Den Igel schützen: Unterrichtsmaterial für die Grundschule

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2026

Wenn es am Abend im Laub raschelt, ist vielleicht ein Igel auf seiner nächtlichen Suche nach Nahrung unterwegs. Dabei durchquert er Gärten, zwängt sich durch Hecken und sucht zwischen Blättern, Sträuchern und Totholz nach Käfern und anderen kleinen Tieren.

Doch nicht jeder Garten ist für ihn sicher. Geschlossene Zäune versperren seine Wege, Kellerschächte und steile Teichränder können zu Fallen werden, und in aufgeräumten Gärten fehlen häufig Nahrung und geschützte Rückzugsorte.

In dieser Unterrichtseinheit entdecken die Kinder den Garten aus der Perspektive eines Igels. Sie erkennen geeignete Lebensräume und mögliche Gefahren und entwickeln eigene Ideen für einen Garten, in dem Menschen und Igel gut miteinander leben können.

Unterrichtsmaterial auf einen Blick

  • Zielgruppe: Grundschule, Klasse 3–4
  • Dauer: etwa 90 Minuten oder 2 Unterrichtsstunden
  • Lernort: Klassenraum, Schulgarten, Schulhof oder Garten
  • Jahreszeit: ganzjährig; Außenerkundung besonders von April bis Oktober
  • Sozialform: Einzelarbeit, Kleingruppenarbeit und Arbeit im Klassenverband
  • Material: Arbeitsblätter, Schreib- und Buntstifte, feste Schreibunterlagen und gegebenenfalls ein Lageplan des Lernortes
  • Themenbereich: Igel, Lebensräume und Gefahren im Garten
  • BNE-Bezug: Bedürfnisse von Menschen und Wildtieren abwägen und einen sicheren, strukturreichen Lebensraum gestalten

Worum geht es?

Igel sind nachts auf Nahrungssuche und legen dabei Wege durch mehrere Gärten und Grünflächen zurück. Ein einzelner Garten kann deshalb nur ein Teil ihres Lebensraums sein. Damit sie sich sicher bewegen können, benötigen sie zugängliche Wege, ausreichend Nahrung und Wasser sowie geschützte Plätze zum Schlafen und Überwintern.

Viele Elemente, die Menschen in einem gepflegten Garten praktisch finden, können für Igel jedoch zum Problem werden. Geschlossene Zäune versperren ihre Wege, offene Schächte und steile Teichränder werden zu Fallen und nächtliche Gartenarbeiten können die Tiere gefährden. Fehlen außerdem Hecken, Laub und wilde Ecken, finden sie nur wenige Verstecke und Nahrungstiere.

Die zentrale Leitfrage der Unterrichtseinheit lautet:

Wie können wir einen Garten gestalten, in dem Igel sicher unterwegs sind und alles finden, was sie zum Leben brauchen?

Die Kinder betrachten einen Garten oder Schulhof aus der Perspektive eines Igels. Sie erkennen hilfreiche Strukturen und mögliche Gefahren, vergleichen unterschiedliche Bedürfnisse und entwickeln anschließend einen eigenen Plan für einen igelfreundlichen Lebensraum.

Dabei geht es nicht darum, einen Garten vollständig der Natur zu überlassen. Offene Spielflächen, sichere Wege und gepflegte Bereiche können erhalten bleiben. Gleichzeitig lassen sich gezielt Rückzugsorte, Durchgänge und sichere Wasserstellen schaffen.

Lernziele und BNE-Bezug

Die Unterrichtseinheit verbindet grundlegendes Wissen über den Igel mit der Untersuchung und Gestaltung des eigenen Umfelds.

Nach Abschluss der Einheit können die Kinder:

  • die überwiegend nächtliche Lebensweise des Igels beschreiben,
  • wichtige Bedürfnisse des Igels benennen,
  • geeignete Verstecke und Nahrungsräume erkennen,
  • erklären, warum Igel zwischen verschiedenen Gärten wandern,
  • typische Gefahren in Gärten und auf Schulhöfen entdecken,
  • sichere und problematische Gartenelemente unterscheiden,
  • Schutzmaßnahmen für Igel entwickeln,
  • die Bedürfnisse von Menschen und Wildtieren miteinander vergleichen,
  • eigene Gestaltungsvorschläge begründen,
  • gemeinsam einen igelfreundlichen Garten oder Schulhof planen.

BNE-Bezug

Die Kinder untersuchen, wie menschliche Entscheidungen den Lebensraum eines Wildtiers beeinflussen. Dabei erkennen sie, dass ein Zaun, ein aufgeräumtes Beet oder eine technische Arbeitserleichterung aus menschlicher Sicht sinnvoll erscheinen kann, für einen Igel jedoch andere Folgen hat.

Sie lernen, verschiedene Perspektiven einzunehmen und Nutzung, Sicherheit und Naturschutz gegeneinander abzuwägen. Ziel ist keine vorgegebene Musterlösung. Die Kinder sollen selbst entscheiden, welche Veränderungen an ihrem Lernort sinnvoll, realistisch und für Menschen wie Tiere verträglich sind.

Vorbereitung

Vor Beginn der Unterrichtseinheit sollte die Lehrkraft den ausgewählten Lernort prüfen. Geeignet sind ein Schulgarten, Schulhof, Park oder Garten. Eine tatsächliche Igelbeobachtung ist für die Einheit nicht erforderlich.

Folgende Vorbereitungen sind sinnvoll:

  • den Lernort vorher begehen,
  • zugängliche und sichere Bereiche festlegen,
  • Arbeitsblätter ausdrucken,
  • Schreibunterlagen und Buntstifte bereitlegen,
  • Kleingruppen einteilen,
  • gegebenenfalls einen einfachen Lageplan des Geländes vorbereiten,
  • bei einer Durchführung im Klassenraum die Gartenszene aus dem Arbeitsblatt verwenden.

Wichtig: Die Kinder sollen nicht gezielt nach Igeln oder Winterquartieren suchen. Laub-, Reisig- und Totholzhaufen werden nicht angehoben oder auseinandergebaut.

Durchführung

Die Einheit ist für ungefähr 90 Minuten beziehungsweise zwei Unterrichtsstunden vorgesehen. Die einzelnen Abschnitte können auch an verschiedenen Tagen durchgeführt werden.

1. Einstieg: Ein Igel auf nächtlicher Wanderung – etwa 10 Minuten

Die Lehrkraft beschreibt eine kurze Situation:

Es ist dunkel geworden. Ein Igel verlässt sein Versteck unter einer Hecke und macht sich auf die Suche nach Nahrung. Vor ihm liegen mehrere Gärten. Welche Wege kann er nehmen, und was könnte ihm unterwegs begegnen?

Die Kinder sammeln erste Vermutungen:

  • Wo hält sich ein Igel am Tag auf?
  • Warum ist er hauptsächlich nachts unterwegs?
  • Was sucht er im Garten?
  • Welche Hindernisse könnten ihm begegnen?
  • Was braucht er, um sich sicher fortzubewegen?

Die Antworten werden zunächst gesammelt, aber noch nicht bewertet.

2. Was braucht ein Igel? – etwa 15 Minuten

Mit dem ersten Arbeitsblatt beschäftigen sich die Kinder mit den Grundbedürfnissen des Igels. Dazu gehören:

  • Nahrung,
  • Wasser,
  • geschützte Wege,
  • Verstecke,
  • Plätze für den Tagesschlaf,
  • einen ungestörten Ort für den Winterschlaf.

Anschließend wird gemeinsam besprochen, warum ein kurz gemähter Rasen allein noch keinen geeigneten Lebensraum bildet. Entscheidend ist die Verbindung unterschiedlicher Strukturen: offene Bereiche zur Nahrungssuche, dichte Vegetation als Deckung und zugängliche Wege zu weiteren Gärten.

3. Den Lernort untersuchen – etwa 20 Minuten

Die Kinder erkunden den Schulhof, Schulgarten oder einen anderen geeigneten Lernort in Kleingruppen.

Sie suchen nicht nach einem Igel, sondern nach Strukturen, die für ihn wichtig sein könnten:

  • Hecken und dichte Sträucher,
  • Laub, Reisig und Totholz,
  • offene Bodenflächen,
  • insektenreiche Beete,
  • Wasserstellen,
  • Durchgänge unter oder in Zäunen,
  • ruhige und wenig genutzte Bereiche.

Gleichzeitig achten sie auf mögliche Gefahren:

  • vollständig geschlossene Zäune,
  • offene Schächte oder Gruben,
  • steile Teichränder,
  • herumliegende oder tief gespannte Netze,
  • stark versiegelte Flächen,
  • fehlende Rückzugsorte,
  • Bereiche, in denen nachts gemäht wird.

Ist keine Außenerkundung möglich, bearbeiten die Kinder stattdessen die vorbereitete Gartenszene.

4. Gefahren erkennen und Lösungen finden – etwa 15 Minuten

Auf dem zweiten Arbeitsblatt untersuchen die Kinder verschiedene Gefahrenstellen. Zu jedem Problem entwickeln sie eine passende Lösung.

Beispiele:

  • Geschlossener Zaun: einen ausreichend großen Durchgang schaffen
  • Offener Kellerschacht: mit einem geeigneten Gitter abdecken
  • Steiler Teichrand: flache Uferzone oder Ausstiegshilfe ergänzen
  • Nächtlicher Mähroboter: nur tagsüber und unter Aufsicht einsetzen
  • Fehlende Verstecke: Laub, Reisig und Totholz in einer ruhigen Ecke belassen

Die Kinder sollen dabei nicht nur benennen, was entfernt werden müsste. Sie sollen lernen, dass sich Gefahren bereits durch kleine Veränderungen entschärfen lassen.

5. Bedürfnisse miteinander vergleichen – etwa 20 Minuten

Die Gruppen überlegen, welche Ansprüche Menschen an einen Garten oder Schulhof stellen:

  • Platz zum Spielen und Bewegen,
  • sichere und übersichtliche Wege,
  • Sitzplätze,
  • gepflegte Bereiche,
  • gut nutzbare Flächen.

Diesen stellen sie die Bedürfnisse des Igels gegenüber. Anschließend suchen sie nach Lösungen, die beide Seiten berücksichtigen.

Ein möglicher Kompromiss könnte so aussehen:

  • zentrale Spielflächen bleiben offen,
  • an wenig genutzten Rändern entstehen wilde Ecken,
  • Zäune erhalten einzelne Durchgänge,
  • Wasserstellen werden sicher gestaltet,
  • Laub bleibt unter ausgewählten Sträuchern liegen,
  • Gartenarbeiten finden nur zu geeigneten Zeiten statt.

6. Einen igelfreundlichen Garten planen – etwa 10 Minuten

Zum Abschluss gestalten die Kinder auf dem dritten Arbeitsblatt einen eigenen Plan. Sie zeichnen ein, welche Bereiche erhalten bleiben und welche Veränderungen sie vorschlagen.

Jede Gruppe stellt anschließend eine besonders wichtige Maßnahme vor und begründet ihre Entscheidung.

Fachliches Hintergrundwissen

Lebensweise des Igels

Der Braunbrustigel ist überwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv. Tagsüber ruht er an geschützten Orten, insbesondere unter dichten Hecken, Sträuchern, Laub oder Totholz.

Igel sind Einzelgänger und durchstreifen auf der Suche nach Nahrung größere Gebiete. Deshalb reicht ein einzelner Garten als Lebensraum nicht aus. Zugängliche Verbindungen zwischen benachbarten Grundstücken sind besonders wichtig.

Nahrung

Igel ernähren sich hauptsächlich von tierischer Nahrung. Dazu gehören unter anderem:

  • Laufkäfer und andere Insekten,
  • Insektenlarven,
  • Regenwürmer,
  • Spinnen,
  • Schnecken und weitere wirbellose Tiere.

Ein naturnaher und giftfrei bewirtschafteter Garten unterstützt die Tiere vor allem indirekt: Heimische Pflanzen, Laub, Totholz und abwechslungsreiche Beete fördern zahlreiche kleine Bodenlebewesen, die dem Igel als Nahrung dienen.

Obst gehört nicht zu seiner eigentlichen Nahrung. Wenn Igel unter Fallobst suchen, interessieren sie sich meist für die dort lebenden Würmer und Insekten.

Verstecke und Winterquartiere

Hecken, Gebüsche sowie Laub-, Reisig- und Holzhaufen bieten dem Igel Schutz. Er nutzt solche Strukturen für den Tagesschlaf, als Nestplatz und im Winter als Quartier.

Fehlen natürliche Rückzugsorte, kann zusätzlich ein geschütztes Igelhaus angeboten werden. Wie du ein geeignetes Quartier selbst baust und richtig aufstellst, zeigen wir dir in unserer Anleitung Einfaches Igelhaus bauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Garten.

Potenzielle Rückzugsorte sollten nicht angehoben, umgesetzt oder ohne vorherige Kontrolle entfernt werden. Besonders während des Winterschlafs können Störungen wertvolle Energiereserven kosten.

Sichere Wege

Da Igel mehrere Gärten durchqueren, können vollständig geschlossene Grundstücksgrenzen ihren Lebensraum stark einschränken. Der NABU empfiehlt Öffnungen in Zäunen, die mindestens zehn Zentimeter hoch und breit sind. Wichtig sind glatte Kanten, an denen sich das Tier nicht verletzen kann.

Gefahren im Garten

Viele Gefahren entstehen unbeabsichtigt. Dazu gehören offene Schächte, Gruben, steile Teichränder, lose Netze sowie Gartenarbeiten in unübersichtlichen Bereichen.

Teiche sollten eine flache Uferzone oder eine Ausstiegshilfe besitzen. Schächte und Gruben müssen so abgedeckt werden, dass keine Tiere hineinfallen können. Der LBV empfiehlt außerdem durchlässige Gartengrenzen, giftfreie Pflege sowie den Erhalt von Hecken, Laub- und Holzhaufen.

Mähroboter und andere Schneidegeräte sollten nicht in der Dämmerung oder nachts eingesetzt werden. Vor Arbeiten unter Hecken, in hohem Gras oder in Laubhaufen muss der Bereich sorgfältig kontrolliert werden.

Wildtiere beobachten

Für die Unterrichtseinheit muss kein Igel angefasst oder aus seinem Versteck geholt werden. Eine Untersuchung der vorhandenen Lebensraumstrukturen reicht vollständig aus.

Wird tatsächlich ein Igel entdeckt, beobachten die Kinder ihn ruhig aus der Entfernung. Das Tier wird nicht verfolgt, gefüttert oder hochgenommen. Bei einem sichtbar verletzten oder offensichtlich hilfsbedürftigen Tier sollten ausschließlich Erwachsene handeln und fachlichen Rat bei einer Igelstation oder Tierarztpraxis einholen.

Reflexionsfragen

Für das abschließende Gespräch eignen sich folgende Fragen:

  • Warum benötigt ein Igel mehr als einen einzelnen Garten?
  • Welche Dinge sind für Menschen praktisch, können für Igel aber gefährlich werden?
  • Muss ein igelfreundlicher Garten vollständig wild sein?
  • Welche kleinen Veränderungen haben eine besonders große Wirkung?
  • Welche Bereiche eines Schulhofs könnten naturnäher gestaltet werden?
  • Warum ist es wichtig, einen Lebensraum zuerst zu beobachten?
  • Wer trägt die Verantwortung dafür, dass Tiere sicher zwischen verschiedenen Gärten wandern können?
  • Welche Maßnahme ließe sich an unserem Lernort tatsächlich umsetzen?

Differenzierung

Vereinfachung für die Klassen 1–2

Für jüngere Kinder kann die Einheit stärker bildorientiert durchgeführt werden:

  • sichere und gefährliche Gartenelemente mit Farben markieren,
  • Bilder den Kategorien Nahrung, Wasser, Schutz und Gefahr zuordnen,
  • einen sicheren Weg für den Igel durch ein Gartenbild einzeichnen,
  • eine gemeinsame Schutzregel formulieren,
  • weniger Begriffe und kürzere Schreibaufträge verwenden.

Erweiterung für die Klassen 5–6

Ältere Kinder können zusätzliche Aufgaben übernehmen:

  • den untersuchten Lernort maßstabsgerecht skizzieren,
  • Gefahren nach Dringlichkeit bewerten,
  • Kosten und Umsetzbarkeit der Maßnahmen vergleichen,
  • Nutzungskonflikte zwischen Ordnung, Freizeit und Naturschutz diskutieren,
  • einen schriftlich begründeten Antrag an die Schule oder Gemeinde formulieren,
  • ein zusammenhängendes Netzwerk mehrerer Gärten planen.

Arbeitsblätter zum Herunterladen

Passend zu dieser Unterrichtseinheit stehen drei Arbeitsblätter zur Verfügung. Sie können einzeln verwendet oder zu einer vollständigen Unterrichtsstunde kombiniert werden.

Der Igel unterwegs in der Nacht

Die Kinder begleiten einen Igel auf seiner nächtlichen Wanderung und lernen seine Nahrung, Verstecke und grundlegenden Bedürfnisse kennen.

Umfang: 4-seitiges Arbeitsblatt (PDF)


Gefahren im Garten erkennen

Die Kinder untersuchen verschiedene Gartensituationen, entdecken mögliche Gefahren und ordnen ihnen passende Schutzmaßnahmen zu.

Umfang: 4-seitiges Arbeitsblatt (PDF)


Unser igelfreundlicher Garten

Die Kinder vergleichen die Bedürfnisse von Menschen und Igeln und entwickeln einen eigenen Plan für einen sicheren, strukturreichen Garten.

Umfang: 4-seitiges Arbeitsblatt (PDF)


Kostenloses Bildmaterial für Unterricht und Bildungsarbeit

Du kannst die Illustrationen kostenlos herunterladen und für den Unterricht, eigene Arbeitsblätter und Präsentationen verwenden.

Bitte gib BioGartenLiving.de als Quelle an. Der Verkauf oder die Weitergabe der Bilddateien ist nicht erlaubt.


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