Haselmaus: Keine Maus und selten zu sehen – 10 erstaunliche Fakten

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2026

Nachts klettert die Haselmaus durch dichtes Gezweig, tagsüber schläft sie verborgen in ihrem Nest. Zu Gesicht bekommt man sie selten. Ihre kunstvollen Nester und die charakteristischen Nagespuren an Haselnüssen verraten aber, dass sie da war.

1. Die Haselmaus ist keine Maus

Trotz ihres Namens gehört die Haselmaus nicht zu den Echten Mäusen. Sie ist ein Bilch und damit mit Siebenschläfer und Gartenschläfer verwandt. Ein Nagetier ist sie trotzdem: Auch Haselmäuse besitzen die typischen Nagezähne. Von Wald- oder Rötelmäusen unterscheidet sie insbesondere ihr dicht behaarter Schwanz. Dazu kommen das goldbraune Fell und die großen dunklen Augen. Selbst ausgewachsen wiegt sie nur 15 bis 35 Gramm.

Schon gewusst?

Anders als der Gartenschläfer trägt die Haselmaus keine schwarze Augenmaske. Junge Haselmäuse sind etwas dunkler gefärbt. Bei älteren Haselmäusen wird das Fell heller und bekommt einen kräftig gelborangen Ton.

2. Sie klettert selbst auf dünnsten Zweigen

Die Haselmaus bewegt sich bei der Nahrungssuche überwiegend durch Sträucher und Bäume. Selbst dünne Zweige tragen sie, weil ihre beweglichen Zehen kleine Äste sicher umfassen. An den Hinterpfoten kann sie die erste Zehe den übrigen gegenüberstellen und damit besonders fest zupacken. Ihr langer, behaarter Schwanz hilft ihr, auf schwankenden Zweigen die Balance zu halten.

Wo Hecken und Bäume im engen Verbund wachsen, kann die Haselmaus weite Teile ihres Lebensraums gut geschützt durch das Geäst erreichen, ohne auf den Boden zu müssen.

Schon gewusst?

Die Haselmaus besitzt eine seltene Fähigkeit, die nur wenige Tiere und auch der Mensch haben: Sie kann einzelne Zehen einander gegenüberstellen und krümmen. So greift sie sicher nach Ästen und hält sich beim Klettern fest – obwohl sie keinen Daumen hat.

3. Tagsüber sieht man sie kaum

Die Haselmaus ist dämmerungs- und nachtaktiv. Am Tag schläft sie verborgen in einem Nest und geht erst bei Dämmerung auf Nahrungssuche. Dann klettert sie zwischen Blättern und Zweigen umher, wo man sie selbst mit viel Geduld nur schwer entdeckt. Hinzu kommt, dass sie den größten Teil des Jahres entweder im dichten Bewuchs oder im Winterschlaf verbringt. Eine Begegnung im Garten ist deshalb selten, auch wenn in einer nahe gelegenen Hecke Haselmäuse leben.

Schon gewusst?

Wird es kalt, kann die Haselmaus für kurze Zeit in Torpor fallen: Körpertemperatur und Stoffwechsel sinken, und sie verbraucht weniger Energie.

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4. Für sie muss die Hecke zusammenhängen

Für die Haselmaus sind dichte Hecken überlebenswichtig. Zwischen ihren Zweigen findet sie Nahrung und gelangt von einem zum nächsten. Gut bewachsene Waldränder, Gebüsche und Hecken bilden im Optimalfall ein zusammenhängendes Wegenetz.

Wird eine Hecke gerodet oder eine breite Schneise durch den Wald geschlagen, endet dieser Weg plötzlich. Erwachsene Tiere sind standorttreu und überqueren größere offene Flächen nur ungern. Straßen und Siedlungen können deshalb benachbarte Vorkommen voneinander trennen.

Ein naturnaher Garten mit dichten Hecken und Sträuchern bietet der Haselmaus Nahrung und Schutz. Besonders wertvoll wird er, wenn auch die Nachbargärten bewachsen sind und die Tiere von einem Gehölz zum nächsten klettern können.

Schon gewusst?

Damit eine Haselmauspopulation dauerhaft bestehen kann, braucht sie laut Bundesamt für Naturschutz mindestens 20 Hektar miteinander verbundenen Lebensraum.

5. Haselnüsse stehen nicht das ganze Jahr auf dem Speiseplan

Haselnüsse frisst die Haselmaus hauptsächlich im Herbst, wenn sie reif sind. Im Frühjahr frisst die Haselmaus Knospen, Blüten und . Später kommen Beeren, andere Früchte sowie Insekten hinzu. Im Frühsommer kann tierische Nahrung einen erheblichen Teil ihrer Kost ausmachen. Wenn Haselnüsse und andere ölhaltige Samen reif sind, liefern sie besonders viel Energie. Damit legt die Haselmaus Fettreserven für den Winterschlaf an.

Anders als Eichhörnchen legt die Haselmaus keine Wintervorräte an. Sie frisst sich Fettreserven an, von denen sie während des Winterschlafs zehrt. Dafür braucht sie vom Frühjahr bis zum Herbst ausreichend Nahrung. Fehlt ihr vor dem Winterschlaf ein kräftiges Fettpolster, kann sie im Winter verhungern.

Schon gewusst?

Haselmäuse können Zellulose schlecht verdauen. Im Gegensatz zu Echtmäusen oder Wühlmäusen ernähren sie sich deshalb nicht von Pflanzenteilen.

6. Eine Nussschale kann sie verraten

Haselnussschalen können verraten, ob in einem Gebiet Haselmäuse leben. Die Tiere nagen ein kreisrundes Loch in die Schale der Nüsse. Typisch sind die feinen Zahnspuren, die parallel zum Lochrand verlaufen. Bei Nüssen, die Eichhörnchen oder Waldmäuse geöffnet haben, fehlt dieses regelmäßige Muster.

Fachleute schauen sich deshalb ganz gezielt die Fraßspuren bei den Nüssen an, um Haselmäuse in einem Gebiet nachzuweisen.

Schon gewusst?

Bei dem Projekt, der „Großen Nussjagd“, konnten Naturinteressierte mitforschen: Sie suchten Haselnüsse mit den typischen Fraßspuren der Haselmaus und meldeten ihre Funde. Die Aktion lief in vielen Bundesländern und half dabei, ihre Verbreitung besser zu erfassen.

7. Im Sommer baut sie mehrere Nester

Zum Schlafen baut die Haselmaus faustgroße, kugelige Nester aus Gräsern, Blättern und Moos. Im Inneren liegt eine geschützte, dicht gepolsterte Kammer.

Solche Sommernester liegen verborgen zwischen dünnen Zweigen, im Brombeergestrüpp oder in dichten Sträuchern – dort, wo die Haselmaus reichlich Nahrung findet. Auch Baumhöhlen und verlassene Vogelnistkästen werden gerne genutzt. Für die Aufzucht ihrer Jungen baut die Haselmaus übrigens ein etwas größeres Nest.

Schon gewusst?

Eine einzelne Haselmaus ist richtig fleißig. Sie baut im Lauf eines Sommers drei bis fünf Nester.

8. Ihr Winterquartier liegt am Boden

Von etwa Oktober bis ins Frühjahr hält die Haselmaus Winterschlaf. Ende April oder Anfang Mai wird sie wieder aktiv. Ihr Winterquartier liegt anders als die Sommernester am Boden, etwa unter Laub, zwischen Wurzeln oder nahe einem Baumstumpf. Vorher hat sie sich Fettreserven angefressen, von denen sie in den kommenden Monaten zehrt. Einen Vorrat an Nüssen legt sie nicht an. Während des Winterschlafs sinken Körpertemperatur, Atmung und Herzschlag stark ab. Das spart Energie, macht die Haselmaus aber empfindlich gegen Störungen. Wer Laub und Wurzelbereiche im Winter liegen lässt, schützt mögliche Schlafplätze.

Schon gewusst?

Während des Winterschlafs liegen zwischen zwei Atemzügen mitunter bis zu elf Minuten. Die Körpertemperatur sinkt auf knapp über den Gefrierpunkt.

9. Die Mutter zieht ihre Jungen allein auf

Haselmäuse werden mit etwa einem Jahr geschlechtsreif, ihren ersten Winterschlaf haben sie dann bereits hinter sich. Die Paarungszeit zieht sich von Juni bis September. In dieser Zeit kann ein Weibchen mehrere Würfe bekommen. Nach 22 bis 24 Tagen Tragzeit kommen zwei bis fünf Junge zur Welt. Die Haselmausjungen sind anfangs nackt und blind, sie verlassen das gut geschützte Nest nicht. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Aufzucht. Die Mutter versorgt die Jungen in den ersten Wochen allein. Nach ungefähr sechs Wochen werden die Jungen selbstständig und suchen eigene Verstecke.

Schon gewusst?

In einem intakten Lebensraum kann eine Haselmaus bis zu sechs Jahre alt werden. Das ist für einen so kleinen Nager ein hohes Alter: Eine Rötelmaus erreicht im Freiland etwa anderthalb Jahre.

10. Ihr Lebensraum verschwindet Stück für Stück

Die Haselmaus benötigt dichte Gehölze, in denen sie Nahrung und Nistplätze findet und geschützt von einem Strauch zum nächsten gelangt. Wenn Wälder gerodet, Hecken stark zurückgeschnitten oder Höhlenbäume entfernt werden, verliert sie ihre Lebensgrundlage. Auch Straßen und breite Wege trennen Populationen voneinander. In Deutschland steht die Haselmaus bereits auf der Vorwarnliste. Auch europaweit ist sie streng geschützt.

Ein naturnaher Garten mit dichter Hecke kann Teil ihres Lebensraums sein. Besonders wertvoll sind Wildsträucher, ungestörte Ecken und heimische Gehölze, deren Zweige sich berühren. Sie geben der Haselmaus Deckung und einen sicheren Weg zum nächsten Versteck.

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