Was bedeutet autochthon, worin unterscheiden sich Wildpflanzen und Zuchtsorten und was ist eigentlich ein Sandarium? In unserem Naturgarten-Lexikon erklären wir wichtige Begriffe rund um naturnahes Gärtnern, heimische Pflanzen und tierfreundliche Lebensräume – kurz, verständlich und praxisnah.
A
Archäophyt
Archäophyten sind Pflanzenarten, die durch menschlichen Einfluss bereits vor 1492 in ein Gebiet gelangt sind und sich dort dauerhaft etabliert haben. Viele kamen im Zusammenhang mit früher Landwirtschaft und Handel nach Mitteleuropa. Sie werden von den später eingeführten Neophyten unterschieden.
Artenvielfalt
Artenvielfalt bezeichnet die Vielfalt verschiedener Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Mikroorganismenarten in einem Gebiet. Sie ist ein Teil der biologischen Vielfalt, zu der außerdem die genetische Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme gehören.
Ausdauernde Pflanze
Ausdauernde Pflanzen leben länger als zwei Jahre und können über mehrere Vegetationsperioden erneut austreiben. Je nach Art überdauern sie ungünstige Zeiten beispielsweise mit Wurzeln, Rhizomen, Knollen, Zwiebeln oder verholzten Pflanzenteilen.
Autochthon
Autochthon bedeutet ursprünglich oder alteingesessen in einem bestimmten Gebiet. Bei Pflanzen wird der Begriff häufig für Vorkommen verwendet, die sich dort ohne menschliche Einführung entwickelt haben. Im Gartenbau ist meist die genauere Bezeichnung gebietsheimisch hilfreicher.
B
Benjeshecke
Eine Benjeshecke besteht aus locker zwischen Pfählen aufgeschichtetem Gehölzschnitt. Sie bietet Tieren Deckung und Nistmöglichkeiten und kann sich durch eingetragene Samen allmählich begrünen. Nicht jeder Reisighaufen entwickelt sich jedoch automatisch zu einer artenreichen Hecke.
Bestäubung
Bestäubung ist die Übertragung von Pollen auf die für die Befruchtung empfänglichen Teile einer Blüte. Sie kann durch Tiere, Wind, Wasser oder Selbstbestäubung erfolgen. Erst nach erfolgreicher Bestäubung und Befruchtung können bei Samenpflanzen Samen entstehen.
Biodiversität
Biodiversität oder biologische Vielfalt umfasst drei Ebenen: die Vielfalt der Arten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Der Begriff ist deshalb weiter gefasst als Artenvielfalt.
Biotop
Ein Biotop ist ein räumlich abgrenzbarer Lebensraum mit bestimmten Umweltbedingungen. Teich, Trockenmauer oder Blumenwiese können unterschiedliche Biotope sein. Die darin lebende Gemeinschaft von Organismen wird als Biozönose bezeichnet.
Biotopverbund
Ein Biotopverbund ist ein räumliches Netzwerk aus Kernflächen, verbindenden Elementen und Trittsteinen. Er soll den Austausch zwischen Lebensräumen ermöglichen und der Isolation von Populationen entgegenwirken. Welche Strukturen helfen, hängt von den jeweiligen Arten ab.
Blumenwiese
Eine Blumenwiese ist eine dauerhaft bestehende Pflanzengemeinschaft aus Gräsern und krautigen Blütenpflanzen. Sie wird nur wenige Male im Jahr gemäht. Standort, Saatgut, Bodenvorbereitung und der Abtransport des Mähguts beeinflussen ihre Entwicklung maßgeblich.
Bodenleben
Zum Bodenleben gehören alle im Boden lebenden Organismen, darunter Bakterien, Pilze, Einzeller, Fadenwürmer, Milben, Springschwänze und Regenwürmer. Gemeinsam zersetzen sie organisches Material, setzen Nährstoffe um und wirken an der Bildung stabiler Bodenstrukturen mit.
Bodenschluss
Bodenschluss bedeutet, dass Saatgut oder Pflanzenwurzeln ausreichend Kontakt zum umgebenden Boden haben. Bei einer Aussaat wird feines Saatgut deshalb häufig angedrückt.
Brutzelle
Eine Brutzelle ist eine einzelne Kammer innerhalb eines Nestes, in der sich der Nachwuchs entwickelt. Bei vielen Wildbienen legt das Weibchen einen Vorrat aus Pollen und Nektar hinein, legt darauf ein Ei ab und verschließt anschließend die Zelle.
D
Direktsaat
Bei der Direktsaat wird Saatgut unmittelbar an seinem endgültigen Standort im Beet, Hochbeet oder Pflanzgefäß ausgesät. Die Jungpflanzen werden nicht vorgezogen und später umgepflanzt. Aussaatzeit, Saattiefe und Abstand richten sich nach der jeweiligen Pflanzenart.
Dunkelkeimer
Dunkelkeimer benötigen für eine zuverlässige Keimung Dunkelheit oder werden durch Licht in ihrer Keimung gehemmt. Ihr Saatgut wird entsprechend der jeweiligen Art mit Substrat bedeckt. Die passende Saattiefe ist artspezifisch.
E
Einjährige Pflanze
Einjährige Pflanzen durchlaufen ihren gesamten Lebenszyklus innerhalb einer Vegetationsperiode. Sie keimen, wachsen, blühen, bilden Samen und sterben anschließend ab. Die nächste Generation überdauert bei diesen Arten in der Regel als Saatgut.
Erdnister
Erdnister legen ihre Nester im Boden an. Bei Wildbienen gräbt das Weibchen je nach Art eigene Nistgänge oder nutzt geeignete vorhandene Hohlräume. Wichtig sind offene, ungestörte Bodenstellen mit passender Bodenart, Feuchtigkeit und Besonnung.
Extensive Pflege
Extensive Pflege bedeutet, eine Fläche mit vergleichsweise wenigen Eingriffen zu erhalten. Dazu können seltene Mahd, der Verzicht auf Dünger und das zeitversetzte Zurückschneiden von Pflanzen gehören. Wenig Pflege bedeutet dabei nicht, eine Fläche vollständig sich selbst zu überlassen.
F
Flachwasserzone
Die Flachwasserzone ist ein dauerhaft wasserbedeckter, relativ seichter Bereich eines Teiches. Sie erwärmt sich schnell und bietet geeigneten Wasser- und Sumpfpflanzen sowie vielen Tieren Lebensraum. Ein flacher Übergang erleichtert Tieren außerdem den Ein- und Ausstieg.
Fruchtfolge
Fruchtfolge bezeichnet die zeitliche Abfolge verschiedener Kulturpflanzen auf derselben Fläche. Ein geplanter Wechsel von Pflanzenfamilien und Nährstoffansprüchen kann Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Vermehrung bestimmter Krankheiten und Schädlinge begrenzen.
G
Gebietsheimisch
Gebietsheimisch beschreibt Pflanzen, die aus einem bestimmten Herkunftsgebiet stammen und dort natürlich vorkommen. Bei Ansaaten in der freien Natur ist die regionale Herkunft besonders wichtig. Für den besiedelten Bereich gelten teilweise andere rechtliche Rahmenbedingungen.
Gefüllte Blüte
Bei einer gefüllten Blüte sind zusätzliche Blütenblätter vorhanden, häufig weil Staubblätter züchterisch in Blütenblätter umgewandelt wurden. Dadurch können Pollen und Nektar reduziert oder schwerer erreichbar sein. Wie stark das zutrifft, unterscheidet sich je nach Pflanze und Sorte.
Gehölz
Als Gehölze werden Pflanzen bezeichnet, deren oberirdische Achsen dauerhaft verholzen. Dazu gehören Bäume, Sträucher und Zwergsträucher. Stauden unterscheiden sich davon, weil ihre oberirdischen Triebe in der Regel nicht dauerhaft verholzen.
Generalist
Ein Generalist kann ein vergleichsweise breites Spektrum an Nahrung, Lebensräumen oder anderen Ressourcen nutzen. Welche Breite gemeint ist, hängt vom betrachteten Merkmal ab. Eine Art kann bei der Nahrung generalistisch und beim Nistplatz dennoch spezialisiert sein.
Geophyt
Geophyten sind mehrjährige Pflanzen, deren Überdauerungsorgane im Boden liegen. Dazu zählen je nach Art Zwiebeln, Knollen oder Rhizome. Auf diese Weise können sie ungünstige Jahreszeiten überstehen und später erneut austreiben.
Gründüngung
Bei einer Gründüngung werden Pflanzen vor allem zum Schutz und zur Verbesserung des Bodens angebaut, nicht zur Ernte. Sie bedecken den Boden, durchwurzeln ihn und liefern anschließend organisches Material. Welche Arten geeignet sind, hängt auch von der geplanten Fruchtfolge ab.
H
Habitat
Habitat bezeichnet den Lebensraum einer bestimmten Art oder eines bestimmten Entwicklungsstadiums. Ein Garten kann für dieselbe Tierart mehrere benötigte Teilhabitate enthalten, etwa Nahrungspflanzen, Nistplätze und Winterquartiere.
Heimische Pflanze
Eine heimische Pflanze kommt in einem betrachteten Gebiet natürlicherweise oder bereits seit langer Zeit etabliert vor. Welche Art als heimisch gilt, hängt deshalb immer vom geografischen Bezugsraum und von der verwendeten Definition ab.
Hohlraumnister
Hohlraumnister nutzen vorhandene Hohlräume für ihre Nester. Einige Wildbienenarten besiedeln beispielsweise Käferfraßgänge, hohle Pflanzenstängel oder geeignete Niströhren. Sie bilden nur einen Teil der heimischen Wildbienenarten ab.
Humus
Humus ist die Gesamtheit der abgestorbenen organischen Substanz im Boden. Er entsteht durch die Zersetzung und Umwandlung pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Reste. Humus beeinflusst unter anderem Bodenstruktur, Nährstoffspeicherung und Wasserhaltevermögen.
I
Insektenhotel
Insektenhotel ist eine Sammelbezeichnung für künstliche Nisthilfen und Unterschlüpfe für Insekten. Viele angebotene Modelle erfüllen die Ansprüche der beworbenen Arten nicht. Bauweise, Material, Standort und Zielart entscheiden darüber, ob eine Nisthilfe funktioniert.
Invasiver Neophyt
Ein invasiver Neophyt ist eine nach der Entdeckung Amerikas durch menschlichen Einfluss eingeführte Pflanzenart, deren Ausbreitung die biologische Vielfalt oder andere Schutzgüter gefährden kann. Nicht jeder Neophyt ist invasiv.
K
Käferkeller
Ein Käferkeller ist ein mit morschem Holz, Ästen und anderem organischem Material gefüllter, teilweise in den Boden eingelassener Lebensraum. Er soll holzbewohnenden Organismen und weiteren Gartentieren geschützte, feuchte Strukturen anbieten.
Kaltkeimer
Kaltkeimer benötigen nach der Aussaat eine längere kühle und feuchte Phase, bevor die Keimung einsetzen kann. Dieser natürliche Mechanismus verhindert bei vielen Arten, dass Samen bereits vor dem Winter austreiben.
Keimruhe
Keimruhe oder Dormanz verhindert, dass ein keimfähiger Samen sofort austreibt, obwohl Wasser, Sauerstoff und Temperatur grundsätzlich geeignet erscheinen. Je nach Pflanzenart wird sie beispielsweise durch Kälte, Wärme, Licht, Nachreifung oder eine durchlässiger werdende Samenschale beendet.
Kompost
Kompost entsteht, wenn organische Garten- und Küchenabfälle unter Beteiligung von Sauerstoff, Mikroorganismen und Bodentieren zersetzt werden. Reifer Kompost liefert organische Substanz und Pflanzennährstoffe und kann die Bodenstruktur sowie das Bodenleben fördern.
Krautsaum
Ein Krautsaum ist ein streifenförmiger Pflanzenbestand am Übergang zwischen zwei Lebensräumen, etwa vor einer Hecke oder entlang eines Weges. Wird er selten und abschnittsweise gemäht, kann er Nahrung, Deckung und Überwinterungsplätze bieten.
L
Laubhaufen
Ein Laubhaufen ist eine locker aufgeschichtete Ansammlung von Herbstlaub. An einem ruhigen, geschützten Ort kann er Tieren Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten bieten. Das Laub wird außerdem nach und nach von Bodenorganismen zersetzt.
Lebensraum
Ein Lebensraum ist ein Bereich mit bestimmten Bedingungen, in dem Organismen leben, Nahrung finden und sich fortpflanzen können. Im Naturgarten entstehen unterschiedliche Lebensräume beispielsweise durch Wasser, Gehölze, offene Böden, Steine und Totholz.
Lichtkeimer
Lichtkeimer benötigen Licht als Signal für die Keimung. Ihr Saatgut wird deshalb nicht oder nur sehr dünn bedeckt und anschließend angedrückt. Viele typische Wiesenpflanzen gehören zu dieser Gruppe.
Lichtverschmutzung
Lichtverschmutzung bezeichnet die Aufhellung der natürlichen Nacht durch künstliches Licht. Unnötige, zu helle oder ungünstig ausgerichtete Beleuchtung kann den Tag-Nacht-Rhythmus von Menschen und Tieren verändern und nachtaktive Insekten beeinträchtigen.
M
Magerbeet
Ein Magerbeet ist ein nährstoffarmer Pflanzbereich, der häufig aus mineralischen Bestandteilen wie Sand, Kies oder Schotter aufgebaut wird. Es eignet sich für Pflanzen, die auf mageren und trockenen Standorten konkurrenzfähig sind.
Mahdgut
Mahdgut ist das beim Mähen anfallende Pflanzenmaterial. Wird es nach dem Trocknen von einer Wiese abgeräumt, werden mit ihm Nährstoffe von der Fläche abgeführt. Bleibt viel Mahdgut dauerhaft liegen, kann sich eine dichte Streuschicht bilden, die niedrige Pflanzen und lichtbedürftige Keimlinge beeinträchtigt.
Mischkultur
Mischkultur bezeichnet den gleichzeitigen Anbau verschiedener Nutz- und Begleitpflanzen auf derselben Beetfläche. Die Arten werden räumlich miteinander kombiniert. Sie unterscheidet sich damit von der Fruchtfolge, welche die zeitliche Abfolge der Kulturen beschreibt.
Mittelzehrer
Mittelzehrer sind Kulturpflanzen mit einem mittleren Nährstoffbedarf. Sie liegen in der gärtnerischen Einteilung zwischen Stark- und Schwachzehrern. Wie viel Dünger tatsächlich erforderlich ist, hängt von Pflanzenart, Boden und vorhandener Nährstoffversorgung ab.
Mulch
Mulch ist eine schützende Schicht aus organischem oder mineralischem Material auf der Bodenoberfläche. Sie kann Verdunstung und Erosion verringern sowie unerwünschten Aufwuchs unterdrücken. Material und Schichtdicke müssen zum Standort und zur Bepflanzung passen.
Mulchmahd
Bei der Mulchmahd wird das Schnittgut stark zerkleinert und bleibt auf der gemähten Fläche liegen. Die Nährstoffe gehen in den Boden zurück. Für artenreiche, magere Blumenwiesen ist dieses Verfahren daher weniger geeignet als Mähen mit anschließendem Abräumen.
N
Naturgarten
Ein Naturgarten ist ein bewusst gestalteter und gepflegter Garten, der Menschen Raum bietet und zugleich heimische Tiere und Pflanzen fördert. Typisch sind vielfältige Lebensräume, standortgerechte Bepflanzung und eine möglichst ressourcenschonende Pflege.
Naturnah
Naturnah beschreibt eine Gestaltung oder Pflege, die sich an natürlichen Vorgängen und Lebensräumen orientiert. Der Begriff ist nicht geschützt und sagt allein noch nichts über die konkrete ökologische Qualität einer Fläche aus.
Naturteich
Ein Naturteich ist ein möglichst naturnah gestaltetes Gartengewässer mit unterschiedlichen Tiefen- und Uferbereichen. Pflanzen, Mikroorganismen und Tiere prägen sein ökologisches Gleichgewicht. Auf Fische, steile glatte Ränder und unnötige chemische Mittel wird verzichtet.
Nektar
Nektar ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die Pflanzen in speziellen Drüsen bilden. Sie dient vielen Tieren als energiereiche Nahrung und kann Bestäuber zum Blütenbesuch anlocken. Nektar und Pollen erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Neophyt
Als Neophyten gelten Pflanzenarten, die nach 1492 durch menschlichen Einfluss in ein Gebiet gelangt sind. Viele bleiben unauffällig und verursachen keine bekannten Probleme. Nur ein kleiner Teil wird als invasiv bewertet.
Nistgang
Ein Nistgang ist ein von einem Tier angelegter oder genutzter Gang, von dem einzelne Brutzellen abgehen oder hintereinander angeordnet werden. Länge, Durchmesser, Material und Verschluss unterscheiden sich je nach Art.
Nisthilfe
Eine Nisthilfe ist eine künstlich geschaffene Struktur, die Tieren geeignete Plätze für Brut oder Nachwuchs bietet. Sie ersetzt weder Nahrung noch natürliche Lebensräume und muss auf die Bedürfnisse der jeweiligen Artengruppe abgestimmt sein.
O
Offene Bodenstelle
Eine offene Bodenstelle ist ein unbewachsener oder nur lückig bewachsener Bereich. Solche Stellen können bodennistenden Insekten als Nistplatz dienen und manchen kurzlebigen Pflanzen die Keimung ermöglichen. Bodenart, Besonnung und Feuchtigkeit bestimmen, welche Arten profitieren.
Olla
Eine Olla ist ein unglasiertes, poröses Tongefäß, das in den Boden eingegraben und mit Wasser gefüllt wird. Das Wasser tritt langsam durch die Gefäßwand in den umgebenden Boden über. Wie groß der bewässerte Bereich ist, hängt unter anderem von Gefäß, Boden und Wasserbedarf ab.
P
Pfahlwurzel
Eine Pfahlwurzel ist eine kräftige, meist senkrecht in den Boden wachsende Hauptwurzel, von der schwächere Seitenwurzeln abzweigen. Sie kann tiefe Bodenschichten erschließen und bei manchen Arten zusätzlich als Speicherorgan dienen.
Pikieren
Pikieren bedeutet, dicht stehende junge Sämlinge vorsichtig zu vereinzeln und in eigene Töpfe oder mit größerem Abstand umzupflanzen. Dadurch erhalten sie mehr Platz für ihre weitere Entwicklung. Nicht jede Pflanzenart verträgt diesen Arbeitsschritt gleich gut.
Pionierpflanze
Pionierpflanzen besiedeln offene, gestörte oder neu entstandene Standorte frühzeitig. Sie kommen häufig mit nährstoffarmen oder extremen Bedingungen zurecht und beeinflussen den Standort so, dass später weitere Pflanzenarten folgen können.
Pollen
Pollen besteht aus Pollenkörnern, welche die männlichen Fortpflanzungszellen der Samenpflanzen transportieren. Für Bienen ist Pollen zugleich eine wichtige Eiweiß- und Nährstoffquelle, insbesondere für die Versorgung ihrer Larven.
R
Raupenfutterpflanze
Eine Raupenfutterpflanze dient Schmetterlingsraupen als Nahrung. Viele Raupen können nur bestimmte Pflanzenarten, Gattungen oder Familien verwerten. Blüten mit Nektar für erwachsene Schmetterlinge ersetzen deshalb nicht automatisch geeignete Nahrung für deren Nachwuchs.
Regiosaatgut
Regiosaatgut ist Saatgut gebietseigener Wildpflanzen aus festgelegten Ursprungsgebieten. Es wird vor allem verwendet, um bei Ansaaten außerhalb von Siedlungen die regionalen genetischen Besonderheiten wild lebender Pflanzenbestände zu berücksichtigen.
Reisighaufen
Ein Reisighaufen besteht aus locker aufgeschichteten dünnen Ästen und Zweigen. Die entstehenden Zwischenräume können Vögeln, Kleinsäugern, Amphibien und Wirbellosen Deckung bieten. Er sollte an einem möglichst ungestörten Ort liegen bleiben dürfen.
Rhizom
Ein Rhizom ist eine unterirdisch oder bodennah wachsende Sprossachse. Es besitzt Knoten, kann Nährstoffe speichern und neue Triebe sowie Wurzeln bilden. Rhizome sind botanisch keine Wurzeln, auch wenn sie unter der Erde wachsen.
Rindenmulch
Rindenmulch besteht aus zerkleinerter Baumrinde und wird als Bodenabdeckung verwendet. Er unterdrückt Aufwuchs und vermindert die Austrocknung des Bodens, eignet sich aber nicht für jede Pflanzung. Beim Abbau kann vorübergehend Stickstoff im Oberboden gebunden werden.
Rote Liste
Rote Listen bewerten und dokumentieren nach festgelegten Kriterien die Gefährdungssituation von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in einem bestimmten Bezugsraum. Eine Aufnahme bedeutet nicht automatisch gesetzlichen Schutz. Auch ungefährdete und nicht bewertete Arten können in Gesamtartenlisten aufgeführt sein.
S
Sandarium
Ein Sandarium ist eine sonnige, möglichst trockene Sandfläche, die bodennistenden Wildbienen und anderen grabenden Insekten Nistmöglichkeiten bieten soll. Entscheidend sind grabfähiges Material, ausreichend offene Oberfläche und passende Nahrungspflanzen in der Umgebung.
Schwachzehrer
Schwachzehrer sind Kulturpflanzen mit vergleichsweise geringem Nährstoffbedarf. Zu ihnen werden unter anderem Feldsalat, Radieschen und verschiedene Kräuter gezählt. Auch Schwachzehrer benötigen Nährstoffe, vertragen aber häufig keine starke Düngung.
Selbstaussaat
Bei der Selbstaussaat fallen reife Samen einer Pflanze an Ort und Stelle oder in ihrer Umgebung aus und keimen dort ohne gezielte Aussaat durch den Menschen. Ob daraus neue Pflanzen entstehen, hängt unter anderem von Boden, Konkurrenz, Feuchtigkeit und Witterung ab.
Solitär lebend
Solitär lebende Tiere bilden keinen dauerhaften Staat mit gemeinsamer Brutpflege. Viele Wildbienenweibchen bauen und versorgen jeweils ihr eigenes Nest. Mehrere einzelne Nester können dennoch dicht nebeneinander liegen.
Sorte
Eine Sorte ist eine durch Züchtung oder Auslese entstandene Gruppe von Pflanzen mit festgelegten und wiedererkennbaren Merkmalen. Diese können beispielsweise Wuchs, Blütenfarbe, Ertrag oder Widerstandsfähigkeit betreffen. Sorten sind nicht grundsätzlich ökologisch wertlos.
Spezialist
Ein Spezialist nutzt nur ein eng begrenztes Spektrum bestimmter Ressourcen oder Lebensbedingungen. Manche Wildbienen sammeln beispielsweise Pollen nur an Pflanzen einer bestimmten Gattung oder Familie. Spezialisierung macht Arten häufig besonders abhängig von passenden Lebensräumen.
Starkzehrer
Starkzehrer sind Kulturpflanzen mit vergleichsweise hohem Nährstoffbedarf, insbesondere während ihres kräftigen Wachstums. Dazu zählen beispielsweise viele Kohlarten, Kürbis, Tomate und Zucchini.
Staude
Eine Staude ist eine mehrjährige krautige Pflanze. Ihre oberirdischen Triebe verholzen nicht dauerhaft und können im Winter ganz oder teilweise absterben, während die Pflanze aus bodennahen oder unterirdischen Organen erneut austreibt.
Staunässe
Staunässe entsteht, wenn Wasser im Boden oder Pflanzgefäß über längere Zeit nicht ausreichend abfließen kann. Dabei werden luftgefüllte Bodenporen mit Wasser gefüllt und den Wurzeln fehlt Sauerstoff. Empfindliche Pflanzen reagieren mit Wurzelschäden oder Fäulnis.
Steilwandnister
Steilwandnister graben ihre Nester in geeignete senkrechte oder stark geneigte Flächen aus Lehm, Löss oder ähnlich formstabilem Material.
Steinhaufen
Ein Steinhaufen schafft Spalten, Hohlräume sowie warme und kühle Bereiche. Je nach Standort und Aufbau kann er Verstecke, Sonnenplätze oder Winterquartiere bieten. Besonders wertvoll ist er, wenn unterschiedliche Steingrößen und ungestörte Randbereiche vorhanden sind.
Stratifizieren
Stratifizieren bezeichnet eine gezielte Behandlung von Saatgut, mit der die natürliche Keimruhe bestimmter Arten überwunden wird. Bei vielen Kaltkeimern geschieht dies durch eine längere feuchte Kältephase. Dauer und Temperatur richten sich nach der jeweiligen Pflanzenart.
Strukturvielfalt
Strukturvielfalt bezeichnet das Vorhandensein unterschiedlicher Strukturen in einem Lebensraum. Im Garten schaffen beispielsweise Gehölze, offene Bodenstellen, Wasserflächen, Steine, Totholz und unterschiedlich hohe Vegetation verschiedene Lebensräume und ökologische Nischen.
Substrat
Ein Pflanzsubstrat ist ein natürliches oder zusammengestelltes Material, in dem Pflanzen wurzeln. Es soll den Wurzeln Halt geben und je nach Verwendung Wasser, Luft sowie Nährstoffe bereitstellen. Zusammensetzung und Eigenschaften werden an die jeweilige Kultur angepasst.
Sukzession
Sukzession bezeichnet die zeitliche Veränderung von Artenzusammensetzung und Vegetation an einem Standort. Auf offenem Boden können beispielsweise zunächst kurzlebige Pionierpflanzen, später ausdauernde Stauden, Sträucher und schließlich Gehölze folgen. Der tatsächliche Verlauf hängt vom Standort ab.
T
Torffrei
Torffrei bedeutet, dass ein Pflanzsubstrat keinen Torf enthält. Torffreie und torfreduzierte Produkte sind nicht dasselbe, denn torfreduzierte Erden können weiterhin einen erheblichen Torfanteil besitzen. Als Ersatzstoffe dienen beispielsweise Holzfasern, Rindenhumus und Kompost.
Totholz
Totholz ist abgestorbenes Holz, das als stehender oder liegender Stamm, Ast oder Wurzel in der Natur verbleibt. Es dient zahlreichen Pilzen, Käfern und anderen Organismen als Nahrung, Entwicklungsort oder Unterschlupf und ist ein wichtiger Bestandteil vieler Lebensräume.
Trittsteinbiotop
Ein Trittsteinbiotop ist eine kleinere geeignete Lebensraumfläche zwischen größeren oder voneinander getrennten Lebensräumen. Es kann Tieren und Pflanzen die Ausbreitung erleichtern oder vorübergehend Nahrung und Schutz bieten, ersetzt aber keinen vollständigen Lebensraum.
Trockenmauer
Eine Trockenmauer wird aus Natursteinen ohne Mörtel aufgeschichtet. Ihre Fugen und unterschiedlich temperierten Bereiche können Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Ein tragfähiger Aufbau und die standsichere Ausführung sind besonders wichtig.
Tröpfchenbewässerung
Bei der Tröpfchenbewässerung wird Wasser langsam und gezielt über einzelne Tropfstellen in den Wurzelbereich abgegeben. Dadurch bleiben Verdunstungsverluste geringer als bei einer großflächigen Beregnung.
Ü
Überwinterungsquartier
Ein Überwinterungsquartier ist ein geschützter Ort, an dem Tiere eine für sie ungünstige Jahreszeit überdauern. Je nach Art können dies beispielsweise Laub, Totholz, Pflanzenstängel, Bodenhohlräume, Baumhöhlen oder frostfreie Gebäudespalten sein.
V
Versiegelung
Versiegelung bedeutet, dass Boden durch Gebäude, Asphalt, Beton, Pflaster oder andere Befestigungen vollständig oder teilweise abgedeckt wird. Dadurch werden Wasserversickerung, Gasaustausch, Bodenleben und weitere natürliche Bodenfunktionen eingeschränkt.
Vorkultur
Bei der Vorkultur werden Pflanzen zunächst in Saatschalen, Töpfen oder einem geschützten Anzuchtbereich herangezogen. Sobald sie ausreichend entwickelt und die Bedingungen im Freien geeignet sind, werden sie an ihren endgültigen Standort gepflanzt.
W
Warmkeimer
Warmkeimer benötigen für die Keimung eine artspezifisch erhöhte Temperatur. Welche Temperatur optimal ist, unterscheidet sich je nach Pflanze. Die Einteilung als Warmkeimer sagt nicht aus, ob das Saatgut zusätzlich Licht oder Dunkelheit benötigt.
Wildbiene
Als Wildbienen bezeichnet man alle wild lebenden Bienenarten – im Gegensatz zur vom Menschen gehaltenen Honigbiene. Die meisten Wildbienen leben als Einzelgängerinnen und stellen je nach Art unterschiedliche Ansprüche an Nistplätze und Nahrungspflanzen.
Wildform
Als Wildform wird die natürlich vorkommende Ausgangsform einer Art bezeichnet, die nicht gezielt als gärtnerische Sorte gezüchtet wurde. Wildformen sind genetisch nicht völlig einheitlich und können sich in einzelnen Merkmalen voneinander unterscheiden.
Wildpflanze
Eine Wildpflanze ist eine Pflanzenart, die ohne züchterische Veränderung in der freien Natur vorkommt. Ob sie zugleich heimisch ist, hängt von ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet ab. Auch eine gebietsfremde Art kann deshalb eine Wildpflanze sein.
Wildstaude
Eine Wildstaude ist eine mehrjährige krautige Wildpflanze. Im Unterschied zu einer gärtnerischen Sorte wurde ihre Wildform nicht gezielt auf Merkmale wie Blütenfarbe, Wuchshöhe oder gefüllte Blüten ausgelesen.
Wurmkiste
Eine Wurmkiste ist ein Behälter, in dem geeignete organische Küchenabfälle mithilfe von Kompostwürmern und Mikroorganismen verarbeitet werden. Dabei entstehen Wurmkompost und nährstoffreiche Flüssigkeit. Feuchtigkeit, Belüftung und geeignetes Futter müssen im Gleichgewicht bleiben.
Z
Zweijährige Pflanze
Zweijährige Pflanzen benötigen normalerweise zwei Vegetationsperioden für ihren Lebenszyklus. Im ersten Jahr bilden sie meist Blätter und Speicherorgane, im zweiten Jahr blühen und fruchten sie. Nach der Samenbildung stirbt die einzelne Pflanze gewöhnlich ab.
Zwiebelpflanze
Zwiebelpflanzen überdauern ungünstige Jahreszeiten mithilfe einer unterirdischen Zwiebel. Diese besteht aus einem stark verkürzten Spross und verdickten Speicherblättern. Aus ihr treibt die Pflanze in der nächsten Wachstumsperiode erneut aus.
