Sie sieht aus wie eine kleine Schlange, kann ihren Schwanz abwerfen und verbringt einen großen Teil ihres Lebens im Verborgenen: Die Blindschleiche gehört zu den faszinierendsten heimischen Reptilien. Dabei ist sie weder blind noch eine Schlange – sondern eine Echse, deren Beine sich im Laufe der Evolution zurückgebildet haben.
Viele Menschen kennen die Blindschleiche vor allem als heimlichen Gast im Garten. Doch hinter ihrem unscheinbaren Äußeren stecken erstaunliche Fähigkeiten. Hier erfährst du zehn spannende Fakten über ihren Körperbau, ihre Sinne, ihre Fortpflanzung und ihre besondere Überlebensstrategie.
Du hast eine Blindschleiche entdeckt und möchtest wissen, wie du richtig reagierst? In unserem ausführlichen Ratgeber erklären wir, wie du eine Blindschleiche im Garten erkennst und schützt.
1. Die Blindschleiche ist eine Echse ohne Beine

Der erste Eindruck täuscht: Die Blindschleiche (Anguis fragilis) ist keine Schlange, sondern eine Echse aus der Familie der Schleichen. Ihre Beine haben sich im Laufe der Evolution vollständig zurückgebildet. Im Skelett sind jedoch noch Reste des Schulter- und Beckengürtels vorhanden.
Dank ihres langgestreckten Körpers kann sie sich gut durch dichte Vegetation und Laubschichten bewegen oder in enge Bodenspalten zurückziehen.
2. Blindschleichen sind keineswegs blind

Blindschleichen besitzen gut entwickelte Augen mit beweglichen Augenlidern und können deshalb blinzeln. Darin unterscheiden sie sich deutlich von Schlangen: Deren Augen werden von einer durchsichtigen, unbeweglichen Schuppe bedeckt, der sogenannten Brille oder Okularschuppe. Außerdem besitzen Blindschleichen äußere Gehöröffnungen, die allerdings von Schuppen verdeckt sind.
Auch ihr Name bedeutet keineswegs, dass die Blindschleiche nicht sehen kann. Er leitet sich vom althochdeutschen Wort „Plintslicho“ ab, das sinngemäß „glänzender Schleicher“ bedeutet. Gemeint ist der metallische Glanz ihrer glatten Schuppen.

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3. Kleine Knochenplatten machen ihren Körper steif

Unter dem Schuppenkleid der Blindschleiche liegen zahlreiche kleine Knochenplättchen, sogenannte Osteoderme. Sie bilden eine Art leichte Rüstung und schützen den Körper. Gleichzeitig machen sie ihn weniger beweglich als den Körper einer Schlange.
Deshalb bewegt sich die Blindschleiche deutlich steifer und langsamer als eine Schlange. Besonders auf glatten Flächen fällt ihr die Fortbewegung schwer. In dichter Vegetation, zwischen Laub und auf unebenem Boden, findet sie dagegen genügend Halt und kommt gut voran. Ihr bevorzugter Lebensraum passt somit perfekt zu ihrem besonderen Körperbau.
4. Ihr Schwanz besitzt eingebaute Sollbruchstellen

Wird eine Blindschleiche gepackt, kann sie einen Teil ihres Schwanzes abwerfen. Dazu besitzt sie mehrere vorgebildete Bruchstellen. Das abgetrennte Stück zuckt noch eine Weile weiter und lenkt den Angreifer ab, während der vordere Körperteil flieht. Diese Fähigkeit wird als Autotomie bezeichnet.
Der Verlust ist allerdings keineswegs folgenlos. Anders als bei vielen Eidechsen wächst der Schwanz nicht vollständig nach. Stattdessen bildet sich nur ein deutlich kürzerer, häufig dunkler Stumpf. Blindschleichen sollten deshalb niemals am Schwanz angefasst werden. Passend dazu bedeutet ihr wissenschaftlicher Artname fragilis „zerbrechlich“.
5. Zum Züngeln muss sie ihr Maul öffnen

Wie andere Reptilien nimmt die Blindschleiche mit ihrer Zunge Duftstoffe aus der Umgebung auf. Anschließend führt sie die Zunge zum Jacobsonschen Organ im Gaumendach. Dadurch kann sie unter anderem Beutetiere, Artgenossen und mögliche Gefahren wahrnehmen.
Anders als Schlangen besitzt die Blindschleiche keine kleine Aussparung in der Oberlippe, durch die sie ihre Zunge bei geschlossenem Maul strecken könnte. Zum Züngeln muss sie das Maul daher jedes Mal ein wenig öffnen. Auch dieses Detail verrät bei genauer Beobachtung, dass sie keine Schlange ist.
6. Nach hinten gebogene Zähne halten glitschige Beute fest

Blindschleichen jagen vor allem Regenwürmer, kleine Nacktschnecken, Asseln, Spinnen, Insektenlarven und andere Wirbellose. Ihre kleinen, nach hinten gekrümmten Zähne helfen ihnen dabei, weiche und glitschige Beutetiere sicher festzuhalten. Gift besitzen sie nicht.
Die Beute wird im Ganzen verschluckt. Bei einem großen Regenwurm kann das längere Zeit dauern, weil die Blindschleiche ihn Stück für Stück ins Maul zieht. Aktiv wird sie besonders häufig in der Morgen- und Abenddämmerung sowie bei mildem, feuchtem Wetter – also genau dann, wenn auch Würmer und Schnecken unterwegs sind.
7. Ihre Jungen schlüpfen noch im Körper der Mutter

Blindschleichen legen keine Eier. Die Eier entwickeln sich ungefähr drei Monate lang im Körper des Weibchens. Bei der Geburt sind die Jungen noch von einer sehr dünnen, durchsichtigen Eihülle umgeben, die sie unmittelbar danach durchstoßen. Diese Fortpflanzungsweise wird als oder Ei-Lebendgeburt bezeichnet.
Meist kommen im Spätsommer etwa sechs bis zwölf vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt. Sie sind nur ungefähr sechs bis neun Zentimeter lang. Ihre helle, gold- oder silberfarbene Oberseite und die dunklen Flanken bilden einen stärkeren Kontrast als bei ausgewachsenen Blindschleichen.
8. Die Männchen tragen ritualisierte Ringkämpfe aus

Während der Paarungszeit im Frühjahr können männliche Blindschleichen aufeinandertreffen und sogenannte Kommentkämpfe austragen. Dabei versuchen sie, den Rivalen zu umschlingen, zu Boden zu drücken oder zu beißen. Solche Kämpfe folgen einem ritualisierten Ablauf und enden normalerweise, ohne dass sich die Tiere schwer verletzen.
Bei der eigentlichen Paarung hält das Männchen das Weibchen mit einem Biss im Kopf- oder Nackenbereich fest. Die Tiere können dabei mehrere Stunden eng miteinander verschlungen bleiben. Erst im Alter von ungefähr drei bis vier Jahren werden Blindschleichen geschlechtsreif.
9. Im Winter teilen sich viele Tiere ein Versteck
Von ungefähr Oktober bis Ende März halten Blindschleichen Winterruhe. Dafür ziehen sie sich in frostfreie Erdlöcher, verlassene Kleinsäugerbaue, tiefe Wurzelräume oder Hohlräume unter Steinen und Holz zurück. Manche Tiere graben ihre Wintergänge selbst und verschließen den Eingang anschließend mit Erde oder Moos.

Obwohl Blindschleichen außerhalb der Paarungszeit meist einzeln leben, können in einem Winterquartier mehrere Tiere zusammenkommen. Beobachtet wurden Gruppen von fünf bis dreißig Blindschleichen. Gelegentlich überwintern im selben Versteck auch andere Reptilien und Amphibien
10. Blindschleichen können mehrere Jahrzehnte alt werden

Wie alt Blindschleichen in freier Natur werden können, ist nicht genau bekannt. In menschlicher Haltung erreichen sie regelmäßig ein Alter von 15 bis 20 Jahren. Einzelne Tiere wurden sogar mehr als 40 Jahre alt.
Zu ihren natürlichen Feinden gehören Greifvögel, Füchse, Marder, Dachse, Igel und andere Reptilien. In Siedlungen werden außerdem Hauskatzen, Rasenmäher, Straßenverkehr und der Verlust geeigneter Verstecke zur Gefahr. Ihr möglicher langer Lebensweg kann deshalb schon durch eine einzige unvorsichtige Gartenarbeit beendet werden.
So hilfst du Blindschleichen in deinem Garten
Blindschleichen brauchen ein Mosaik aus geschützten, leicht feuchten Rückzugsorten und wärmeren Bereichen. Laub- und , , dichte Stauden, Kompost und locker geschichtete Steine bieten ihnen Deckung. Verzichte auf Pestizide und Schneckenkorn und kontrolliere hohes Gras vor dem Mähen.
Besonders wertvoll ist ein frostfreier Rückzugsraum. In unserer Anleitung zeigen wir, wie du eine Reptilien- und Amphibienburg aus Steinen, Holz und Erde anlegst. Weitere praktische Hinweise findest du im Beitrag Blindschleiche im Garten.





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