Groß, braun, dunkel geringelte Beine: Wenn die Nosferatu-Spinne plötzlich an der Wohnzimmerwand sitzt, ist der Schreck oft groß. Ihr Name klingt nach Gruselfilm – und schon fragt man sich: Kann sie beißen? Wie gefährlich ist sie wirklich?
Im Herbst fallen Nosferatu-Spinnen besonders häufig auf. Warum das so ist, wie sie über eine Fensterscheibe laufen und was hinter dem „Vampirgesicht“ steckt, erfährst du in diesen zehn Fakten.
1. Ihren Namen verdankt sie einer Zeichnung auf dem Vorderkörper
Schau dir eine Nosferatu-Spinne von oben an: Auf ihrem hellbraunen Vorderkörper (Prosoma) liegt eine dunkle Zeichnung. Manche Menschen erkennen darin einen Totenkopf oder das Gesicht der Filmfigur Nosferatu. Daher stammt ihr deutscher Name – nicht etwa von einer besonderen Vorliebe für Blut.

Auch der Hinterleib (Opisthosoma) ist gemustert. Vorn verläuft eine dunkle, längliche Zeichnung; dahinter sitzen paarige, dunkle Fleckenmuster. Die kräftigen Beine tragen dunkle Ringe. Färbung und Zeichnung unterscheiden sich von Tier zu Tier. Bei manchen ist das Muster deutlich zu erkennen, bei anderen wirkt es blasser.
Schon gewusst? Acht Augen
Die Nosferatu-Spinne besitzt acht Augen, die vorne auf dem Vorderkörper in zwei Reihen angeordnet sind. Ihre Sehfelder richten sich vor allem nach vorn und oben. Anders als bei Wolfsspinnen sind ihre Augen annähernd gleich groß.
2. Sie wirkt riesig – die Beine machen den Unterschied
Ein ausgewachsenes Weibchen erreicht knapp zwei Zentimeter Körperlänge. Mit ausgestreckten Beinen kann die Spinne auf eine Spannweite von ungefähr fünf bis sechs Zentimetern kommen.
Die Nosferatu-Spinne ist also ziemlich groß, doch Große Winkelspinnen können mit ihren langen Beinen eine Spannweite von bis zu zehn Zentimetern erreichen. Eine große braune Spinne im Haus kann also auch eine Winkelspinne sein.

Schon gewusst? Größer werden durch Häutung
Wie andere Spinnen wächst sie nicht einfach gleichmäßig. Jungtiere streifen ihren starren Außenpanzer mehrfach ab. Erst nach der letzten Häutung sind sie geschlechtsreif.
3. In Deutschland wurde sie erst 2005 nachgewiesen
Ursprünglich lebte die Nosferatu-Spinne im Mittelmeerraum. Der erste gesicherte Fund in Deutschland stammt aus Freiburg im Breisgau im Jahr 2005. Heute gibt es Nachweise aus allen Bundesländern. Besonders häufig wird sie in und an Gebäuden beobachtet, wo die wärmeliebende Art geschützte Plätze findet.

Bei ihrer Ausbreitung dürften Transporte und Reisen eine Rolle gespielt haben. Welche Rolle höhere Temperaturen dabei spielen, ist bisher nicht geklärt.
Die Zahl der Meldungen steigt. Das heißt aber nicht, dass es im gleichen Maß mehr Nosferatu-Spinnen gibt: Seit die Art bekannter ist, erkennen und melden mehr Menschen ihre Funde.
Schon gewusst? Als blinder Passagier unterwegs
Dass die Spinne mit uns mitreisen kann, ist dokumentiert: Ein Tier tauchte nach dem Versand eines Pakets aus der Schweiz in Niedersachsen auf. Ein Jungtier gelangte im Reisegepäck bis an die Ostseeküste.
4. Im Herbst gehen die Männchen auf Partnersuche
Warum begegnen wir der Nosferatu-Spinne gerade jetzt häufiger? Im Spätsommer und Herbst liegt ihre Hauptpaarungszeit. Geschlechtsreife Männchen verlassen ihre Verstecke und suchen nach Weibchen. Dabei laufen sie auch über Wände, Böden und durch Wohnungen – und fallen uns plötzlich auf.
Das bedeutet nicht, dass die Spinnen erst im September von draußen ins Haus ziehen: Erwachsene Tiere und Jungspinnen werden in Deutschland das ganze Jahr über beobachtet.

Schon gewusst? Männchen an den Tastern erkennen
Geschlechtsreife Männchen erkennst du an den verdickten Enden ihrer beiden Kiefertaster, der Pedipalpen. Mit ihnen übertragen sie bei der Paarung Sperma auf das Weibchen.
5. Sie jagt ohne Fangnetz
Die Nosferatu-Spinne baut kein Fangnetz, in dem Insekten hängen bleiben. Häufig wartet sie reglos auf Beute und packt ein vorbeikommendes Tier mit einem schnellen Vorstoß der Vorderbeine.

Das unterscheidet sie etwa von der Gartenkreuzspinne, die Beute in ihrem Radnetz fängt.
Schon gewusst? Ein Gespinst als Rückzugsort
Seide braucht die Nosferatu-Spinne trotzdem: In geschützten Ecken spinnt sie ein Wohngespinst, in das sie sich zurückziehen kann. Auch unter Rinde oder in Nistkästen wurden solche Gespinste gefunden.
6. Sie kann an einer glatten Fensterscheibe laufen
Eine Nosferatu-Spinne kann selbst senkrechtes Glas erklimmen. An den Enden ihrer Beine sitzen feine Hafthaare, die auf glatten Flächen Halt geben.

Wer sie an einer Fensterscheibe sieht, bekommt diese Fähigkeit unmittelbar vorgeführt. Auch glatte Fliesen oder andere senkrechte Flächen sind für sie oft kein Hindernis. Das ist einer der Gründe, warum sie in Häusern an Stellen auftauchen kann, an denen wir eine so große Spinne nicht erwarten.
Schon gewusst? Keine Saugnäpfe
Die Hafthaare heißen Setae. Ihre vielen feinen Enden liegen eng an der Oberfläche an und sorgen so für Halt. Die Spinne saugt sich dabei nicht am Glas fest.
7. Auch andere Spinnen stehen auf ihrem Speiseplan
Fliegen und Falter gehören zur Beute der Nosferatu-Spinne. Sie erbeutet aber auch andere Spinnen – gelegentlich sogar Tiere, die größer sind als sie selbst. Sie ist also nicht auf ein bestimmtes Insekt spezialisiert.

Welche Folgen ihre Ausbreitung für heimische Spinnenarten hat, ist bislang nicht ausreichend geklärt.
Schon gewusst? Zugriff in Sekundenbruchteilen
Packt die Nosferatu-Spinne ein Beutetier, dauert der Zugriff oft weniger als eine Zehntelsekunde. Aufrichtbare Stacheln an den Vorderbeinen helfen ihr, die Beute festzuhalten.
8. Das Weibchen bewacht seine Eier
Nach der Paarung stellt das Weibchen einen Kokon mit rund 20 bis 50 Eiern her. Es verbirgt ihn in einem Gespinst aus feinen Kräuselfäden, das fast wie Watte aussieht. Oft bleibt die Spinne direkt beim Kokon. Wird sie gestört, kann sie die Vorderbeine heben und ihre Kieferklauen spreizen, um ihn zu verteidigen.

Bis die Jungspinnen schlüpfen, vergehen je nach Temperatur mehrere Wochen. In kühler Umgebung dauert ihre Entwicklung länger.
Schon gewusst? Fäden feiner als ein Haar
Die watteartige Hülle des Kokons enthält Einzelfäden, die nur etwa 0,1 Mikrometer dick sind – mehrere Hundert Mal dünner als ein menschliches Haar.
9. Sie kann beißen, sucht aber keinen Streit
Die Nosferatu-Spinne besitzt Gift – wie die meisten Spinnen – und überwältigt damit ihre Beute. Ausgewachsene Tiere können mit ihren Beißwerkzeugen auch menschliche Haut durchdringen. Ein Biss ist möglich, wenn die Spinne bedrängt, festgehalten oder versehentlich eingeklemmt wird. Sie greift Menschen nicht gezielt an.

Beschrieben werden überwiegend örtliche Schmerzen an der Bissstelle, Rötung und eine leichte Schwellung, ungefähr wie bei einem leichten Wespenstich. Die Reaktion kann individuell unterschiedlich ausfallen. Wer starke Beschwerden entwickelt oder nach einem Biss unsicher ist, sollte ärztlichen Rat einholen.
Schon gewusst? Was tun nach einem Biss?
Wasche die Bissstelle mit Wasser ab und kühle sie. Wenn du die Spinne gesehen hast, fotografiere sie aus sicherem Abstand – das kann bei einer späteren Bestimmung helfen.
10. Sie wurde sogar in Vogelnistkästen gefunden
Die Nosferatu-Spinne hält sich nicht nur in Wohnungen auf. In einem Basler Park entdeckten Forschende ausgewachsene Tiere in Vogelnistkästen. Manche saßen in einem Gespinst in der Ecke, andere auf altem Nistmaterial.

Die Funde zeigen, dass die Spinne auch draußen geschützte Plätze nutzt.
Schon gewusst? Eine Häutung verrät den Bewohner
In einigen untersuchten Nistkästen lagen neben Nosferatu-Spinnen auch abgestreifte Außenhäute. Die Tiere hatten den geschützten Platz dort offenbar länger genutzt.
Nosferatu-Spinne im Haus: Was tun?
Wenn dich die Spinne in der Wohnung stört, kannst du sie mit einem großen Glas oder Behälter und einem festen Stück Karton aufnehmen. Stülpe den Behälter vorsichtig über sie, schiebe den Karton darunter und bringe sie an einen geschützten Platz im Freien. Drücke sie dabei nicht ein und fasse sie nicht mit der Hand an.

Du musst aber nicht in Panik geraten: Die Nosferatu-Spinne hält Menschen nicht für Beute. Gerade im Herbst begegnen wir ihr häufiger, weil die Männchen auf Partnersuche umherlaufen. Ihr Name klingt gefährlicher, als sie ist.





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