Wir lieben dichte Hecken, blühende Stauden und leuchtende Beeren – aber: Manche Schönheiten haben’s in sich. Damit Kinder und Haustiere im Garten sicher sind, sammeln wir hier die Giftpflanzen, die in deutschen Gärten besonders oft vorkommen – mit Erkennungsmerkmalen, typischen Symptomen und praktischen Alternativen für deine Pflanzplanung.
Inhaltsverzeichnis

1. Warum dieses Thema wichtig ist
Giftige Pflanzen begegnen uns fast überall – im Garten, am Wegesrand oder im Wald. Viele von ihnen gehören seit Jahrhunderten zur typischen Gartengestaltung, weil sie schön aussehen oder pflegeleicht sind. Doch gerade Kinder und Haustiere können durch ihre Neugier schnell in Kontakt mit giftigen Pflanzenteilen kommen. Dass einige Früchte sogar süß schmecken und harmlos wirken, macht die Gefahr zusätzlich tückisch.
Wenn du weißt, welche Pflanzen problematisch sind, kannst du den Garten sicher gestalten, Verwechslungen vermeiden und trotzdem die Vielfalt der Natur genießen. Genau deshalb lohnt es sich, das Thema Giftpflanzen bewusst im Blick zu haben.
2. Kurzüberblick: Diese Gartenpflanzen sind giftig
Eibe, Eisenhut, Engelstrompete, Goldregen, Herbstzeitlose, Maiglöckchen, Pfaffenhütchen, Seidelbast, Stechpalme und Tollkirsche – diese Namen solltest du kennen, wenn Kinder oder Haustiere mitgärtnern. Im Folgenden gehen wir jedes Gewächs durch – mit Hinweisen zu Symptomen und Verwechslungen.
Fingerhut (Digitalis purpurea) – hübsch, aber herzgefährlich

Der Fingerhut wächst wild an Waldrändern und ist auch als Zierstaude im Garten beliebt. Seine prächtigen, glockenförmigen Blüten sind ein Hingucker – aber: Alle Pflanzenteile enthalten Digitalis-Glykoside, die direkt am Herz wirken. Schon kleine Mengen können gefährlich sein.
Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen (z. B. „gelbes Sehen“), Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand. Besonders tückisch: die attraktiven Blüten locken Kinder an.
Alternative: Statt Fingerhut lieber auf hohe Glockenblumen setzen.
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) – roh giftig, gekocht gesund

Holunder findet sich in vielen Gärten und an Hecken. Während gekochte Beeren zu Saft oder Gelee verarbeitet werden können, sind die rohen Früchte, Samen, Blätter und Rinde giftig: Sie enthalten Sambunigrin, das Blausäure freisetzen kann.
Symptome: Magen-Darm-Beschwerden, Erbrechen, Schwindel. In größeren Mengen auch Kreislaufprobleme.
Alternative: Felsenbirne oder Kornelkirsche – ebenfalls mit essbaren Früchten, aber ohne Vergiftungsgefahr.
Eibe (Taxus), einheimischer Nadelbaum und beliebte Heckenpflanze

Wir mögen die Eibe als immergrüne, schnittverträgliche Hecke – allerdings sind fast alle Pflanzenteile giftig (Ausnahme: das rote Fruchtfleisch; besonders gefährlich und giftig sind die Kerne darin). Das Alkaloid Taxin wirkt besonders am Herzen. Typische Anzeichen nach 1–2 Stunden: Übelkeit, Schwindel, erweiterte Pupillen; später Atemnot und Herzrhythmusstörungen. Bei intensiver Aufnahme drohen schwere Herzprobleme. Also: keine Beeren naschen lassen, Schnittreste wegräumen.
Schon etwa 50 Gramm Eibennadeln können für einen Erwachsenen tödlich sein – innerhalb von zwei bis fünf Stunden kommt es im schlimmsten Fall zum Herzstillstand.
Alternative: Hainbuche, Liguster (ungiftige Sorten prüfen), eibenfreie Mischhecken.
Eisenhut (Aconitum) – schön, aber hochgefährlich: giftigste Pflanze Europas

Der Eisenhut zählt zu den giftigsten Pflanzen Europas – und genau deshalb solltest du ihn im Familiengarten besser meiden. Seine tiefblauen Blüten sehen zwar eindrucksvoll aus, doch schon kleinste Mengen des enthaltenen Giftes Aconitin können lebensgefährlich sein. Besonders tückisch: Der Stoff wirkt nicht nur beim Verschlucken, sondern kann bereits über die Haut aufgenommen werden. Wer die Pflanze anfasst oder schneidet, sollte unbedingt Handschuhe tragen – noch besser ist es, ganz auf Eisenhut zu verzichten.
Typische Vergiftungserscheinungen beginnen mit Kribbeln oder Brennen an Haut und Mundschleimhaut, gefolgt von Übelkeit, Erbrechen, starken Bauchschmerzen und Durchfall. In schweren Fällen kommt es zu Lähmungen und gefährlichen Herzrhythmusstörungen. Besonders giftig sind Wurzeln und Samen, aber auch Blätter und Blüten sind keineswegs harmlos.
Alternative: Rittersporn-Sorten mit Bedacht (auch giftig, aber schwächer), Hohe Glockenblumen.
Engelstrompete (Brugmansia suaveolens) – Zierde mit Halluzinationseffekt

Diese Kübelpflanze mit riesigen Trompetenblüten duftet oft stark – und genau dieser Duft kann bei empfindlichen Menschen schon Übelkeit auslösen. Alle Pflanzenteile sind giftig; bei Verzehr: geweitete Pupillen, Herzrasen, Übelkeit, Unruhe, Sehstörungen, starker Durst – in höheren Dosen Krämpfe oder Halluzinationen. Kübel also kindersicher platzieren oder ersetzen.
Übrigens: Die Engelstrompete stammt ursprünglich aus Südamerika und gilt bei uns als Neophyt. Wenn dich das Thema interessiert, haben wir hier einen ausführlichen Artikel zu invasiven Neophyten für dich.
Alternative: Engelstrompeten-Look ohne Risiko gibt’s z. B. mit großen Hibiskus (Standort & Winterhärte beachten).
Goldregen (Laburnum) – Samenhülsen als Falle

Die gelben Blütentrauben sind ein Hingucker. Das Problem: die erbsenähnlichen Samen – Kinder halten sie leicht für essbar. Schon kleine Mengen können zu Brennen im Mund, Kopfschmerzen, Erbrechen und Bauchkrämpfen führen; bei hoher Aufnahme Schwindel, Verwirrung, schneller Puls bis zu Kreislaufversagen. Samenhülsen rechtzeitig entfernen oder Goldregen gar nicht erst setzen.
Alternative: Blauregen (auch giftig, aber geringere Attraktivität für Kinder)
Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) – Bärlauch-Double im Herbstbeet

Sie blüht im Spätsommer, wenn viele andere Pflanzen bereits verblüht sind – schön anzusehen, aber hochgiftig. Alle Teile enthalten Colchicin. Besonders fies ist die Verwechslungsgefahr (Blätter im Frühjahr) mit Bärlauch.
Symptome nach 2–6 Stunden: Schluckbeschwerden, Brennen im Rachen, starke Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle; in schweren Fällen Flüssigkeitsverlust bis Schock, im Verlauf sogar Multiorganversagen möglich. Also: Nie wild ernten, wenn du unsicher bist.
Alternative: Herbst-Anemonen (schwach giftig)
Maiglöckchen (Convallaria majalis) – Frühlingsduft, aber nicht harmlos

Das Maiglöckchen duftet himmlisch – ist aber komplett giftig, besonders Samen, Blüten, junge Blätter. Verwechslungsgefahr mit Bärlauch ist real, vor allem bei selbst gesammeltem „Bärlauch“.
Mögliche Folgen: Erbrechen, Krämpfe, Durchfälle, verlangsamter Puls, in schweren Fällen Herzrhythmusstörungen. Auch Haut und Augen können gereizt reagieren.
Alternative: Duft-Veilchen
Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) – Beeren, die (zu) verlockend sind

Der Strauch mit den rosa-orangen „Mützchen“ ist dekorativ – und seine Früchte sind für Kinder unwiderstehlich. Giftig sind Blätter, Rinde, Samen. Symptome können verzögert (bis ~ 18 Stunden) auftreten: Erbrechen, Durchfall, Krämpfe; in hohen Dosen Herzrhythmusstörungen sowie Leber- und Nierenschäden. Daher lieber an den Zaunrand (unerreichbar) oder durch Alternativen ersetzen.
Alternative: Hartriegel (Cornus), heimische Wildrosen mit Hagebutten
Seidelbast (Daphne) – hübsch, aber schon beim Anfassen heikel

Beim Echten Seidelbast stecken Mezerin und Daphnetoxin v. a. in Samen und Rinde. Schon Hautkontakt kann zu Rötungen, Schwellungen und Blasen führen. Nach dem Verschlucken: starkes Brennen im Mund, Anschwellen von Zunge/Lippen/Schleimhäuten, Magenkrämpfe, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen; Puls und Temperatur können steigen, im Extremfall Kreislaufversagen.
Alternative: Duft-Schneeball (V. carlesii), leicht giftig
Stechpalme (Ilex) – Weihnachtsklassiker mit Giftfrüchten

Die immergrüne Ilex setzt schöne Akzente – aber die roten Steinfrüchte sind für Menschen giftig (Vögel wie Drosseln vertragen sie). Typische Zeichen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, teils Schläfrigkeit; gelegentlich Hautausschlag. Beeren also nie als „Deko-Snack“ herumliegen lassen.
Alternative: Kornelkirsche (Cornus mas)
Tollkirsche (Atropa belladonna) – süß schmeckend, hochgiftig

Die schwarzen, kirschenähnlichen Früchte schmecken süß – genau das macht die Tollkirsche gefährlich. Bereits wenige Beeren können bei Kindern Vergiftungen auslösen. Typisch sind u. a. erweiterte Pupillen, trockene Schleimhäute, Tachykardie, Unruhe/Halluzinationen – hier gilt: sofort medizinisch beraten lassen.
Alternative: Heidelbeere (Topfkultur), Felsenbirne (essbare Beeren, Standort beachten).
Rizinus/Wunderbaum (Ricinus communis) – tropische Zierde mit tödlichen Samen

Der Wunderbaum wird gerne als exotische Kübelpflanze gehalten. Besonders auffällig sind die großen Blätter und die rotbraunen Samen – doch genau diese enthalten Ricin, eines der stärksten Pflanzengifte überhaupt. Schon wenige Samen können lebensgefährlich sein.
Symptome: Starke Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall; bei hoher Aufnahme Nieren- und Leberschäden, Kreislaufversagen.
Alternative: Sonnenblumen oder großblättrige Zierstauden wie Dahlien.
Christrose (Helleborus niger) – winterliche Schönheit mit Giftwirkung

Als klassische Weihnachts- und Winterpflanze ist die Christrose beliebt. Allerdings sind alle Pflanzenteile giftig – besonders die Wurzeln enthalten giftige Glykoside. Auch Hautkontakt kann zu Reizungen führen.
Symptome: Brennen im Mund, Durchfall, Übelkeit, Schwindel, Herzrhythmusstörungen; bei Hautkontakt Rötungen und Blasen.
Alternative: Schneeglöckchen oder Krokusse als sichere Frühblüher.
Aronstab (Arum maculatum) – unscheinbar bis zur Beerengefahr

Der Aronstab wächst in schattigen Ecken, Hecken oder Wäldern und wird im Herbst durch seine roten Beeren auffällig. Sie wirken essbar, sind aber stark giftig. Schon wenige Früchte können gefährlich sein.
Symptome: Starkes Brennen im Mund, Schwellung von Lippen und Zunge, Erbrechen, Durchfall, Kreislaufprobleme.
Alternative: Funkien (Hosta) oder Farne – dekorativ im Schatten, aber ungiftig.
3. FAQ: „Welches Unkraut ist giftig?“
Mit „Unkraut“ meinen wir im Alltag einfach Pflanzen, die an einer Stelle wachsen, an der wir sie nicht haben wollen. Darunter können durchaus giftige Arten sein. Typische Beispiele:
- Hahnenfuß-Arten (Ranunculus) – mit gelben Blüten, hübsch, aber stark hautreizend und für Weidetiere giftig.
- Schöllkraut (Chelidonium majus) – der orangefarbene Milchsaft wirkt hautreizend und kann zu Vergiftungen führen, wenn größere Mengen verschluckt werden.
- Nachtschatten-Arten (Solanum nigrum, Bittersüßer Nachtschatten) – ihre Beeren wirken für Kinder essbar, sind aber giftig.
- Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) – fällt durch gelbe Blüten auf und ist hochgiftig für Weidetiere, kann aber auch im Garten auftauchen.
Unser Tipp: Unbekannte Sämlinge frühzeitig bestimmen – mit einer Pflanzen-App oder einem Bestimmungsbuch. Wenn du unsicher bist, entferne die Pflanze lieber konsequent, besonders dort, wo Kinder oder Haustiere spielen.
4. Erste Hilfe & Prävention im Familiengarten
So erschreckend der Gedanke an eine Vergiftung auch ist: Mit dem richtigen Verhalten kannst du viel abmildern. Wichtig ist, in einer möglichen Notfallsituation einen klaren Kopf zu bewahren und Schritt für Schritt vorzugehen.
👉 Eine aktuelle Übersicht der wichtigsten Giftnotruf- und Giftinformationszentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz findest du hier.
Checkliste: Vorgehen bei Vergiftung
- Ausspucken und Mund ausspülen: Pflanzenteile oder Beeren möglichst schnell entfernen und den Mund gründlich mit Wasser ausspülen.
- Wasser nachtrinken: Am besten Leitungswasser oder stilles Wasser trinken – niemals Hausmittel wie Milch (bei Milch gelangt das Gift über den Magen schneller in den Blutkreislauf) oder Salzwasser (entzieht dem Körper zu viel Wasser)!
- Giftnotruf anrufen: Bei jedem Verdacht sofort die Giftnotrufzentrale kontaktieren und die Situation schildern. Nicht eigenmächtig handeln!
- Kein Erbrechen auslösen: Bei einer Vergiftung durch Pflanzen solltest du niemals Erbrechen auslösen – das kann dem Körper mehr schaden als helfen. Pflanzengifte können beim Hochwürgen die Speiseröhre zusätzlich reizen, und wenn jemand nicht richtig bei Bewusstsein ist, besteht sogar die Gefahr, dass Erbrochenes in die Atemwege gelangt und eine Erstickung verursacht.
- Aktivkohle nur nach Rücksprache: Aktivkohle kann im Ernstfall helfen, sollte aber nur nach Empfehlung der Giftnotrufzentrale gegeben werden. Sinnvoll ist es trotzdem, ein Präparat zu Hause zu haben.
- Notarzt bei lebensbedrohlichen Symptomen: Bei Bewusstlosigkeit, Atemstörungen oder Herz-Kreislauf-Problemen sofort den Notruf 112 wählen.
- Pflanzenreste sichern: Wenn möglich, Pflanzenteile aufbewahren – das erleichtert die Identifikation für Ärzte und Notdienste.
- Tiere nicht vergessen: Hat dein Hund oder deine Katze etwas gefressen, lass es ebenfalls Wasser trinken und kontaktiere sofort den Tierarzt.
Prävention:
Kindgerechte Wege bei Wanderungen und Ausflügen, essbare Beete im eigenen Garten klar markieren („Naschecke“), riskante Pflanzen nicht in Greifhöhe setzen, Handschuhe bei Arbeiten an Eisenhut & Co. nutzen.
Zum Schluss
Keine Sorge, du musst deinen Garten nicht komplett frei von Giftpflanzen halten. Entscheidend ist, die Risiken zu kennen und im Alltag bewusst damit umzugehen. Mit einer richtigen Pflanzenauswahl lässt sich dein Garten trotzdem bunt und vielfältig gestalten – kinder- und tierfreundlich. Und für viele riskante Klassiker gibt es wunderschöne, sichere Alternativen.
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