Wer eine artgerechte Nisthilfe für Wildbienen bauen möchte, stößt zwangsläufig auf ein zentrales Problem: saubere, lange Nistgänge.
Genau an dieser Stelle sind wir selbst hängen geblieben. Wir wollten Nistgänge bohren, die wirklich lang genug sind – 15 bis 20 Zentimeter, sauber, splitterfrei und ohne scharfe Kanten. Bei der Recherche haben wir schnell gemerkt: Es gibt viele Artikel darüber, warum lange Nistgänge wichtig sind – aber kaum konkrete Anleitungen, wie man sie tatsächlich in Holz bohrt. Welche Bohrer geeignet sind, wie man Ausfransen vermeidet oder wie das Finish aussehen sollte, blieb meist offen.

Viele fertige Wildbienenhotels zeigen genau dieses Problem: Die Bohrlöcher sind zu kurz, ausgefranst oder schlecht verarbeitet. Und wer selbst versucht, tiefe Löcher in Hartholz zu bohren, merkt schnell, dass man mit normalen Holzbohrern nicht weit kommt.
In diesem Artikel zeige ich dir deshalb praxisnah,
- welche Bohrer sich wirklich eignen,
- welches Holz funktioniert (und welches nicht),
- wie du 15–20 cm tiefe, splitterfreie Bohrungen hinbekommst
- und wie du die Nistgänge anschließend sauber nacharbeitest.
Alles basiert auf eigenen Erfahrungen aus der Praxis – nicht auf Theorie oder Herstellerangaben.
Inhaltsverzeichnis
- Warum lange und saubere Nistgänge so wichtig sind
- Der entscheidende Faktor: der richtige Bohrer für tiefe Holzbohrungen
- Der entscheidende Faktor: der richtige Bohrer
- Vorbereitung vor dem Bohren: So vermeidest du Splitter und Ausfransen
- Zwei bewährte Methoden für splitterfreie Bohrungen
- Das Finishing: Nistgänge sauber entgraten und nacharbeiten
- Typische Fehler, die du vermeiden solltest
1. Warum lange und saubere Nistgänge so wichtig sind
Viele Wildbienenarten legen ihre Brutzellen hintereinander in einem einzigen Gang an. Je länger dieser Gang ist, desto mehr Brutkammern können entstehen – und desto besser ist der Schutz vor Parasiten und Witterung.
Zu kurze Nistgänge führen dazu, dass:
- nur wenige Zellen angelegt werden,
- Brut leichter verloren geht,
- oder die Nisthilfe gar nicht erst angenommen wird.
Mindestens genauso wichtig ist die Qualität der Nistgänge:
- ausgefranste Ränder,
- Splitter,
- Scharfe Kanten können die empfindlichen Flügel der Wildbienen verletzen.
Eine kompakte Übersicht der empfohlenen Nistgang-Längen für unterschiedliche Wildbienenarten haben wir in diesem Artikel zusammengestellt.
2. Das richtige Holz: Ohne Hartholz wird es schwierig
Die Wahl des Holzes entscheidet maßgeblich über das Ergebnis.
Geeignete Harthölzer für Wildbienen-Nisthilfen:
- Eiche
- Esche
- Buche
- Ahorn
Diese Hölzer haben eine hohe Dichte und wenig Ausriss an der Oberfläche.

Ungeeignete Hölzer für Wildbienen-Nisthilfen:
- Fichte
- Tanne
- Kiefer
Weichholz franst beim Bohren deutlich stärker aus und ist daher für saubere Nistgänge ungeeignet. Nadelhölzer sind aufgrund ihres hohen Harzgehalts für Wildbienen grundsätzlich nicht geeignet.
3. Der entscheidende Faktor: der richtige Bohrer für tiefe Holzbohrungen
Für tiefe Bohrungen von 15–20 cm gibt es praktisch nur eine sinnvolle Wahl:
👉 Holz-Schlangenbohrer
Wir nutzen für unsere Nistgänge Holzschlangenbohrer in verschiedenen Durchmessern (z. B. 6–9 mm).
Unsere Empfehlung
Vorteile Schlangenbohrer:
- eine Gewindespitze, die sich selbst ins Holz zieht,
- stabile Schneiden,
- und einen guten Spanabtransport auch bei großer Tiefe.

⛔️ Hinweis aus der Praxis: Lange Spiralbohrer
Wir haben auch lange Spiralbohrer in verschiedenen Durchmessern (ca. 4–8 mm) getestet. Das Ergebnis war jedoch nicht überzeugend: Die Bohrungen wurden oft unsauber und der Spanabtransport funktionierte bei größeren Tiefen schlecht. Zudem sind uns mehrere dieser Bohrer bereits nach kurzer Zeit abgebrochen.
Für lange, saubere Nistgänge haben sich Spiralbohrer daher nicht bewährt.
4. Vorbereitung vor dem Bohren: So vermeidest du Splitter und Ausfransen
Bevor du mit dem Bohren beginnst, sollte die Holzoberfläche plan und glatt geschliffen werden. So liegen die Holzfasern sauber an und reißen beim Ansetzen des Bohrers weniger aus

Am einfachsten gelingt das mit einem Schwingschleifer und feinem Schleifpapier (Körnung ca. 120–180). Wichtig ist dabei kein perfektes Finish, sondern eine gleichmäßige, ruhige Oberfläche ohne aufstehende Fasern.
Diese Vorbereitung reduziert das Ausfransen der Bohrlöcher deutlich.
5. Zwei bewährte Methoden für splitterfreie Bohrungen
Für splitterfreie Bohrungen in Hartholz kommen in der Praxis vor allem zwei Vorgehensweisen infrage, die sich auch bei großen Bohrtiefen bewährt haben.
Wichtig: Die Bohrungen müssen ins Längsholz erfolgen – also parallel zur Faser, nicht ins Hirnholz.
Variante 1: langsam & kontrolliert
- niedrige Drehzahl
- wenig Druck
- den Schlangenbohrer arbeiten lassen
Das ergibt bereits sehr saubere Bohrlöcher, besonders in Hartholz.

Variante 2: Malerkrepp-Trick (meine Empfehlung)
Diese Methode hat bei mir den Unterschied gemacht:
- Die gesamte Bohrfläche mit Malerkrepp abkleben
- Krepp fest andrücken
- Die Löcher direkt durch das Krepp bohren, so wie bei der ersten Variante. 😁
Das Krepp fixiert die Holzfasern an der Oberfläche und reduziert das Ausreißen, sobald der Bohrer ins Holz schneidet.

6. Das Finishing: Nistgänge sauber entgraten und nacharbeiten
Nach dem Bohren sind die Löcher bereits fast optimal – jetzt kommt der Feinschliff.
1. Leicht überschleifen
Mit sehr feinem Schleifpapier oder Schleifvlies einmal flächig über die Oberfläche gehen, um letzte Holzfasern zu entfernen.
2. Minimal ansenken – mit Metall-Senkbohrer
Ja, richtig gelesen: Senkbohrer für Metall, nicht für Holz.

Wenn du regelmäßig mit Holz oder Metall arbeitest, lohnt sich die Anschaffung hochwertiger Kegel- bzw. Entgratsenker. Wir nutzen Modelle von PFERD, da sie sehr sauber schneiden und auch bei harten Materialien präzise arbeiten.
Baust du hingegen nur gelegentlich eine Nisthilfe, reichen auch günstigere Entgratsenker aus.
Achte beim Kauf darauf, dass die Kegel- bzw. Entgratsenker für Edelstahl geeignet sind
Warum wir Metall-Senkbohrer bei Holz empfehlen:
- Metall-Senkbohrer schneiden weniger aggressiv
- sie brechen die Kante kontrolliert
- statt Holzfasern hochzureißen
Jedes Loch wird nur minimal angesenkt – es entsteht eine saubere, weiche Kante ohne scharfe Übergänge.

3. Letzter Feinschliff
Zum Abschluss noch einmal kurz mit dem Schwingschleifer mit feinem Papier/Vlies über die Fläche gehen.

Das Ergebnis:
- absolut glatte Nistgänge
- keine Splitter
- keine scharfen Kanten
- optimale Bedingungen für Wildbienen
7. Typische Fehler, die du vermeiden solltest
- zu hohe Drehzahl
- zu viel Druck
- Bohren in Weichholz
- Bohren ins Hirnholz
- kein Nacharbeiten der Lochkanten
All das führt zu genau den Problemen, die viele fertige Nisthilfen haben.
Hast du selbst noch andere Tricks für perfekt gebohrte Nistgänge? Dann lass es uns gern in den Kommentaren wissen – wir sind gespannt auf deine Erfahrungen.

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