Sind Feigen vegan?

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2026

„Feigen esse ich nicht – da steckt doch eine tote Wespe drin.“

Diesen Satz hört man immer wieder. Der Gedanke an eine tote Wespe in der Feige sorgt bei vielen für Ekel. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Feigen überhaupt mit einer veganen Ernährung vereinbar sind.

Doch stimmt das wirklich? Befindet sich wirklich in jeder Feige eine tote Wespe?

Die kurze Antwort lautet: Nein.

Zwar gibt es Feigenarten, die für ihre Bestäubung auf eine winzige Feigenwespe angewiesen sind. Das trifft jedoch längst nicht auf alle Feigen zu. Die meisten Sorten, die du in Deutschland im Supermarkt kaufst oder im eigenen Garten anbaust, entwickeln ihre Früchte ganz ohne Feigenwespen.

In diesem Artikel erklären wir, was an dem Mythos dran ist, welche Rolle die Feigenwespe spielt und warum beliebte Sorten wie ‚Little Miss Figgy‘ oder ‚Brown Turkey‘ vegan sind.

Warum glauben viele Menschen, dass Feigen nicht vegan sind?

Hinter dieser Aussage steckt ein wahrer Kern: Es gibt tatsächlich Feigensorten, die ohne eine Feigenwespe keine Früchte bilden können. Bei diesen Sorten gelangt die Wespe durch eine winzige Öffnung ins Innere der Feige, bestäubt die Blüten und beendet dort ihren natürlichen Lebenszyklus.

Viele andere Feigensorten – darunter nahezu alle Sorten, die in Deutschland im Garten wachsen oder verkauft werden – benötigen für ihre Fruchtbildung keine Feigenwespe. Sie entwickeln ihre Früchte ohne Bestäubung und enthalten deshalb auch keine Wespen.

Welche Feigen auf eine Feigenwespe angewiesen sind und warum selbstfruchtende Sorten ganz ohne sie auskommen, erklären wir weiter unten im Artikel.

Wie werden Feigen bestäubt?

Um zu verstehen, warum manche Feigen eine Feigenwespe benötigen, muss man zunächst wissen, dass eine Feige botanisch betrachtet keine gewöhnliche Frucht ist.

Was wir als Feige essen, ist eigentlich ein nach innen geschlossener Blütenstand, auch Syconium genannt. Die zahlreichen kleinen Blüten befinden sich nicht außen, sondern verborgen im Inneren der Feige. Von außen ist lediglich eine winzige Öffnung am unteren Ende der Frucht zu erkennen. Diese wird Ostiolum genannt.

Da die Blüten im Inneren liegen, können Bienen, Hummeln oder andere Bestäuber sie nicht erreichen. Stattdessen übernehmen bei bestimmten Feigenarten spezialisierte Feigenwespen diese Aufgabe. Angelockt vom Duft der Feige krabbelt die nur wenige Millimeter große Feigenwespe durch das enge Ostiolum in das Innere der Feige. Anschließend bestäubt sie die innenliegenden Blüten.

Dieser außergewöhnliche Bestäubungsmechanismus hat sich über Millionen von Jahren entwickelt. Feigen und Feigenwespen sind evolutionär eng aufeinander abgestimmt. Meist ist jede Feigenwespenart auf eine bestimmte Feigenart spezialisiert.

Hast du gewusst?

Feigenwespen leben ausschließlich in Feigen der Gattung Ficus. Weltweit sind rund 600 Arten bekannt. Die meisten Feigenwespen sind hoch spezialisiert und bestäuben nur eine Feigenart.

Die Tiere sind mit 1 bis 4 Millimetern sehr klein und gehören zu den Hautflüglern, also derselben Insektenordnung wie Bienen und Ameisen.

Was passiert mit der Feigenwespe in der Feige?

Hat die Feigenwespe das Ostiolum durchquert, gibt es für sie keinen Weg zurück. Beim Hineinkriechen verliert sie ihre Flügel und ihre Fühler. Dadurch kann sie nicht mehr weiterfliegen und bleibt für den Rest ihres kurzen Lebens im Inneren der Feige.

Im Inneren bestäubt die Wespe die weiblichen Blüten mit dem Pollen, den sie aus ihrer Geburtsfeige mitgebracht hat. In männlichen Feigenarten legt sie anschließend ihre Eier in den Blüten ab. Die Pflanze umschließt diese mit Pflanzengewebe, das den Larven später als Nahrung dient.

Kurz darauf stirbt die Feigenwespe. Ihr Lebenszyklus endet damit – der ihrer Nachkommen beginnt jedoch erst.

Zunächst schlüpfen die flügellosen, wurmartigen Männchen. Noch bevor die weiblichen Wespen die Feige verlassen, werden sie von den Männchen im Inneren der Feige befruchtet. Anschließend nagen die Männchen mit ihren Mundwerkzeugen einen Ausgang durch die Fruchtwand, durch den die Weibchen ins Freie gelangen können.

Beim Verlassen der Feige streifen die weiblichen Wespen an den männlichen Blüten vorbei und nehmen dabei Pollen auf. Anschließend machen sie sich auf die Suche nach einer neuen Feige, in der sich dieser außergewöhnliche Lebenszyklus wiederholt.

Welche Feigen benötigen eine Feigenwespe – und welche nicht?

Nicht alle Feigen sind auf die Feigenwespe angewiesen. Botaniker unterscheiden drei verschiedene Feigentypen, die sich in ihrer Bestäubung und Fruchtbildung unterscheiden.

1. Smyrna-Feigenbäume

Smyrna-Feigen sind vollständig auf die Feigenwespe angewiesen. Die Wespe gelangt in die Feige, legt dort ihre Eier ab und bestäubt gleichzeitig die weiblichen Blüten. Bleibt die Bestäubung aus, werden die Früchte nicht befruchtet und entwickeln sich nicht weiter.

2. Adriatische Feigenbäume

Adriatische Feigenbäume tragen auch ohne Feigenwespe Früchte. Da sie keine Bestäubung durch das Insekt benötigen, eignen sie sich besonders für Regionen, in denen die Feigenwespe nicht vorkommt. Dort ermöglichen sie eine zuverlässige Ernte.

Diese Feigen bilden ihre Früchte parthenokarpisch – also ohne vorherige Bestäubung oder Befruchtung durch eine Feigenwespe.

Dazu zählen unter anderem die Sorten ‚Little Miss Figgy‘, ‚Brown Turkey‘, ‚Rouge de Bordeaux‘, ‚Perretta‘ und ‚Firoma‘.

3. San-Pedro-Feigenbäume

San-Pedro-Feigen bilden zwei Fruchtgenerationen. Die erste Ernte entwickelt sich ohne Bestäubung. Die späteren Früchte sind dagegen auf die Bestäubung durch die Feigenwespe angewiesen. Für die erste Ernte kommt der Baum daher ohne Insektenbestäuber aus, für die folgende jedoch nicht.

Sind Supermarktfeigen vegan?

Ja, in den meisten Fällen sind Feigen aus dem Supermarkt vegan.

Der Grund dafür ist einfach: Da die Feigenwespe in weiten Teilen Europas nicht dauerhaft vorkommt (es ist nicht warm genug bei uns), wäre der kommerzielle Anbau bestäubungsabhängiger Feigensorten nicht wirtschaftlich. Stattdessen setzen die Erzeuger auf selbstfruchtende Sorten, die zuverlässig Früchte tragen.

Eine hundertprozentige Garantie gibt es jedoch nicht. Je nach Herkunft und Sorte können vereinzelt auch Feigen verkauft werden, die mithilfe einer Feigenwespe bestäubt wurden. Das betrifft vor allem bestimmte Anbaugebiete im Mittelmeerraum und spielt im deutschen Lebensmittelhandel nur eine untergeordnete Rolle.

Wer ganz sicher gehen möchte, greift zu selbstfruchtenden Feigensorten aus dem eigenen Garten oder kauft Feigen aus Anbaugebieten, in denen überwiegend parthenokarpe Sorten kultiviert werden.

Welche Feigensorten gelten als vegan?

Zu den bekanntesten selbstfruchtenden Feigensorten gehören:

Little Miss Figgy

  • Brown Turkey
  • Rouge de Bordeaux
  • Perretta
  • Firoma

Diese Sorten bilden ihre Früchte ohne Bestäubung durch eine Feigenwespe. Sie gehören zu den sogenannten Common-Feigen.

Möchtest du eine Feige für den eigenen Garten kaufen, achte in der Sortenbeschreibung auf Hinweise wie „selbstfruchtend“ oder „Fruchtbildung ohne Bestäubung“. Noch eindeutiger ist die Bezeichnung „parthenokarp“. Sie bedeutet, dass sich die Feigen auch ohne vorherige Befruchtung entwickeln.

In unserem Garten wächst die kompakte Zwergfeige ‚Little Miss Figgy‘. Sie eignet sich aufgrund ihres vergleichsweise kleinen Wuchses auch für Kübel und kleinere Gärten und trägt süße, dunkel gefärbte Früchte. Für ihre Fruchtbildung benötigt sie keine Feigenwespe.

Häufige Fragen zu Feigen und Feigenwespen

Ist in jeder Feige eine tote Wespe?

Nein. Nur bestimmte Feigenarten sind auf die Feigenwespe angewiesen. Die meisten Feigen, die in Deutschland im Garten wachsen oder im Supermarkt verkauft werden, entwickeln ihre Früchte ohne Feigenwespen.

Gibt es in Deutschland Feigenwespen?

Die Feigenwespe lebt hauptsächlich in den warmen Regionen des Mittelmeerraums und ist in Deutschland bislang nicht dauerhaft heimisch. Zwar wurden am Bodensee vereinzelt Exemplare gesichtet, ihre Anzahl reicht jedoch nicht aus, um genügend Feigen zu bestäuben. Deshalb werden hierzulande ausschließlich selbstfruchtende Feigensorten angebaut.

Sind getrocknete Feigen vegan?

Ja, in den meisten Fällen schon. Sie stammen überwiegend von selbstfruchtenden Feigensorten und gelten daher als vegan.

Sind Bio-Feigen vegan?

Bio sagt nichts darüber aus, ob eine Feige bestäubungsabhängig oder selbstfruchtend ist. Die meisten Bio-Feigen stammen jedoch – wie konventionelle Feigen – von selbstfruchtenden Sorten und gelten deshalb als vegan.

Welche Feigensorten benötigen keine Feigenwespe?

Dazu gehören unter anderem ‚Little Miss Figgy‘, ‚Brown Turkey‘, ‚Rouge de Bordeaux‘, ‚Perretta‘ und ‚Firoma‘. Diese selbstfruchtenden Common-Feigen bilden ihre Früchte ohne Bestäubung durch eine Feigenwespe.

Ist eine Feige eigentlich eine Frucht?

Botanisch betrachtet nicht. Eine Feige ist ein nach innen geschlossener Blütenstand (Syconium), in dessen Innerem sich zahlreiche kleine Blüten befinden.

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