Libellen gehören zu den faszinierendsten Bewohnern eines Gartenteichs. Während die ausgewachsenen Tiere mit beeindruckenden Flugmanövern über dem Wasser jagen, bleibt ein großer Teil ihres Lebens für uns verborgen: Je nach Art verbringen Libellen mehrere Monate oder sogar Jahre als Larven unter Wasser.

In dieser Unterrichtseinheit erforschen die Kinder den Gartenteich als Lebensraum und lernen die Entwicklung der Libelle kennen. Dabei setzen sie sich auch mit einer ganz praktischen Frage auseinander: Was passiert mit Libellenlarven und anderen kleinen Teichbewohnern, wenn Algen oder Wasserpflanzen entfernt werden? Gemeinsam entwickeln die Kinder Ideen, wie sich ein Teich pflegen lässt, ohne seine Bewohner unnötig zu gefährden.
Unterrichtsmaterial auf einen Blick
- Zielgruppe: Grundschule, Klasse 3–4
- Dauer: 60–90 Minuten
- Lernort: Garten- oder Schulteich
- Jahreszeit: April bis Oktober
- Sozialform: Kleingruppenarbeit und gemeinsames Unterrichtsgespräch
- Material: Becherlupen, flache helle Schalen, Löffel, Arbeitsblätter und Stifte
- Themenbereich: Libellen, Gartenteich und Biodiversität
- BNE-Bezug: Den Teich als Lebensraum wahrnehmen, Folgen menschlicher Eingriffe beurteilen und Regeln für eine tierfreundliche Teichpflege entwickeln
Worum geht es?
Ein Gartenteich ist nicht nur ein dekoratives Element, sondern ein vielfältiger Lebensraum. Zwischen Wasserpflanzen, Algen und abgestorbenen Pflanzenteilen leben zahlreiche kleine Tiere, die auf den ersten Blick leicht übersehen werden. Dazu gehören auch Libellenlarven, die je nach Art sogar mehrere Jahre im Wasser verbringen.

In dieser Unterrichtseinheit beobachten die Kinder den Teich und beschäftigen sich mit der Entwicklung der Libelle. Anschließend betrachten sie eine typische Situation aus der Gartenpraxis: Im Teich haben sich viele Algen ausgebreitet und sollen entfernt werden. Doch zwischen den Algen können sich Libellenlarven und andere kleine Teichbewohner verstecken.
Daraus ergibt sich die zentrale Leitfrage:
Wie können wir einen Gartenteich pflegen, ohne seine Bewohner unnötig zu gefährden?
Die Kinder erkennen, dass menschliche Eingriffe unterschiedliche Folgen haben können. Sie wägen verschiedene Bedürfnisse gegeneinander ab und entwickeln gemeinsam Regeln für eine möglichst tierfreundliche Teichpflege.


Lernziele und BNE-Bezug
Die Unterrichtseinheit verbindet Naturbeobachtung und biologisches Grundlagenwissen mit einer konkreten Entscheidungssituation. Die Kinder sollen nicht nur etwas über Libellen erfahren, sondern das neu erworbene Wissen auf den Umgang mit einem Lebensraum übertragen.
Nach Abschluss der Einheit können die Kinder:
- eine Libellenlarve anhand grundlegender Merkmale erkennen,
- die Entwicklung vom Ei über die Larve bis zur erwachsenen Libelle beschreiben,
- erklären, warum Libellen einen großen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen,
- den Gartenteich als Lebensraum für unterschiedliche Tiere und Pflanzen wahrnehmen,
- mögliche Folgen der Entnahme von Algen und Wasserpflanzen beurteilen,
- unterschiedliche Interessen bei der Teichpflege benennen,
- eigene Vorschläge für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Lebensraum Teich entwickeln.
Der BNE-Bezug
Die Einheit fördert insbesondere die Fähigkeit, Auswirkungen des eigenen Handelns zu erkennen, unterschiedliche Interessen abzuwägen und gemeinsam begründete Entscheidungen zu treffen. Die Kinder übertragen ihr Wissen über den Lebensraum Teich auf eine konkrete Alltagssituation und entwickeln eigene Handlungsmöglichkeiten.
Vorbereitung der Unterrichtseinheit
Vor Beginn sollte die Lehrkraft prüfen, ob der ausgewählte Garten- oder Schulteich sicher und für die Gruppe gut zugänglich ist. Die Kinder benötigen einen festen Beobachtungsplatz mit ausreichend Abstand zum Wasser. An steilen, tiefen oder rutschigen Gewässern sollte die Einheit nur mit zusätzlichen Aufsichtspersonen stattfinden.
Benötigte Materialien
- ausgedruckte Arbeitsblätter (weiter unten im Artikel als Download)
- Stifte und feste Schreibunterlagen
- Becherlupen oder Lupen
- flache, möglichst helle Schalen
- etwas Wasser aus dem Teich
- gegebenenfalls einige Algen oder Pflanzenteile, die bei einer ohnehin notwendigen Teichpflege entnommen wurden
- optional: Bilder einer Libellenlarve, einer Exuvie und einer ausgewachsenen Libelle
Die Klasse wird am besten in Kleingruppen mit jeweils drei bis fünf Kindern eingeteilt. Jede Gruppe erhält ein Arbeitsblatt und übernimmt gemeinsam eine Beobachtungsaufgabe.
Behutsamer Umgang mit den Teichbewohnern
Libellenlarven sollen nicht gezielt mit einem Kescher gefangen oder aus dem Teich entnommen werden. Falls die Lehrkraft bei einer ohnehin notwendigen Pflegemaßnahme Algen oder Pflanzenteile herausnimmt, können diese vorsichtig in einer mit Teichwasser gefüllten Schale untersucht werden.

Die Schale wird im Schatten aufgestellt und nur kurze Zeit verwendet. Gefundene Tiere dürfen nicht angefasst werden und kommen anschließend zusammen mit dem Wasser und den Pflanzenteilen an ihre Fundstelle zurück. Auch wenn keine Libellenlarve entdeckt wird, lässt sich die Einheit mit anderen Beobachtungen und den vorbereiteten Bildern vollständig durchführen.
Durchführung
Für die gesamte Einheit sollten etwa 60 bis 90 Minuten eingeplant werden.
1. Einstieg und erste Vermutungen – etwa 10 Minuten
Zeige den Kindern zunächst das Bild einer Libellenlarve, ohne zu verraten, um welches Tier es sich handelt.
Mögliche Einstiegsfragen:
- Was könnte das für ein Tier sein?
- Wo könnte es leben?
- Welche Körperteile könnt ihr erkennen?
- Was könnte aus diesem Tier einmal werden?
- Wirkt es auf euch eher wie ein Land- oder ein Wassertier?
Die Vermutungen werden gesammelt. Anschließend wird aufgelöst, dass es sich um das Jugendstadium einer Libelle handelt.
2. Den Gartenteich beobachten – etwa 10 bis 15 Minuten
Die Kinder betrachten den Teich zunächst vom Ufer aus. Dabei sollen sie nicht nur nach Tieren suchen, sondern den gesamten Lebensraum wahrnehmen.
Beobachtet werden können:
- offene und bewachsene Wasserflächen,
- Wasser- und Uferpflanzen,
- Algen und abgestorbene Pflanzenteile,
- Tiere auf oder über der Wasseroberfläche,
- mögliche Verstecke zwischen Pflanzen,
- leere Larvenhüllen an Halmen und Stängeln.
Die Kinder halten ihre Beobachtungen auf dem ersten Arbeitsblatt fest. Da viele Teichbewohner sehr klein oder gut verborgen sind, geht es nicht darum, möglichst viele Tiere zu finden. Entscheidend ist das genaue und geduldige Beobachten.

3. Forscherauftrag – etwa 15 bis 20 Minuten
Falls bereits entnommene Algen oder Pflanzenteile zur Verfügung stehen, verteilt die Lehrkraft kleine Mengen davon auf flache, mit Teichwasser gefüllte Schalen. Die Kinder betrachten das Material mit Lupen, ohne die Algen/Tiere anzufassen.
Sie untersuchen:
- Welche Tiere oder Bewegungen sind zu erkennen?
- Wo halten sich die Tiere auf?
- Welche Farben und Körperformen fallen auf?
- Wie nutzen die Tiere Algen und Pflanzenteile?
- Welche Lebewesen wären bei einer unachtsamen Algenentnahme leicht zu übersehen?
Werden keine Tiere gefunden, können die Kinder anhand von Bildern untersuchen, wie gut eine Libellenlarve zwischen Pflanzen und Algen getarnt ist.
4. Beobachtungen auswerten – etwa 10 Minuten
Die Gruppen stellen ihre wichtigsten Beobachtungen vor. Gemeinsam wird besprochen, warum viele Teichbewohner auf den ersten Blick kaum zu erkennen sind.
Anschließend ordnen die Kinder die Entwicklungsstadien der Libelle:
- Ei
- Libellenlarve
- letzte Häutung und Schlupf
- erwachsene Libelle
Dabei wird deutlich, dass Libellen für ihre Entwicklung sowohl den Lebensraum Wasser als auch geeignete Strukturen am Ufer benötigen.

5. Den Zielkonflikt besprechen – etwa 15 Minuten
Die Klasse erhält folgende Ausgangssituation:
Im Schulteich haben sich viele Algen ausgebreitet. Viele Teichbesitzer:innen möchten sie vollständig entfernen, damit der Teich wieder ordentlich aussieht. Andere möchten die Algen im Wasser lassen, weil sich darin kleine Tiere verstecken können.
Die Kinder sammeln zunächst Argumente für beide Seiten.
Mögliche Gründe für eine Algenentnahme:
- Ein Teil der Wasseroberfläche soll frei bleiben.
- Eine starke Ausbreitung von Algen kann anderen Wasserpflanzen Licht und Raum nehmen.
- Der Teich soll gepflegt und zugänglich bleiben.
Mögliche Gründe gegen eine vollständige Entnahme:
- Zwischen den Algen leben und verstecken sich kleine Tiere.
- Bei der Entnahme können Tiere übersehen werden.
- Algen und Pflanzen gehören zum Lebensraum Teich.
- Große Eingriffe verändern die Lebensbedingungen im Gewässer.
Die Kinder sollen erkennen, dass nicht jede Teichpflege grundsätzlich schädlich ist. Entscheidend sind Umfang, Zeitpunkt und Vorgehensweise.
6. Gemeinsame Pflegeregeln entwickeln – etwa 10 bis 15 Minuten
Zum Abschluss formuliert die Klasse Regeln für eine tierfreundliche Teichpflege. Diese können auf einem gemeinsamen Plakat gesammelt werden.
Mögliche Ergebnisse:
- Wir entfernen nur so viele Algen wie wirklich nötig.
- Wir nehmen nie alle Pflanzen und Algen auf einmal heraus.
- Wir kontrollieren entnommenes Material sorgfältig auf Tiere.
- Wir lassen Algen und Pflanzenteile zunächst am Teichrand abtropfen.
- Entdeckte Wassertiere setzen wir umgehend mit Teichwasser zurück.
- Wir verwenden im und am Teich keine chemischen Mittel.
- Wir lassen ausreichend Verstecke und Pflanzen im Wasser stehen.
- Wir beobachten zuerst und handeln erst danach.
Fachliches Hintergrundwissen für Lehrkräfte
Die Entwicklung der Libelle
Libellen durchlaufen keine Puppenphase. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die im Wasser leben und sich während ihres Wachstums mehrfach häuten. Die Dauer dieses Stadiums unterscheidet sich je nach Art und Umweltbedingungen erheblich.
Am Ende ihrer Entwicklung verlässt die Larve das Wasser und klettert an einem Pflanzenstängel oder einem anderen festen Untergrund empor. Bei der letzten Häutung schlüpft die erwachsene Libelle aus der Larvenhaut. Die zurückbleibende leere Hülle wird als Exuvie bezeichnet.
So leben Libellenlarven
Libellenlarven sind räuberische Wassertiere. Sie ernähren sich unter anderem von kleinen Wasserinsekten, Mückenlarven und anderen wirbellosen Tieren. Größere Larven können auch größere Beutetiere überwältigen.
Sie halten sich am Gewässergrund oder zwischen Wasserpflanzen auf. Ihre meist unauffällige Färbung hilft ihnen dabei, gut getarnt auf Beute zu warten und sich vor Fressfeinden zu schützen.
Warum Wasserpflanzen und Algen wichtig sind
Wasserpflanzen schaffen unterschiedliche Strukturen im Teich. Sie bieten Tieren Verstecke, Jagdplätze und Möglichkeiten zur Eiablage. Aus dem Wasser ragende Halme bieten Libellenlarven einen geeigneten Platz für ihre letzte Häutung.
Auch Algen gehören grundsätzlich zu einem Gewässer. Problematisch können sie werden, wenn sie sich durch einen hohen Nährstoffeintrag sehr stark vermehren. Eine vollständige Entfernung ist jedoch selten notwendig. Bei jeder Entnahme sollte bedacht werden, dass sich zwischen den Algen kleine Tiere befinden können.
Weitere Informationen über die Entwicklung, das Sehvermögen und die außergewöhnlichen Flugkünste der Tiere findest du in unserem Beitrag „10 faszinierende Fakten über Libellen – Flugkünstler der Urzeit“. Der Artikel „Können Libellen stechen?“ räumt außerdem mit verbreiteten Ängsten und Mythen auf.
Reflexionsfragen
Die folgenden Fragen können während der Auswertung oder als Abschlussgespräch eingesetzt werden:
- Warum möchten Menschen Algen aus einem Gartenteich entfernen?
- Warum sind Algen und Wasserpflanzen für viele Teichbewohner wichtig?
- Welche Tiere könnten bei der Teichpflege leicht übersehen werden?
- Was könnte passieren, wenn alle Algen und Pflanzen auf einmal entfernt werden?
- Ist jede Form der Teichpflege schlecht für die Natur?
- Muss man sich immer zwischen einem gepflegten Teich und dem Schutz seiner Bewohner entscheiden?
- Wie könnte ein guter Kompromiss aussehen?
- Was bedeutet „ordentlich“ aus Sicht eines Menschen – und was aus Sicht einer Libellenlarve?
- Welche unserer Regeln lassen sich auch auf andere Arbeiten im Garten übertragen?
- Was können wir tun, bevor wir in einen Lebensraum eingreifen?
Differenzierung nach Klassenstufe
Vereinfachung für Klassen 1–2
Bei jüngeren Kindern steht das Beobachten und Beschreiben im Mittelpunkt. Die Anzahl der Arbeitsaufträge wird reduziert und der Entwicklungszyklus wird mit vier großen Bildern dargestellt.
Geeignete Aufgaben sind:
- eine Libellenlarve betrachten und zeichnen,
- sichtbare Körpermerkmale benennen,
- die vier Entwicklungsstadien in die richtige Reihenfolge bringen,
- gemeinsam zwei oder drei Regeln für den Umgang mit Teichtieren formulieren.
Die Texte werden vorgelesen und die Ergebnisse hauptsächlich im Klassengespräch gesammelt.
Erweiterung für die Klassen 5–6
Ältere Kinder können den Zielkonflikt selbstständiger untersuchen und begründete Entscheidungen treffen.
Zusätzliche Aufgaben können sein:
- die Interessen verschiedener Beteiligter gegenüberstellen,
- Argumente für und gegen eine Algenentnahme gewichten,
- einen Pflegeplan für einen Schulteich entwickeln,
- den Entwicklungszyklus der Libelle mit Fachbegriffen erklären,
- untersuchen, wie Nährstoffeinträge das Algenwachstum beeinflussen,
- die Bedeutung verschiedener Strukturen im Teich begründen.
Als Abschluss können die Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren und miteinander vergleichen.
Arbeitsblätter zum Herunterladen
Passend zu dieser Unterrichtseinheit stehen drei Arbeitsblätter zur Verfügung. Sie können einzeln verwendet oder zu einer vollständigen Unterrichtsstunde kombiniert werden.
Libellenlarven beobachten
Die Kinder beschreiben und zeichnen eine Libellenlarve und halten ihre Beobachtungen fest.
Umfang: 2-seitiges Arbeitsblatt (PDF)

Von der Larve zur Libelle
Die Kinder bringen die Entwicklungsstadien der Libelle in die richtige Reihenfolge und beschreiben die Verwandlung.
Umfang: 3-seitiges Arbeitsblatt (PDF)

Teichpflege – aber tierfreundlich
Die Kinder betrachten unterschiedliche Argumente, entwickeln einen Kompromiss und formulieren Regeln für eine schonende Teichpflege.

Kostenloses Bildmaterial für Unterricht und Bildungsarbeit
Du kannst die Illustrationen kostenlos herunterladen und für den Unterricht, eigene Arbeitsblätter und Präsentationen verwenden.
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