10 faszinierende Fakten über Ohrwürmer (Ohrkneifer)

Zuletzt aktualisiert: 8. Februar 2026

Ohrwürmer – regional auch Ohrkneifer oder Ohrenkneifer genannt – gehören zur Insektenordnung der Dermaptera und zählen zu den bekanntesten Gartenbewohnern, zugleich aber auch zu den am häufigsten missverstandenen Insekten. Viele kennen sie nur als flinke Untermieter im Blumentopf oder als nächtliche Besucher an reifen Früchten. Dann gelten sie schnell als lästig oder sogar schädlich. Dabei zeigt ein genauerer Blick ein ganz anderes Bild.

Im Garten sind Ohrwürmer nämlich echte Helfer. Warum das so ist, erklären wir im Artikel Sind Ohrwürmer nützlich oder schädlich?. Und wer die Tiere gezielt unterstützen möchte, erfährt in Ohrwurmhotel selber basteln – Anleitung!, wie einfach das funktioniert.

Hier kommen zehn faszinierende – und wissenschaftlich belegte – Fakten:

1. Können Ohrwürmer fliegen? – Ja, aber sie tun es selten

Viele heimische Ohrwurmarten sind tatsächlich flugfähig. Die großen Hinterflügel liegen stark gefaltet unter den kurzen, stummelartigen Deckflügeln verborgen. Geflogen wird meist nur, um neue Lebensräume zu erreichen oder bei Gefahr zu entkommen. Weil Ohrwürmer überwiegend nachtaktiv und bodenorientiert leben, bekommen wir ihre Flugkünste fast nie zu sehen.

Kurzfazit: Ohrwürmer können fliegen – sind aber eher Läufer als Flieger.

2. Die Flügel sind ein Origami-Wunder der Natur

Das Faltprinzip der Ohrwurmflügel gilt als eines der komplexesten im Insektenreich. Die Häute sind mehrfach geknickt (bis zu 40 Mal) und wie ein Papierfächer zusammengelegt. Forschende nutzen dieses System sogar als Vorbild für technische Faltstrukturen in der Robotik und Raumfahrttechnik.

Spannend: Ohne dieses ausgeklügelte System würden die Flügel niemals unter die winzigen Deckflügel passen.

3. Wofür haben Ohrwürmer ihre Zange?

Die markanten Zangen am Hinterleib sind ein echtes Multifunktionswerkzeug:

  • Verteidigung gegen Feinde
  • Festhalten von Beute
  • Hilfe bei der Paarung
  • präzises Einklappen der Flügel nach dem Flug mithilfe der Zangen

Für Menschen ist die Zange völlig harmlos – ein Kneifen ist höchstens spürbar, aber ungefährlich.

4. So unterscheidet man Männchen und Weibchen

Bei Ohrwürmern lässt sich das Geschlecht leicht erkennen:

Männchen besitzen stark gebogene, kräftige Zangen, während Weibchen gerade und schlanker geformte Zangen haben. Dieses Merkmal ist deutlich zuverlässiger als Größe oder Färbung.

5. Ohrwürmer betreiben echte Brutpflege

Anders als viele Insekten kümmern sich Ohrwurm-Weibchen intensiv um ihren Nachwuchs. Sie:

  • bewachen die Eier wochenlang
  • verteidigen die Larven
  • füttern den Nachwuchs in den ersten Tagen

Ein für Insekten erstaunlich fürsorgliches Verhalten.

6. Sind Ohrwürmer nützlich?

Ja – überwiegend sogar sehr. Sie fressen:

  • Blattläuse
  • Milben
  • kleine Raupen
  • Insekteneier
  • abgestorbenes Pflanzenmaterial

Damit sind sie wichtige Helfer in naturnahen Gärten. Nur bei Trockenheit oder Nahrungsmangel können sie auch mal an weichen Früchten knabbern.

7. Ohrwürmer verteidigen sich mit Stinkdrüsen

Ohrwürmer besitzen am Hinterleib Drüsen, die ein übel riechendes Sekret abgeben. Bei Gefahr setzen sie diesen Geruch frei, um Spinnen und andere Räuber abzuschrecken.

8. Kriechen Ohrwürmer ins Ohr? – Der Mythos erklärt

Der Name „Ohrwurm“ hat vermutlich historische Wurzeln in der alten Volksmedizin. In früheren Zeiten wurde aus getrockneten Ohrwürmern tatsächlich ein Pulver hergestellt, das gegen Taubheit und andere Ohrenleiden eingesetzt wurde. Als diese Praxis in Vergessenheit geriet, blieb der ungewöhnliche Name jedoch erhalten – und musste neu erklärt werden.

So entstand wahrscheinlich das Gerücht, Ohrwürmer würden gezielt in menschliche Ohren kriechen oder sogar mit ihren Zangen am Trommelfell kneifen. Dafür gibt es jedoch keinerlei wissenschaftliche Hinweise. Ohrwürmer suchen dunkle, feuchte Verstecke – das menschliche Ohr gehört nicht zu ihrem natürlichen Lebensraum.

9. Ohrwürmer sind lebende Fossilien

Die Ordnung der Dermaptera existiert seit über 200 Millionen Jahren. Damit sind Ohrwürmer älter als viele bekannte Insektengruppen – ein echtes Erfolgsmodell der Evolution.

10. Nachtschicht im Garten

Ohrwürmer jagen vor allem nachts. Dadurch ergänzen sie tagaktive Nützlinge wie Marienkäfer ideal. In Mischkulturen und Naturgärten sind sie ein wichtiger Baustein der biologischen Schädlingskontrolle.

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