Molche gehören zu den stillen Helden im Garten – und gleichzeitig zu den großen Unbekannten. Viele Menschen halten sie für kleine Eidechsen, andere entdecken sie zufällig beim Reinigen des Teichfilters und fragen sich: „Ist das jetzt gut oder schlecht?“
Dabei sind Molche echte Schlüsselarten. Sie halten Mücken in Schach, räumen im Teich auf und zeigen mit ihrer Anwesenheit, dass ein Garten noch ein Stück Natur geblieben ist. Leider verschwinden sie aus vielen Gegenden: Gewässer trocknen aus, Teiche werden mit Fischen besetzt, Verstecke verschwinden unter Schotter und Pflaster.
Zeit also, diese faszinierenden Amphibien besser kennenzulernen – mit 9 Fakten, die selbst viele Gartenfans überraschen.
Inhaltsverzeichnis
- Lebensweise: Warum Molche zwischen Wasser und Land wechseln
- Molche und Fische: Warum Fischbesatz problematisch ist
- Ernährung: Molche als natürliche Mückenjäger
- Haben Molche Zähne? – Gaumenbezahnung erklärt
- Regeneration: Können Molche Körperteile nachwachsen lassen?
- Unterschied Molch oder Salamander
- Heimische Molcharten in Deutschland
- Gefahren für Molche im Garten
- Ohne Verstecke kein Molch: Landlebensräume
- FAQ – Häufige Fragen zu Molchen
1. Lebensweise: Warum Molche im Garten zwischen Wasser und Land wechseln

Molche sind Amphibien – echte Grenzgänger zwischen Wasser und Land. Im Frühjahr ziehen sie in Teiche, Tümpel und langsam fließende Gewässer, um sich fortzupflanzen. Dann tragen vor allem die Männchen ihre spektakuläre „Wassertracht“: Rückenkämme, Flossensäume und leuchtende Farben.
Nach dem Sommer verwandeln sie sich äußerlich komplett. Die Haut wird robuster und wasserabweisender, die Farben unscheinbarer – die sogenannte Landtracht. Jetzt leben sie versteckt in Wiesen, Hecken, unter Holz oder Steinen und sind fast nur noch nachts unterwegs.
👉 Genau dieser Wechsel macht sie so empfindlich: Molche brauchen beides – ein geeignetes Gewässer und sichere Landlebensräume.
So vermehren sich Molche
Molche vermehren sich im Wasser durch eine besondere Form der inneren Befruchtung – ganz ohne direkten Geschlechtsakt. Nach einer Balz legt das Männchen ein Samenpaket ab, das das Weibchen aufnimmt. Die befruchteten Eier werden anschließend einzeln an Wasserpflanzen befestigt, wo sie sich zu Larven entwickeln, bevor die Jungmolche das Gewässer verlassen.
Fortpflanzungszyklus im Überblick
- Wanderung & Balz (Frühjahr): Molche kehren in ihre Laichgewässer zurück. Die Männchen zeigen ihre Wassertracht mit Rückenkamm und verteilen Duftstoffe durch Schwanzwedeln.
- Befruchtung: Das Männchen setzt eine Spermatophore (Samenpaket) am Gewässerboden ab. Das Weibchen nimmt diese mit der Kloake auf – so werden die Eier innerlich befruchtet.
- Eiablage: Jedes Ei wird einzeln in Blätter von Wasserpflanzen „eingewickelt“ (bei den meisten Arten). Ein Weibchen legt meist 100–300 Eier.
- Larvenstadium: Nach etwa 2–3 Wochen schlüpfen Molchlarven, die vollständig im Wasser leben und mit äußeren Kiemen atmen.
- Metamorphose & Landgang: Nach 6–12 Wochen bilden sich Kiemen zurück, Lungen und Beine sind vollständig entwickelt. Die Jungmolche verlassen das Wasser und gehen an Land. Die typische Landtracht der erwachsenen Tiere bildet sich anschließend schrittweise aus.
2. Molche und Fische: Warum Fischbesatz im Gartenteich problematisch ist

Viele Gartenteiche sind idyllisch – bis jemand Goldfische einsetzt. Für Molche ist das ein Desaster, denn die Fische fressen:
- Molcheier
- frisch geschlüpfte Larven
- sogar junge Molche
Darum findet man Molche fast ausschließlich in fischfreien Gewässern. Ein „naturnaher Teich mit Fischbesatz“ ist in Wahrheit oft eine molchfreie Zone.
Wenn du Molche fördern willst, lautet die wichtigste Regel:
Ein Molchteich ist kein Fischteich.
👉 Goldfische gehören generell nicht in einen Naturteich. Sie wühlen den Boden auf, trüben das Wasser, fressen Insektenlarven und verdrängen nahezu alle Amphibien. Was im Gartencenter als „pflegeleichter Besatz“ verkauft wird, macht aus einem lebendigen Kleingewässer oft ein ökologisches Niemandsland.
Mehr dazu, wie du gezielt einen passenden Lebensraum für Molche anlegst, erklären wir im Artikel „Molche im Teich: So einfach kannst du sie ansiedeln“.
3. Ernährung: Molche als natürliche Mückenjäger im Garten

Molche sind kleine Raubtiere – und unglaublich effizient. Auf ihrem Speiseplan stehen:
- Mücken– und Schnakenlarven
- Wasserflöhe und Kleinkrebse
- Würmer
- Spinnen
- Schnecken
- sogar Amphibienlaich
Sie jagen nicht wie Fische durch Verfolgung, sondern saugen ihre Beute mit blitzschnellem Öffnen des Mauls ein. Ein Teich mit vielen Molchen ist häufig fast mückenfrei. Molche halten Mückenlarven auf natürliche Weise in Schach und sorgen so für ein stabiles ökologisches Gleichgewicht – ganz ohne Chemie.
4. Haben Molche Zähne? – Gaumenbezahnung einfach erklärt

Lange dachte man, Molche würden ihre Beute einfach im Ganzen verschlucken. Heute weiß man: Sie können sie aktiv zerkleinern.
Dafür besitzen sie winzige, etwa 1 Millimeter große Zähnchen am Gaumen. Diese wachsen ständig nach und helfen,
- Beute sicher festzuhalten
- gefährliche Mundwerkzeuge von Insekten unschädlich zu machen.
- Nahrung besser verdaulich zu machen
Für Menschen sind unsere heimischen Molche völlig ungefährlich. Ihre winzigen Zähnchen können unsere Haut nicht durchdringen – und die scheuen Tiere versuchen ohnehin, jedem Kontakt aus dem Weg zu gehen.
5. Regeneration: Können Molche Beine und Schwanz nachwachsen lassen?

Molche besitzen eine unglaubliche Fähigkeit: Sie können verlorene Körperteile wie Beine, Schwanz – und sogar Organe – vollständig nachwachsen lassen.
Während beim Menschen nach einem Herzinfarkt Narbengewebe entsteht, regeneriert ein Molch sein Herz nach einer Schädigung innerhalb von nur zwei Wochen komplett. Das Geheimnis steckt in den Zellen selbst. Nach einer Verletzung bildet sich zunächst eine schützende Wundhaut, die den Regenerationsprozess der Zellen anstößt. Darunter entsteht das sogenannte Blastem – eine Art biologische Baustelle für neues Gewebe.
Die Zellen „verjüngen“ sich, verlieren vorübergehend ihre Spezialisierung und beginnen, sich neu zu teilen. Dabei bleibt der Prozess sehr genau organisiert: Muskelzellen bilden wieder Muskeln, Skelettzellen erneuern Knochen. Eine Art räumliche Karte aus Botenstoffen sorgt dafür, dass jedes neue Teil an der richtigen Stelle entsteht. Diese erstaunliche Fähigkeit macht Molche zu wichtigen Vorbildern für die medizinische Forschung zur Geweberegeneration.
6. Unterschied Molch oder Salamander – so erkennst du sie

Alle Molch- und Salamanderarten gehören zur Ordnung der Schwanzlurche und zur Familie der Echten Salamander. Ganz trennscharf ist die Unterscheidung aber nicht: Einige Tiere, die „Salamander“ heißen, stehen genetisch den Molchen näher als anderen Salamandern. Deshalb gilt der etwas verwirrende, aber richtige Satz: Alle Molche sind Salamander – aber nicht alle Salamander sind Molche. 😅
Im Alltag lassen sich beide Gruppen vor allem über ihre Lebensweise unterscheiden:
Molche
- stärker ans Wasser gebunden
- in der Wassertracht mit Flossensäumen am Schwanz
- verbringen einen großen Teil des Jahres im Gewässer
Salamander
- überwiegend an Land unterwegs
- ohne Flossensaum
- meist kräftiger gebaut
Beide brauchen zwar Wasser für Eiablage und Larvenentwicklung, doch Molche leben deutlich länger im Wasser. An Land haben Molche zudem rundlichere Schwänze als Salamander.

7. Heimische Molcharten in Deutschland im Überblick
Teichmolch – der Allrounder (Lissotriton vulgaris)
Der Teichmolch ist der häufigste Molch in Deutschland und für viele Gartenbesitzer der erste, den sie überhaupt zu Gesicht bekommen. Typisch sind seine graue bis braune Oberseite und der leuchtend orange Bauch, der ihn gut von anderen Arten unterscheidbar macht. Zur Paarungszeit zeigen die Männchen ihre Wassertracht mit einem auffälligen, gewellten Rückenkamm und einem silbrig-blauen Streifen am Schwanz. Teichmolche sind recht anpassungsfähig und leben in ganz unterschiedlichen Lebensräumen – von Feuchtwiesen über Wälder bis hin zu naturnahen Gärten.
Bergmolch – der Farbige (Ichthyosaura alpestris)
Der Bergmolch fällt sofort durch seine Farben auf: eine bunt schimmernde Oberseite und ein rötlich-orangefarbener, ungepunkteter Bauch. Zur Paarungszeit tragen die Männchen ein echtes „Hochzeitskleid“ – mit leuchtend blauer Rückenfärbung und einem gelb-schwarz gepunkteten Kamm. Die Weibchen wirken dagegen dezenter und sind meist grünlich-braun marmoriert. Bergmolche lieben Gewässer in mittelgebirgigen Wäldern und kommen in Deutschland vor allem im Süden vor, wo sie klare, sauerstoffreiche Teiche und Tümpel besiedeln.
Fadenmolch – der Kleine (Lissotriton helveticus)
Der Fadenmolch ist der kleinste Molch, den wir in Deutschland finden können. Seine Oberseite ist meist braun, die Flanken wirken gelblich-braun. Zur Paarungszeit zeigen die Männchen ein besonderes Merkmal: einen feinen, fadenartigen Fortsatz am Schwanz sowie auffallend große Schwimmhäute. Fadenmolche mögen vor allem feuchte, schattige Gewässer und fühlen sich in naturnahen, wenig gestörten Landschaften am wohlsten. Sie leben überwiegend in klaren, pflanzenreichen Tümpeln und Teichen und gehören hierzulande eher zu den selteneren Arten.
Nördlicher Kammmolch – der Gigant (Triturus cristatus)
Der Nördliche Kammmolch ist der größte Molch, den wir in Deutschland finden – und leider auch einer der gefährdeten. Typisch sind seine grau-schwarze Oberseite, der leuchtend orange Bauch und der gezackte Rückenkamm der Männchen. Dazu kommt ein perlmutt-silbriges Band am Schwanz, das vor allem in der Wassertracht gut zu erkennen ist. Kammmolche können ein milchiges Hautsekret abgeben, das Fressfeinde abschrecken soll. Gleichzeitig reagieren sie sehr empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums und stehen deshalb europaweit unter strengem Schutz.

Alpen-Kammmolch (Triturus carnifex)
Der Alpen-Kammmolch ist ein kleinerer Verwandter des Nördlichen Kammmolchs und gehört ursprünglich gar nicht zu unserer heimischen Fauna. Vor etwa 20 Jahren wurde er im Süden Bayerns sowie im Raum Tübingen gezielt angesiedelt. Seine eigentliche Herkunft liegt in Kroatien, den südlichen Alpen, Italien und auf dem westlichen Balkan.
Äußerlich ähnelt er dem Kammmolch stark, doch es gibt feine Unterschiede: Die Flanken sind weniger deutlich gepunktet, das Seiten- und Bauchmuster wirkt gröber und unschärfer. Auch der Kopf ist etwas schlanker, während die Beine kräftiger erscheinen. Treffen beide Arten aufeinander, können sie sich miteinander kreuzen.
8. Gefahren für Molche im Garten und in der Landschaft
Die größten Probleme sind menschengemacht:
- Trockenfallende Kleingewässer
- Dünger und Pestizide
- Straßen zwischen Winterquartier und Teich
- steile Teichufer ohne Ausstieg
- Fischbesatz
- Mähroboter in der Nacht
- Fehlende naturnahe Strukturen zum Überwintern
Gerade die Wanderungen im Frühjahr werden vielen Molchen zum Verhängnis: Auf dem Weg zwischen Winterquartier und Laichgewässer müssen sie oft Straßen überqueren, wo schon wenige Autos ganze Populationen auslöschen können. Auch im eigenen Garten lauern Gefahren – etwa Teiche (oder Pools) mit steilen, glatten Uferkanten, aus denen die Tiere nicht mehr herauskommen, werden schnell zur tödlichen Falle.

9. Ohne Verstecke kein Molch: Landlebensräume im Garten
Ein Molch lebt nur wenige Monate im Wasser – den Großteil des Jahres braucht er Landlebensräume. Perfekt sind:
- Laub- und Reisighaufen
- Holzstapel
- Trockenmauern
- Amphibienburg
- Wurzelbereiche alter Bäume
- ungemähte Ecken
- feuchte Kompostplätze

Ein „aufgeräumter“ Garten ist für Molche lebensfeindlich. Schon die ein oder andere wilde Ecke kann den Unterschied machen.
👉 Wie du gezielt einen molchfreundlichen Teich und passende Verstecke anlegst, zeige ich dir ausführlich hier: Molche im Teich: So einfach kannst du sie ansiedeln

Fazit: Kleine Tiere mit großer Wirkung
Molche sind mehr als zufällige Gäste – sie sind Gradmesser für einen gesunden Garten. Wer ihnen Raum gibt, bekommt natürliche Schädlingsbekämpfer, spannende Beobachtungen und ein Stück echte Wildnis direkt vor der Haustür.
Vielleicht entdeckst du beim nächsten Blick in den Teich ja selbst einen dieser heimlichen Superhelden!
FAQ – Häufige Fragen zu Molchen
Für Menschen sind Molche nicht gefährlich. Sie besitzen zwar ein mildes Abwehrsekret, das Fressfeinde abschrecken soll, für unsere Haut ist es aber harmlos. Trotzdem sollte man Molche nicht unnötig anfassen – das stresst die Tiere und kann ihre empfindliche Haut schädigen.
Nein. Molche stehen in Deutschland unter Naturschutz und dürfen weder gefangen noch umgesiedelt werden. Auch das Umsetzen in einen „besseren“ Teich ist nicht erlaubt, da Molche stark an ihren Lebensraum gebunden sind. Wer ihnen helfen möchte, sollte stattdessen den eigenen Garten molchfreundlich gestalten.
Ja, das kommt vor – vor allem bei größeren Arten wie dem Kammmolch. Molche sind Fleischfresser und nutzen, was im Teich verfügbar ist. Das gehört jedoch zum natürlichen Gleichgewicht und sorgt dafür, dass keine Art im Gewässer überhandnimmt.
Absolut. Molche reagieren sehr empfindlich auf Pestizide, Dünger und Sauerstoffmangel. Tauchen sie in einem Teich auf, ist das ein starkes Zeichen für naturnahe Wasserqualität und ein intaktes Ökosystem ohne Fischbesatz.
Molche verirren sich häufig in Kellerschächte. Am besten setzt du eine kleine Ausstiegshilfe wie ein schräges Brett ein oder fängst das Tier vorsichtig mit einem feuchten Gefäß und setzt es direkt neben dem Fundort wieder frei. Bitte niemals weit wegbringen.
Die meisten Molche überwintern an Land unter Laub, Holz oder in Erdlöchern. Nur wenige Tiere bleiben im Gewässer. Wichtig sind deshalb frostfreie Verstecke rund um den Teich – ein „aufgeräumter“ Garten ist für Molche problematisch.

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