.

In diesem Artikel haben wir für dich zehn spannende und kuriose Fakten über den Rotmilan zusammengestellt.

1. Sein Gabelschwanz macht ihn unverwechselbar

Den Rotmilan erkennst du im Flug vor allem an seinem langen, tief gegabelten Schwanz. Fachleute nennen ihn „Stoß“. Der Vogel fächert ihn auf und steuert damit besonders wendig durch die Luft. Auch das rostrote Gefieder, der graue Kopf und die hellen Felder an der Unterseite der Flügel helfen dir, ihn zu erkennen.

Seinem Schwanz verdankt er den Zweitnamen „Gabelweihe“. Zu den bodenbrütenden Weihen gehört er jedoch nicht. Der Rotmilan baut seinen Horst hoch in Bäumen.

Schon gewusst?

Der gegabelte Schwanz macht ungefähr die Hälfte der Körperlänge des Rotmilans aus.

2. Er segelt mit bis zu 1,80 Meter Spannweite

Ein Rotmilan wird etwa 50 bis 65 Zentimeter lang und erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 1,80 Metern. Trotzdem wiegt er nur ungefähr ein Kilogramm. Seine langen Flügel tragen ihn über der offenen Landschaft, während er mit kleinen Bewegungen des Schwanzes den Kurs korrigiert.

Oft nutzt er warme, aufsteigende Luft – die Thermik. So kann er lange kreisen und nach Futter Ausschau halten, ohne ständig mit den Flügeln schlagen zu müssen. Gelegentlich bleibt er mit rüttelnden Flügelschlägen fast auf der Stelle stehen.

Schon gewusst?

Auf dem Weg ins Winterquartier legen Rotmilane täglich etwa 50 bis 200 Kilometer zurück.

3. Deutschland trägt besondere Verantwortung für ihn

Der Rotmilan kommt fast ausschließlich in Europa vor. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung lebt mehr als die Hälfte aller Rotmilane weltweit in Deutschland. Deshalb tragen wir hier eine besondere Verantwortung für seinen Schutz.

Ob er ausreichend Nahrung und sichere Brutplätze findet, hängt stark davon ab, wie Wiesen, Felder und Gehölze bewirtschaftet werden.

Schon gewusst?

Im Jahr 2000 wurde der Rotmilan zum „Vogel des Jahres“ gewählt. Die Auszeichnung machte auf den Verlust seines Lebensraums aufmerksam.

4. Er benötigt Wiesen, Bäume und Strukturen

Zum Jagen sucht der Rotmilan offene Flächen wie Wiesen, Weiden und Äcker auf. Sein Nest baut er dagegen hoch in Bäumen, häufig an Waldrändern, in Baumreihen oder kleinen Gehölzen. Ideal ist eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, in der Nahrung und geeignete Brutplätze nah beieinanderliegen.

Auf dicht bewachsenen Getreide- oder Rapsfeldern kann der Rotmilan Beutetiere am Boden nur schwer erkennen. Deshalb machen Grünland, Brachen, Hecken und unterschiedlich genutzte Flächen die Landschaft für ihn und viele andere Wildtiere wertvoller.

Schon gewusst?

Für die Nahrungssuche fliegt ein Rotmilan mitunter bis zu zwölf Kilometer weit von seinem Horst weg.

5. Er ist Jäger und Aasfresser

Rotmilane fressen unter anderem Mäuse, andere kleine Säugetiere, Vögel, Regenwürmer, Amphibien und Fische. Auch Aas steht auf ihrem Speiseplan. Sie jagen zwar selbst, sammeln aber häufig leicht erreichbare Nahrung auf.

Nach der Mahd kreisen sie oft über frisch gemähten Wiesen. Dort entdecken sie Mäuse und andere Kleintiere leichter und lesen auch Tiere auf, die beim Mähen verendet sind.

Schon gewusst?

Im London des 15. und 16. Jahrhunderts wurden Rotmilane als eine Art „Müllabfuhr“ geduldet: Sie fraßen Aas in der Stadt.

6. Im Winter getrennt, zur Brutzeit wieder vereint

Nach der Brutzeit ziehen Rotmilane in ihre Winterquartiere. Die Partner bleiben dabei nicht zusammen und verbringen die kalte Jahreszeit getrennt. Im Frühjahr kehren sie in ihr vertrautes Brutgebiet zurück. Dort finden viele Paare wieder zueinander und ziehen gemeinsam ihre Jungen auf. Eine solche Partnerschaft kann mehrere Jahre bestehen, obwohl die Vögel einen Teil des Jahres getrennt verbringen.

Kurz darauf beginnt die Balz. Die Vögel fliegen gemeinsam, und das Männchen übergibt dem Weibchen Futter. Anschließend bauen sie den Horst für die neue Brut aus.

Schon gewusst?

Bei der Balz steigen Rotmilane gemeinsam hoch in die Luft, attackieren einander und stürzen anschließend bis knapp über die Baumwipfel hinab. Dabei ist ihr lang gezogener Ruf zu hören, der ungefähr wie „uuu – wiuwiuwiu – uuu“ klingt.

7. Im Horst landen sogar Plüschtiere

Rotmilane bauen ihre Nester aus Zweigen und polstern sie mit allerlei Fundstücken aus. Gefunden wurden unter anderem Papier, Stoffreste, Arbeitshandschuhe, Plastiktüten und sogar Plüschtiere. Warum Rotmilane solche Gegenstände in ihren Horst tragen, ist nicht geklärt.

Zum Brüten benötigen Rotmilane ausreichend hohe Bäume. Viele Paare legen mehrere Horste an und wechseln im Laufe der Jahre ihren Brutplatz.

Schon gewusst?

Rotmilane bauen nicht jeden Horst selbst. Manchmal übernehmen sie ein Nest, das zuvor ein Mäusebussard oder ein Krähenvogel genutzt hat, und bauen es für ihre eigene Brut aus.

8. Aus zwei bis drei Eiern werden in wenigen Wochen flügge Junge

Ab Ende März oder Anfang April legt das Weibchen zwei bis drei Eier. Es brütet etwa einen Monat lang, während das Männchen Nahrung heranschafft. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen ungefähr sieben Wochen im Horst, bevor sie flügge werden.

Während die Jungen im Horst heranwachsen, müssen die Eltern viel Futter heranschaffen. Finden sie zu wenig Nahrung oder werden am Brutplatz gestört, sinken die Überlebenschancen der Jungen. Auch Menschen in der Nähe des Brutbaums können die Vögel beunruhigen. Entdeckst du einen besetzten Horst, bleib auf dem Weg und beobachte die Vögel aus einiger Entfernung.

Schon gewusst?

Wenn junge Rotmilane fliegen können, sind sie nicht unmittelbar selbstständig. Ihre Eltern versorgen sie weitere Wochen, bevor sich die Familie auflöst.

9. Manche ziehen fort, andere bleiben im Winter

Viele Rotmilane verlassen im Herbst ihre Brutgebiete und überwintern in Südwesteuropa, besonders auf der Iberischen Halbinsel. Im Frühjahr kehren sie zurück. Der Rotmilan ist damit ein Kurzstreckenzieher – anders als Vogelarten, die bis weit nach Afrika fliegen.

Nicht alle ziehen allerdings fort. Ein Teil überwintert inzwischen in Mitteleuropa. Auch in Deutschland lassen sich Rotmilane daher gelegentlich im Winter beobachten.

Schon gewusst?

Auf dem Zug segeln Rotmilane tagsüber einzeln oder in lockeren, kleinen Gruppen durch die Luft. Abends sammeln sie sich an Schlafplätzen in Baumgruppen oder auf Strommasten. Dort können bis zu 100 Vögel gemeinsam übernachten, bevor sie am nächsten Morgen weiterziehen.

10. Eine vielfältige Landschaft schützt den Rotmilan

Der Verlust von Grünland und Brachen erschwert dem Rotmilan die Nahrungssuche. Hinzu kommen Störungen während der Brut und Kollisionen mit Windenergieanlagen. Besonders wichtig sind deshalb gut geschützte Horstbäume und genügend offene, nahrungsreiche Flächen in ihrer Umgebung.

Du kannst den Rotmilan am besten unterstützen, indem du naturnahe Landschaften und eine vielfältige Landwirtschaft mitträgst. Bei einem Spaziergang gilt: Bleibe auf den Wegen und halte Abstand zu Brutplätzen. So kann der eindrucksvolle Greifvogel ungestört seine Jungen aufziehen.

Schon gewusst?

Eine gestaffelte Mahd kann Rotmilanen helfen: Werden Wiesen zu unterschiedlichen Zeiten gemäht, bleiben geeignete Flächen für die Nahrungssuche verfügbar. 

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