Tauben: 10 Fakten über kluge Vögel mit schlechtem Ruf

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2026

Auf dem Marktplatz weichen viele Menschen ihnen aus. Tauben gelten als lästig, schmutzig und wenig intelligent. Die weiße Taube steht zugleich für Frieden und Liebe. Warum behandeln wir die graue Stadttaube so anders?

Ein Blick auf ihre Geschichte verändert die Sicht auf die Vögel: Stadttauben leben nicht zufällig in unserer Nähe. Sie stammen von Tauben ab, die Menschen über Jahrtausende gehalten und gezüchtet haben. Wir haben zehn Fakten zusammengestellt, die zeigen, was Tauben können und weshalb sie in unseren Städten Unterstützung benötigen.

Tauben: das Wichtigste in Kürze

  • Wissenschaftlicher Name der Stadttaube: Columba livia domestica
  • Herkunft: Nachkommen domestizierter Felsentauben
  • Lebensraum: Städte – zum Brüten nutzen Stadttauben geschützte Nischen und Vorsprünge an Gebäuden.
  • Nahrung: hauptsächlich Körner und Samen.
  • Brut: in der Regel zwei Eier pro Gelege. Unter günstigen Bedingungen mehrere Bruten im Jahr.
  • Jungenaufzucht: beide Eltern füttern die Küken anfangs mit Kropfmilch
  • Besondere Fähigkeiten: gutes Lernvermögen und ausgeprägter Orientierungssinn

1. Stadttauben sind Nachkommen unserer Haustiere

Die Tauben, die wir auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen zu Gesicht bekommen, sind keine Wildvögel, die sich erst kürzlich in die Stadt verirrt haben. Ihre Vorfahren waren domestizierte Felsentauben. Menschen hielten sie für Fleisch und Eier, nutzten ihren Kot als Dünger und züchteten Tiere, die Nachrichten zu ihrem Heimatschlag zurücktrugen.

Aus entflogenen, ausgesetzten und später verwilderten Haustauben entstanden frei lebende Bestände. Auch verirrte Brieftauben können sich ihnen anschließen. Wer heute über Stadttauben spricht, spricht deshalb auch über die Folgen menschlicher Tierhaltung. Ihre Nähe zu uns ist Teil dieser Geschichte.

Schon gewusst?

Bereits um 5000 v. Chr. domestizierten Menschen Felsentauben in Ägypten und Mesopotamien. Tauben zählen damit zu den allerersten Vogelarten, die der Mensch zu Haustieren machte.

2. Hausfassaden erinnern sie an Felsen

Warum sitzt die Stadttaube so gern auf einem Fenstersims? Ihre Vorfahrin, die Felsentaube, brütet auf Felsvorsprüngen und in Höhlen. Simse, Erker und Gebäudenischen bieten ähnliche Plätze. Deshalb bauen Stadttauben ihre Nester meist an Gebäuden statt in Bäumen.

Stadttauben sind standorttreu. Deshalb bringt es wenig, sie von einzelnen Gebäuden oder Balkonen zu vertreiben: Oft weichen sie nur auf einen Vorsprung in der Nähe aus oder kehren zu ihrem Partner und Nest zurück.

Schon gewusst?

Die Ringeltaube ist eine von vier wild lebenden Taubenarten, die in Deutschland brüten. Die anderen sind Hohltaube, Türkentaube und Turteltaube.

3. Tauben können Menschen unterscheiden

Für Tauben sieht nicht jeder Mensch gleich aus. In einem Versuch konnten sie einzelne Personen anhand ihres Aussehens unterscheiden. Besonders wichtig waren dabei Merkmale des Kopfes: Wurde er verdeckt, fiel ihnen die Unterscheidung schwerer.

Schon gewusst?

In einem Experiment lernten Tauben, Gemälde von Monet und Picasso auseinanderzuhalten. Später gelang ihnen das auch bei Werken der beiden Künstler, die sie zuvor nicht gesehen hatten.

4. Ihr Heimweg machte sie zu Brieftauben

Brieftauben finden auch über große Entfernungen zu ihrem Heimatschlag zurück. Für eine Nachricht brachte man die Taube zunächst zum Absenderort. Dort befestigte man die Botschaft an ihr und ließ sie frei – sie flog nach Hause. Sollte die Antwort in die andere Richtung gehen, benötigte man Tauben, deren Heimatschlag am anderen Ort lag.

Wie Brieftauben den Rückweg finden, ist noch nicht vollständig geklärt. Sie nutzen unter anderem Gerüche und Orientierungspunkte in der Landschaft. Auch Sonne und Erdmagnetfeld können eine Rolle spielen.

Schon gewusst?

Manche Brieftauben nehmen auf dem Heimweg einen Umweg: In einer GPS-Studie folgten erfahrene Tiere über längere Strecken Autobahnen und einer Bahnlinie. Einige flogen sogar bis zu einer großen Kreuzung weiter, bevor sie in Richtung Heimatschlag abbogen.

5. Taubenpaare kümmern sich gemeinsam um ihren Nachwuchs

Das Gurren eines Täubers gehört zur . Er stellt dabei sein Gefieder auf, verbeugt sich und umwirbt das Weibchen. Finden sich zwei Tauben, bleiben sie in der Regel über Jahre ein Paar. Auch beim Brüten teilen sie sich die Arbeit: Das Männchen bringt Zweige zum Nest, das Weibchen verbaut sie. Später sitzen beide abwechselnd auf den Eiern und versorgen gemeinsam ihre Jungen.

Schon gewusst?

Tauben leben auch außerhalb der Brutzeit gern in Gesellschaft anderer Tauben. Im Schwarm fällt eine Gefahr oft schneller auf: Fliegt eine Taube auf, folgen ihr die anderen meist sofort.

6. Beide Eltern produzieren Kropfmilch

Frisch geschlüpfte Taubenküken bekommen Kropfmilch – eine milchähnliche Nahrung, die außer Tauben nur wenige andere Vögel bilden, darunter Flamingos und Kaiserpinguine. Bei Tauben bilden sowohl die Täubin als auch der Täuber diese eiweiß- und fettreiche Masse im Kropf.

Zum Füttern stecken die Küken ihren Schnabel in den Schnabel der Eltern und nehmen die Nahrung auf, die diese aus dem Kropf hervorwürgen. Anfangs ist das nur Kropfmilch. Nach einigen Tagen kommen zunehmend im Kropf aufgeweichte Körner hinzu.

Schon gewusst?

Die Kropfmilch entsteht schon kurz vor dem Schlüpfen. So können die Eltern ihre Küken vom ersten Tag an damit füttern.

7. Stadttauben brüten mehrmals im Jahr

Bei Stadttauben bleibt es nicht bei einer Frühjahrsbrut. Sie können auch außerhalb der üblichen Brutzeit vieler Wildvögel Eier legen. Ein umfasst gewöhnlich zwei Eier. Unter günstigen Bedingungen sind mehrere Bruten (bis zu acht) pro Jahr möglich.

Menschen hielten Tauben früher auch wegen ihrer Eier und ihres Fleisches. Deshalb züchteten sie Tiere, die möglichst oft Nachwuchs bekamen. Diese Eigenschaft haben Stadttauben geerbt. In Städten finden sie oft zu wenig geeignetes Futter, brüten aber trotzdem weiter. Das kostet die Elterntiere Kraft, und ihre Küken sind häufig schlecht versorgt.

Schon gewusst?

Vom Legen bis zum Schlupf vergehen bei Haustauben ungefähr 17 bis 18 Tage. Danach bleiben die Küken noch mehrere Wochen im Nest.

8. Auf dem Pflaster suchen sie oft aus Hunger nach Essen

Tauben sind hauptsächlich Körner- und Samenfresser. In der Stadt finden sie davon vielerorts zu wenig. Also suchen sie an Imbissständen, auf Schulhöfen oder zwischen Abfällen nach dem, was Menschen liegen lassen. Dass sie dort dicht an uns herankommen, wird schnell als Aufdringlichkeit gedeutet.

Pommes, Brot und andere Essensreste ersetzen kein geeignetes Taubenfutter. Wer helfen möchte, sollte sich über die Regeln vor Ort informieren und eine örtliche Taubenhilfe unterstützen. An betreuten Futterstellen und in Taubenschlägen bekommen die Tauben geeignetes Futter statt Essensreste.

Schon gewusst?

Tauben können Wasser mit dem Schnabel ansaugen. Viele andere Vögel müssen den Kopf zum Schlucken immer wieder anheben.

9. Ihr schlechter Ruf übertreibt manche Risiken

„Ratten der Lüfte“ ist ein abwertender Name, kein Befund. Die Angst, schon eine Taube auf dem Gehweg sei eine große Gesundheitsgefahr, ist unbegründet. Wie bei anderen Vögeln, oder auch Haustieren, sind Infektionen grundsätzlich möglich. Im Alltag ist das Ansteckungsrisiko durch Stadttauben für Menschen jedoch gering. Wenn du eine kranke Taube versorgst oder größere Mengen trockenen Kots entfernst, solltest du Handschuhe sowie Mundschutz tragen und keinen Staub aufwirbeln.

Taubenkot auf Fassaden und Fensterbänken ist ärgerlich und muss entfernt werden. Dass er Gebäude prinzipiell beschädigt, stimmt aber nicht: In einer Untersuchung der TU Darmstadt blieben die getesteten Stein- und Holzoberflächen unverändert. Auf Metall und Lack hinterließ der Kot dagegen Flecken oder beschleunigte die Alterung.

10. Betreute Taubenschläge helfen Menschen und Vögeln

Spikes und Netze halten Tauben von einzelnen Gebäuden fern. Das Problem lösen sie nicht: Die Tiere suchen sich einen anderen Platz in der Nähe. Fachgerecht betreute Taubenschläge setzen dagegen an mehreren Stellen zugleich an: Die Vögel bekommen einen festen Platz, geeignetes Futter und Wasser. Ein Teil des Kots fällt dort an und kann regelmäßig entfernt werden.

In den Schlägen lassen sich frisch gelegte Eier gegen Attrappen tauschen, um den Nachwuchs zu begrenzen. Das funktioniert nur mit passenden Standorten und dauerhafter Betreuung. Für Städte ist es eine echte Möglichkeit, Konflikte zu verringern und zugleich Verantwortung für Tiere zu übernehmen, deren Vorfahren wir selbst zu Haustieren gemacht haben.

Schon gewusst?

Stadttauben hängen an ihren gewohnten Brutplätzen. Ein neuer Taubenschlag sollte deshalb dort stehen, wo sie sich bereits aufhalten. Futter, Wasser und geeignete Nistplätze helfen dabei, die Tiere an den Schlag zu gewöhnen.

Noch nicht eingeflogene Jungtauben gewöhnen sich meist gut an einen neuen Schlag. Bei erwachsenen Tauben, die bereits an einen Brutplatz gebunden sind, gestaltet sich die Eingewöhnung deutlich schwieriger.

Fazit: Ein anderer Blick auf Stadttauben

Taubenkot auf Balkonen und Plätzen ist lästig. Die Tauben trifft allerdings keine Schuld daran, dass sie heute in unseren Städten leben. Sie sind lernfähige, soziale Vögel mit einer Geschichte, die eng mit unserer verbunden ist. Wer ihre Herkunft und Bedürfnisse kennt, versteht besser, weshalb Vertreiben allein nicht reicht.

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