Viele Wildbienenarten sind auf geeignete Nistplätze angewiesen – doch genau diese fehlen in unseren Gärten immer häufiger. Mit einer einfachen Nisthilfe kannst du ihnen gezielt helfen.
In dieser Anleitung zeigen wir dir, wie du aus Holzplatten und Nisthülsen eine kompakte Nisthilfe für Wildbienen baust. Die Konstruktion ist bewusst schlicht gehalten und lässt sich leicht nachbauen. Sie bietet Wildbienen geeigneten Nistraum und verzichtet bewusst auf Materialien wie Tannenzapfen oder Stroh, da diese für Wildbienen keinen Nutzen haben.
Inhaltsverzeichnis

1. Das brauchst du für die Nisthilfe
Material
- 5 Holzplatten aus 3-Schicht-Fichte
👉 jeweils 16 cm × 12,5 cm - Nisthülsen (Schilf, Bambus, oder Pappe)
👉 Wichtig: Mindestlänge 14cm - Holzleim wasserfest
- Optional: Lehmpulver zum Verkleben der Hülsen
- Schrauben (z. B. kleine Holz- oder Terrassenschrauben)

Werkzeug
- Akkuschrauber
- Schraubzwingen (Tipp: Bessey Einhandzwingen)
- Säge (falls der Zuschnitt nicht bereits erfolgt ist)
- Schleifpapier oder Schwingschleifer
2. Warum wir 3-Schicht-Fichte verwenden
Für dieses Projekt haben wir uns bewusst für 3-Schicht-Fichte entschieden:
- formstabil und verzugsarm
- leicht zu verarbeiten
- unbehandelt erhältlich
- ideal für einfache DIY-Projekte

Wichtig:
Optimal ist unbehandeltes Holz, das außen mit Leinölfirnis geschützt wird. Es erhält die natürliche Oberfläche, ist diffusionsoffen und kommt ohne problematische Zusatzstoffe aus.
Wer – wie in unserem Beispiel – farbliche Akzente setzen möchte, etwa bei gemeinsamen Projekten mit Kindern, sollte ausschließlich Farben oder Lacke auf Wasserbasis verwenden. Wichtig ist dabei, nur die Außenseiten zu streichen und den Innenraum sowie die Nisthülsen unbehandelt zu lassen.

3. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Nisthilfe bauen
3.1 Holzzuschnitt vorbereiten
Für unsere Nisthilfe bestehen alle fünf Teile aus Holzzuschnitten mit 16 cm × 12,5 cm. Vier Platten bilden die Seiten, eine Platte dient als Rückwand. Die Vorderseite bleibt offen.
Die Tiefe des Kastens (16 cm) orientiert sich an der Länge der Nisthülsen (14 – 15 cm), sodass diese komplett im Inneren verschwinden und vor Regen und Feuchtigkeit geschützt sind.
Tipp: Lass dir im Baumarkt einfach einen langen Streifen mit 16 cm Breite zuschneiden. Zu Hause kannst du dann mit einer Kappsäge einzelne Bretter mit je 12,5 cm herunterschneiden.
3.2 Kasten verleimen und verschrauben
Zuerst werden die Seitenteile mit Holzleim verleimt und ausgerichtet.

Der Rahmen wird zunächst mit Schraubzwingen fixiert, bis der Holzleim ausgehärtet ist. Bei Ponal Express reichen dafür etwa 20 Minuten.

Zusätzlich wird der Rahmen mit Holzschrauben verschraubt, sodass der Kasten stabil ist und auch der Witterung dauerhaft standhält. Die Rückwand wird ebenfalls verleimt und verschraubt.

Tipp: Auch bei selbstschneidenden Schrauben sollte immer vorgebohrt werden. Gerade bei Fichte lässt sich so ein Aufreißen des Holzes zuverlässig vermeiden.

3.3 Oberflächen glätten
Alle Kanten werden mit Schleifpapier entgratet, sodass keine scharfen Stellen oder Splitter zurückbleiben.
Die Flächen werden anschließend zuerst grob und danach fein geschliffen, um eine glatte Oberfläche zu erhalten.
3.4 Nisthülsen einsetzen
Nun wird der Kasten mit den Nisthülsen senkrecht befüllt. Die Hülsen werden dicht an dicht in den Kasten gestellt, sodass sie fest an der Rückwand anliegen.

Um die Hülsen zusätzlich zu sichern, können sie mit Holzleim oder Lehm an der Rückwand fixiert werden.
Alternativ kann auf eine Verklebung verzichtet werden, wenn die Nisthülsen sehr eng gesteckt werden.
Darauf solltest du beim Kauf von Nisthülsen achten
- Ausreichende Länge: Die Nisthülsen sollten mindestens 14–15 cm lang sein. Wildbienen legen ihre Brutzellen hintereinander an und platzieren die Weibchen in den hinteren Bereichen der Röhre, die Männchen weiter vorn. Sind die Röhren zu kurz, bleibt oft nur Platz für Männchen oder für deutlich weniger Weibchen.
- Glatt und splitterfrei: Die Innenflächen der Röhren müssen sauber und glatt sein. Splitter oder scharfe Kanten können die empfindlichen Flügel der Wildbienen verletzen und dazu führen, dass die Röhren nicht angenommen werden.
- Rissfrei und stabil: Risse im Material können dazu führen, dass Feuchtigkeit eindringt. Das gefährdet die Brut und begünstigt Schimmel oder Parasiten.
Mehr Informationen findest du auch in unserem Artikel „Wildbienen & Nisthilfen: Durchmesser & Längen im Überblick“
3.5 Optionaler Wetterschutz
Hängt die Nisthilfe frei und ist der Witterung ausgesetzt, empfiehlt sich ein kleines überstehendes Dach sowie ein Oberflächenschutz der Außenseiten.

Bewährt hat sich hierfür eine dünne Behandlung mit Leinöl, die das Holz schützt, ohne die natürliche Oberfläche zu versiegeln. Die Innenseiten der Nisthilfe sowie die Nisthülsen bleiben dabei unbehandelt.

Bei geschützten Standorten, etwa unter einem Dachvorsprung, ist ein zusätzlicher Holzschutz in der Regel nicht notwendig.

4. Der richtige Platz für deine Nisthilfe
Damit deine Nisthilfe für Wildbienen erfolgreich genutzt wird, ist die Wahl des richtigen Standorts entscheidend. Wildbienen bevorzugen sonnige, warme Plätze, da sie Kälte und Feuchtigkeit meiden. Hänge die Nisthilfe daher an einem Standort auf, der den Großteil des Tages direkt von der Sonne beschienen wird. Ideal sind geschützte Orte, die vor starkem Wind oder Regen bewahrt bleiben.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausrichtung der Niströhrchen: Diese sollten möglichst entgegen der Wetterseite zeigen, also weg von der Hauptwindrichtung. Dadurch bleibt die Nisthilfe trocken, und es entsteht ein angenehmes Mikroklima, das für die Entwicklung der Bienenlarven optimal ist.
Zusätzlich solltest du darauf achten, dass die Nisthilfe in einer Höhe von mindestens einem Meter angebracht wird. So wird sie vor Feuchtigkeit vom Boden und potenziellen Störungen durch Tiere wie Katzen oder Vögel geschützt.
- sonnig und warm
- möglichst regengeschützt
- Öffnung weg von der Wetterseite
- mindestens 1 m über dem Boden
Stelle sicher, dass es in der Nähe geeignete Futterquellen gibt, wie blühende Wildpflanzen, Kräuter oder Blumen, damit die Wildbienen kurze Wege haben und ausreichend Pollen und Nektar finden.
Artikeltipp: Was eine gute Nisthilfe ausmacht
Nicht jede Nisthilfe ist automatisch hilfreich für Wildbienen – entscheidend sind Material, Verarbeitung und Bauweise. Worauf es bei einer wirklich guten Nisthilfe ankommt, haben wir in einem ausführlichen Artikel zusammengefasst.
Welche dieser Maßnahmen Wildbienen oft mehr schaden als helfen, zeigen wir dir im Artikel „Wildbienen im Garten: Diese Fehler schaden mehr, als sie helfen“.
5. Gut zu wissen: Warum Nisthilfen helfen
Wusstest du, dass Wildbienen die wilden Verwandten der Honigbiene sind?
Wildbienen gehören zu den faszinierendsten und gleichzeitig am meisten gefährdeten Insektenarten. In Deutschland wurden bereits beeindruckende 604 verschiedene Wildbienenarten nachgewiesen – jede mit ihren eigenen Lebensgewohnheiten und Vorlieben. Etwa 300 dieser Arten nisten im Boden oder in Steilwänden, wo sie kleine Gänge graben, um ihre Brut sicher unterzubringen.
Doch nicht alle Wildbienen bevorzugen die Erde als Zuhause: Über 100 Arten nutzen Pflanzenhalme oder Totholz. Sie legen ihre Nester in vorhandenen Hohlräumen oder nagen sie selbst in abgestorbenes Holz. Diese Vielfalt macht sie zu unverzichtbaren Akteuren im Ökosystem, denn sie tragen durch ihre Bestäubungsleistung erheblich zur Artenvielfalt bei.
Mit einer gut gestalteten Nisthilfe kannst du diesen wertvollen Insekten helfen und ihnen sicheren Wohnraum bieten. Gleichzeitig trägst du aktiv zum Erhalt der Wildbienenpopulation bei und unterstützt die biologische Vielfalt in deinem Garten.
Reinigung von Wildbienen-Nisthilfen
Wenn die ersten Röhren verschlossen sind, kannst du einzelne Nisthülsen mit einem kleinen Farbpunkt markieren. So erkennst du im nächsten Jahr schnell, aus welchen Röhren keine Wildbienen geschlüpft sind – und kannst genau diese gezielt reinigen oder austauschen, ohne bewohnte Röhren zu stören.

👉 In unserem Artikel zeigen wir dir, wie du Niströhrchen richtig markierst.
6. Alternative: Nisthilfe aus Terrassen-Restholz
Wenn du noch Restholz von Terrassen oder Gartenprojekten übrig hast, kannst du die Nisthilfe natürlich auch daraus bauen.
Besonders geeignet sind:
- Douglasie
- Lärche
- andere wetterfeste Hölzer
Das Prinzip bleibt identisch:
Ein stabiler Holzkasten, ausreichend Tiefe (mind. 14–15 cm) und saubere Nisthülsen.



7. Häufige Fragen zur Nisthilfe für Wildbienen (FAQ)
Das hängt stark vom Standort ab. Wildbienen bevorzugen sonnige, warme Plätze, die vor Regen und Wind geschützt sind. Steht die Nisthilfe richtig und gibt es in der Umgebung ausreichend Blühpflanzen, werden die Röhrchen oft schon im ersten Frühjahr besiedelt.
Geeignet sind glatte, rissfreie Röhren aus Schilf oder Bambus mit einem Durchmesser von etwa 4–7 mm. Die Länge sollte mindestens 14–15 cm betragen, damit sowohl Männchen als auch Weibchen angelegt werden können. Splitterige oder zu kurze Röhren werden häufig gemieden.
Tannenzapfen, Stroh oder Holzwolle werden von Wildbienen nicht als Nistplatz genutzt. Sie dienen oft nur als Dekoration, bieten aber keinen Mehrwert für die Tiere. Eine gute Nisthilfe konzentriert sich auf echte Nistmöglichkeiten, nicht auf Füllmaterial.
Ja, eine regelmäßige Kontrolle ist sinnvoll. Gereinigt oder ausgetauscht werden sollten jedoch nur Röhren, aus denen keine Wildbienen geschlüpft sind. Belegte oder verschlossene Röhren dürfen nicht geöffnet werden, da sich darin noch Brut befindet.
Der beste Zeitpunkt ist nach der Flugzeit, meist im späten Frühjahr oder Frühsommer, wenn klar ist, aus welchen Röhren nichts geschlüpft ist. Alternativ können problematische Röhren auch erst im Herbst ausgetauscht werden.
Das ist optional. Werden die Nisthülsen sehr dicht gesteckt, halten sie oft auch ohne Kleber. Bei lockerem Sitz empfiehlt sich eine Fixierung mit Lehm oder Holzleim, damit keine Röhrchen herausfallen.
Ideal ist eine Höhe von mindestens einem Meter, besser etwas höher. So ist die Nisthilfe vor Spritzwasser, Feuchtigkeit vom Boden und Störungen durch Tiere geschützt.
In den meisten Fällen kommen Vögel nicht tief genug in die Nisthülsen, um an die Brut zu gelangen. Bei starkem Vogeldruck kann ein Drahtgitter mit etwas Abstand sinnvoll sein, ist aber nicht zwingend erforderlich.
Ja. Wenn du farbliche Akzente setzen möchtest, verwende Farben oder Lacke auf Wasserbasis und streiche nur die Außenseiten. Der Innenraum der Nisthilfe und die Nisthülsen bleiben immer unbehandelt.

Schreibe einen Kommentar