10 faszinierende Fakten über die Erdkröte

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2026

Wenn im zeitigen Frühjahr kleine, gedrungene Tiere über Wege wandern, beginnt eines der beeindruckendsten Naturschauspiele Mitteleuropas: die Krötenwanderung.

Die Erdkröte (Bufo bufo) gehört zu den häufigsten Amphibien Europas – und gleichzeitig zu den wichtigsten Nützlingen im Garten. Sie frisst Schnecken, reguliert Insektenpopulationen und zeigt an, ob ein Garten ökologisch gesund ist.

Hier kommen zehn spannende Fakten über einen stillen Helfer, der mehr kann, als viele vermuten.

1. Woran erkennt man eine Erdkröte?

Die Erdkröte wirkt auf den ersten Blick unscheinbar – doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ihr markantes Erscheinungsbild. Ihr Körper ist kompakt gebaut und von einer trockenen, deutlich warzigen Haut überzogen. Diese Haut enthält zahlreiche Drüsen, die nicht nur typisch aussehen, sondern auch eine wichtige Schutzfunktion erfüllen (dazu später mehr 😅).

Zwischen den Geschlechtern gibt es klare Unterschiede: Männchen bleiben mit einer Länge von etwa 8 bis 10 Zentimetern vergleichsweise kleiner und bringen meist zwischen 30 und 50 Gramm auf die Waage. Weibchen hingegen erreichen 12 bis 15 Zentimeter und können mit bis zu 100 Gramm deutlich kräftiger werden – was man ihnen im Frühjahr während der Wanderung auch ansieht.

Farblich dominieren erdige Braun- und Grautöne, die eine perfekte Tarnung auf Waldboden oder im Garten ermöglichen. Die Bauchseite ist dagegen deutlich heller und wirkt meist grau oder schmutzweiß. Ein besonders charakteristisches Merkmal sind die kupferfarben schimmernden Augen mit waagerecht verlaufender, elliptischer Pupille. Genau diese Pupillenform unterscheidet die Erdkröte zuverlässig von heimischen Froscharten.

2. Warum sind Erdkröten wertvolle Nützlinge im Garten?

Erdkröten sind echte Schädlingsjäger. Besonders Nacktschnecken stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan – genau die Tiere, die Gemüsebeete verwüsten können.

Zusätzlich fressen sie:

  • Asseln
  • Ameisen
  • Spinnen
  • Fliegen
  • Tausendfüßer
  • Raupen

Da sie ihre Beute im Ganzen verschlingen, sind sie äußerst effiziente Fressmaschinen. Eine einzige Kröte kann im Laufe einer Saison erstaunlich viele Schädlinge beseitigen – ganz ohne Gift oder menschliches Zutun.

👉 Wo Erdkröten unterwegs sind, übernimmt die Natur einen großen Teil der Schädlingskontrolle.

3. Wann beginnt die Krötenwanderung?

Sobald die Temperaturen dauerhaft auf etwa 5–10 °C steigen, machen sich Erdkröten auf den Weg zu ihren Laichgewässern. In Mitteleuropa fällt dieser Zeitpunkt meist in den Zeitraum Februar bis März, kann je nach Witterung aber auch früher oder später einsetzen. Entscheidend ist eine Kombination aus milder Nachtluft, feuchtem Wetter und frostfreien Böden.

Typisch für diese Zeit sind sogenannte „Huckepack-Paare“: Paarungsbereite Männchen klammern sich bereits während der Wanderung an Weibchen und lassen sich von ihnen zum Gewässer tragen. Dieses Verhalten erhöht ihre Chancen, sofort nach Ankunft mit der Fortpflanzung beginnen zu können.

Gefahren auf dem Weg zum Laichgewässer

Gefährlich wird die Reise vor allem durch Straßen. Viele Tiere sterben jedes Jahr auf dem Weg zu ihren Laichplätzen. Deshalb werden in zahlreichen Regionen Schutzmaßnahmen wie Krötenzäune, Sammelaktionen, Tunnel oder temporäre Straßensperren eingerichtet. Sie gehören zu den wichtigsten Artenschutzmaßnahmen für Amphibien in Europa.

Hast du gewusst? Erdkröten müssen nicht einmal direkt überfahren werden, um zu sterben. Schon die starke Luftverdrängung vorbeifahrender Autos kann für kleine Amphibien lebensgefährlich sein. Besonders bei höherer Geschwindigkeit entsteht unter Fahrzeugen ein plötzlicher Druckunterschied, der empfindliche Tiere schwer verletzen kann.

4. Wie pflanzen sich Erdkröten fort?

Die Fortpflanzung der Erdkröte beginnt unmittelbar nach der Ankunft am Laichgewässer. Das Weibchen legt dort lange, gallertartige Laichschnüre von etwa 2 bis 4 Metern Länge ab, die bis zu 8000 Eier enthalten können. Währenddessen klammert sich das Männchen fest an den Rücken des Weibchens und gibt zeitgleich Sperma ins Wasser ab, sodass die Eier direkt nach dem Ablegen befruchtet werden. Dieser Vorgang kann sich über mehrere Etappen hinziehen.

Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Kaulquappen nach einigen Tagen bis wenigen Wochen. Sie leben zunächst vollständig im Wasser und ernähren sich von Algen und organischem Material. Erst nach rund 2,5 bis 3 Monaten ist die Metamorphose abgeschlossen: Aus den schwimmenden Larven werden winzige Jungkröten, die das Wasser verlassen und an Land weiterleben.

Bis sie selbst fortpflanzungsfähig sind, vergehen etwa 3 bis 5 Jahre. Dann können Erdkröten ein erstaunlich hohes Alter erreichen – bis zu 12 Jahre sind möglich, in Einzelfällen sogar mehr. Für Amphibien ist das eine bemerkenswert lange Lebensspanne.

5. Erdkröten sind anpassungsfähig

Erdkröten sind erstaunlich anpassungsfähig und kommen mit sehr unterschiedlichen Lebensräumen zurecht. Man findet sie in Wäldern, Wiesenlandschaften und sogar in naturnah gestalteten Gärten.

Gerade diese Flexibilität ist der Grund, warum Erdkröten in großen Teilen Europas verbreitet sind. Für Gartenbesitzer bedeutet das: Schon ein strukturreicher Garten mit Verstecken und einem kleinen Teich kann ihnen einen passenden Lebensraum bieten.

DIY-Tipp: Auch künstlich angelegte Habitate wie unsere Amphibienburg stellen geschützten Lebensraum sicher.

6. Sind Erdkröten giftig?

Der Kopf der Erdkröte ist auffallend breit. Auf der Rückseite sitzen Ohrdrüsen, sogenannte Parotiden, die ein Abwehrsekret enthalten. Dieses schützt die Tiere vor Fressfeinden, indem es bitter schmeckt und abschreckend wirkt.

Für Menschen ist dieses Sekret unbedenklich, solange es nicht in Augen oder Schleimhäute gelangt. Nach dem Berühren einer Kröte sollte man sich vorsorglich die Hände waschen.

Haustiere wie Hunde sollten Erdkröten nicht ins Maul nehmen, denn für sie kann das Sekret reizend und unangenehm sein.

Schon gewusst?

Auch die Kaulquappen der Erdkröten sind chemisch geschützt: Bereits ihre Haut enthält kleine Drüsen, die Abwehrstoffe produzieren. Dadurch sind sie für viele Fressfeinde ungenießbar und werden oft gemieden.

7. Wo leben Erdkröten im Garten?

Erdkröten sind nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich an feuchten, schattigen Orten:

  • unter Laub
  • in Totholzhaufen
  • im Kompost
  • unter Steinen
  • in Erdlöchern
  • in Mauernischen

Ein strukturreicher Naturgarten mit vielen Verstecken bietet ideale Bedingungen. Sterile Schottergärten hingegen sind für sie praktisch unbewohnbar.

8. Wie überwintern Erdkröten?

Ab Ende September beginnen Erdkröten, sich in geschützte Verstecke zurückzuziehen, wo sie den Winter in einer regungslosen Starre verbringen.

Erdkröten überwintern beispielsweise

  • in frostfreien Erdlöchern
  • unter Laubhaufen
  • im Kompost
  • in Tiergängen
  • teilweise im Teichgrund (Ein Gartenteich sollte mindestens 1 Meter tief sein, damit er nicht komplett zufriert.)

Schon wenn man den Garten im Herbst nicht vollständig „aufräumt“, sondern Laub und Pflanzenreste liegen lässt, entstehen wertvolle Winterquartiere für Erdkröten.

9. Kehren Erdkröten zu ihrem Geburtsgewässer zurück?

Ja. Erdkröten besitzen ein erstaunliches Orientierungsvermögen und kehren meist zu genau dem Gewässer zurück, in dem sie geschlüpft sind. Dieses Verhalten nennt man Laichplatztreue.

Gleichzeitig können sie neue Gewässer besiedeln, wenn sich Lebensräume verändern – eine wichtige Eigenschaft in Zeiten von Klimawandel und Landschaftswandel.

10. Wie lockt man Erdkröten in den Garten?

Erdkröten lassen sich nicht gezielt ansiedeln – doch wer die folgenden Bedingungen schafft, wird oft schon nach ein bis zwei Jahren von selbst Besuch bekommen.

  • naturnaher Teich
  • Verzicht auf Pestizide
  • strukturreiche Ecken
  • Laub- und Totholzhaufen
  • keine Mähroboter nachts
  • kein Schneckenkorn

Lichtschächte unbedingt absichern!

Erdkröten geraten bei ihren nächtlichen Wanderungen immer wieder in offene Lichtschächte oder Kellerschächte. Die glatten Wände sind für sie nicht zu überwinden – sie können nicht mehr herausklettern und verhungern oder vertrocknen dort oft unbemerkt.

Ein engmaschiges Gitter oder eine Abdeckung verhindert zuverlässig, dass Kröten und andere Kleintiere hineinfallen.

Warum Erdkröten für das Ökosystem unverzichtbar sind

Erdkröten sind wichtige Bindeglieder zwischen Wasser- und Landlebensräumen. Sie regulieren Insekten- und Schneckenpopulationen und dienen selbst als Nahrung für größere Tiere (Igel, Blindschleichen, Vögel etc.). Amphibien gelten zudem als Indikatorarten, weil sie empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren. Stabile Bestände deuten meist auf funktionierende Gewässer und strukturreiche Lebensräume hin. Ein Garten mit Erdkröten ist fast immer ein ökologisch funktionierender Garten.

FAQ – Häufige Fragen zur Erdkröte

Was ist der Unterschied zwischen Frosch und Kröte?

Kröten und Frösche gehören beide zu den Froschlurchen, unterscheiden sich jedoch in mehreren Merkmalen. Erdkröten besitzen eine trockene, deutlich warzige Haut und bewegen sich meist gehend oder in kurzen Hüpfern fort. Frösche hingegen haben eine glatte, feuchte Haut und sind an kräftige Sprünge angepasst.
Auch ihr Lebensraum unterscheidet sich: Frösche halten sich häufiger dauerhaft in Gewässernähe auf, während Erdkröten den Großteil des Jahres an Land verbringen und nur zur Fortpflanzung ins Wasser zurückkehren. Zudem sind die Hinterbeine von Fröschen meist länger und stärker ausgeprägt – ideal für weite Sprünge.

Sind Erdkröten selten oder gefährdet?

Die Erdkröte zählt in Deutschland und Mitteleuropa noch zu den häufigeren Amphibienarten, dennoch stehen ihre Bestände zunehmend unter Druck. Zu den wichtigsten Ursachen gehören vor allem der Straßenverkehr während der Wanderzeit, der Verlust geeigneter Laichgewässer, intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden sowie die fortschreitende Versiegelung von Flächen. In vielen Regionen gehen die Populationen daher bereits zurück, auch wenn die Art insgesamt derzeit noch nicht als stark gefährdet gilt. Erdkröten stehen unter gesetzlichem Schutz und dürfen weder gefangen noch verletzt werden.

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