Warum Misteln zum Problem für unsere Bäume werden

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2025

Vielleicht ist es dir auch schon aufgefallen: Gerade im Winter, wenn die Bäume kahl sind, tauchen überall diese grünen Kugeln in den Kronen auf. Was auf den ersten Blick fast dekorativ wirkt, ist in Wahrheit oft ein Warnsignal. Denn dabei handelt es sich um Misteln – und die können für unsere Bäume schnell zum echten Problem werden.

Seit Jahren beobachten wir, dass sich Misteln in vielen Regionen Deutschlands stark ausbreiten. Besonders betroffen sind Streuobstwiesen, alte Alleen und geschwächte Bäume. Gleichzeitig sind Misteln aber auch Teil unseres Ökosystems und bieten Lebensraum für viele Tiere.

Warum sie sich so stark vermehren, wann sie gefährlich werden und was du konkret tun kannst, schauen wir uns jetzt gemeinsam an.

Inhaltsverzeichnis
  1. Was sind Misteln eigentlich?
  2. Wo kommen Misteln in Deutschland vor?
  3. Welche Bäume sind besonders betroffen?
  4. Wie verbreiten sich Misteln?
  5. Warum Misteln für Bäume problematisch sind
  6. Welche Rolle der Klimawandel spielt
  7. Wie du Bäume vor Misteln schützen kannst
  8. Haben Misteln auch einen ökologischen Nutzen?
  9. Unser Fazit: Mistel – Fluch oder doch Teil der Natur?
  10. Misteln – kurz erklärt: Häufige Fragen

1. Was sind Misteln eigentlich?

Misteln sind immergrüne Halbschmarotzer, die hoch oben in den Kronen von Bäumen wachsen. Sie bilden kugelige Sträucher, die im Laufe der Jahre beachtliche Größen erreichen können – manchmal fast einen Meter Durchmesser.

Weltweit gibt es um die 1.100 verschiedene Mistelarten. Die meisten davon wachsen in Afrika und Asien. Bei uns in Deutschland sind es nur wenige Arten, vor allem:

  • die Laubholzmistel
  • die Tannenmistel
  • die Kiefernmistel

Unsere heimischen Misteln können erstaunlich alt werden. Je nach Standort und Bedingungen erreichen sie 20 bis 30 Jahre Lebensdauer – und wachsen dabei stetig weiter.

2. Wo kommen Misteln in Deutschland vor?

Die Laubholz-Mistel hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark ausgebreitet und ist inzwischen fast flächendeckend zu finden. Besonders deutlich zeigt sich das in Süd- und Mitteldeutschland. Regionen wie das Saarland, die Pfalz, Franken sowie große Teile der östlichen Bundesländer gelten inzwischen als echte Schwerpunkte.

Vor allem auf Streuobstwiesen ist der Befall dort vielerorts so stark, dass Naturschutzverbände wie der NABU bereits vor einer ernsten Gefährdung ganzer Bestände warnen. Alte Hochstamm-Obstbäume geraten zunehmend unter Druck, wenn nicht regelmäßig gepflegt wird.

Auch im Norden Deutschlands nimmt die Mistel zu. In nördlichen Teilen Niedersachsens, in Schleswig-Holstein und entlang der Ostseeküste ist sie zwar inzwischen deutlich häufiger zu sehen, gilt dort aktuell aber bisher nicht als akute Bedrohung für Hochstamm-Obstbäume.

Auffällig ist: Seit den 1990er-Jahren nimmt ihre Verbreitung deutlich zu. Was früher eher vereinzelt auftrat, ist heute vielerorts ein flächendeckendes Problem – vor allem in Kulturlandschaften.

In Gesprächen mit Streuobst-Besitzern hören wir immer wieder, dass der Mistelbefall erst spät ernst genommen wird – oft dann, wenn die Krone bereits sichtbar leidet.

3. Welche Bäume sind besonders betroffen?

Misteln wachsen ausschließlich auf Bäumen, nicht auf Sträuchern oder am Boden. Dabei sind sie wählerisch. Besonders häufig befallen werden:

  • Apfelbäume (großes Thema in Streuobstwiesen)
  • Pappeln
  • Birken
  • Ahorn
  • Linden
  • Weiden
  • Robinien
  • Weißdorn
  • Eberesche

Im Herbst und Winter lassen sich Misteln besonders gut erkennen, weil die Wirtsbäume dann ihr Laub verloren haben – die Misteln aber grün bleiben.

4. Wie verbreiten sich Misteln?

Misteln sind echte Strategen, wenn es um ihre Verbreitung geht. Hauptakteure sind dabei Vögel.

Ihre weißen, klebrigen Beeren werden von vielen Vogelarten gefressen. Beim späteren Ausscheiden bleiben die Samen an Ästen haften – genau dort, wo die Mistel keimen kann.

Besonders wichtig für die Verbreitung sind:

  • Misteldrosseln
  • Wacholderdrosseln
  • Singdrosseln
  • Seidenschwänze

In geringerem Umfang können sich Misteln auch selbst ausbreiten: Fallen reife Beeren vom Strauch herab, haften die Samen gelegentlich an darunterliegenden Ästen und keimen dort.

5. Warum Misteln für Bäume problematisch sind

Misteln sind keine harmlosen Mitbewohner. Sie zapfen ihren Wirtsbaum an und entziehen ihm:

  • Wasser
  • Mineralstoffe
  • Nährstoffe

Zwar betreiben sie selbst Fotosynthese, sind also keine Vollparasiten – trotzdem schwächen sie den Baum dauerhaft. Besonders kritisch wird es, wenn:

  • viele Misteln gleichzeitig einen Baum befallen
  • der Baum ohnehin durch Trockenheit oder Alter geschwächt ist

In heißen Sommern kann es dann passieren, dass der Baum schlicht verdurstet, weil die Misteln zusätzlich Wasser entziehen. Genau deshalb geraten alte Obstbäume besonders schnell in Gefahr.

Kurz erklärt: Warum sind Misteln problematisch?

Misteln entziehen ihren Wirtsbäumen Wasser und Mineralstoffe. Bei starkem Befall kann das – besonders in trockenen Sommern – zum Absterben ganzer Kronenteile oder sogar des gesamten Baumes führen.

6. Welche Rolle der Klimawandel spielt

Der Klimawandel wirkt wie ein Turbo für die Mistel. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Mildere Winter erhöhen die Überlebenschancen der Misteln
  • Längere Vegetationszeiten fördern ihr Wachstum
  • Dürreperioden schwächen die Wirtsbäume
  • Misteln dringen inzwischen in höhere Lagen vor, in denen sie früher kaum vorkamen

In manchen Regionen hat sich der Anteil befallener Bäume innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Das ist kein Zufall – sondern eine direkte Folge veränderter Klimabedingungen.

Gibt es heute mehr Misteln als früher?

Ja. Mildere Winter, längere Vegetationszeiten und geschwächte Bäume durch Trockenstress begünstigen die Ausbreitung der Mistel deutlich.

7. Wie du Bäume vor Misteln schützen kannst

Die gute Nachricht: Du kannst etwas tun. Der wichtigste Punkt ist regelmäßige Baumpflege.

Das bedeutet konkret:

  • Misteln frühzeitig entfernen, bevor sie groß werden
  • befallene Äste 20–30 cm unterhalb der Ansatzstelle abschneiden
  • Kontrolle alle zwei bis drei Jahre

Der beste Zeitpunkt dafür ist der Spätwinter oder das zeitige Frühjahr. Misteln stehen nicht unter Naturschutz, ihre Entfernung ist also erlaubt – und bei starkem Befall dringend notwendig.

Gerade bei Streuobstwiesen entscheidet diese Pflege oft darüber, ob ein Baum noch viele Jahre lebt oder langsam abstirbt.

Sind Misteln verboten oder geschützt?

Nein. Misteln stehen in Deutschland nicht unter Naturschutz. Im Rahmen der Baumpflege dürfen sie entfernt werden, besonders wenn der Baum durch den Befall gefährdet ist.

8. Haben Misteln auch einen ökologischen Nutzen?

So paradox es klingt: Ja, Misteln haben auch ihre guten Seiten.

Sie bieten:

  • Nahrung für Vögel im Winter
  • Unterschlupf und Nistplätze
  • Lebensraum für spezialisierte Insekten

Einige Insektenarten wie der Mistel-Prachtkäfer (Agrilus viscivorus) sind hochspezialisiert und auf Misteln angewiesen. Außerdem gelangen die nährstoffreichen Pflanzenteile nach dem Absterben zurück in den Boden und unterstützen dort den Nährstoffkreislauf.

Misteln sind also Teil der Biodiversität – solange sie nicht überhandnehmen.

9. Unser Fazit: Mistel – Fluch oder Teil der Natur?

Misteln sind weder durchweg böse noch harmlos. Sie gehören zu unserer Natur, können aber in Zeiten von Klimawandel und Trockenstress schnell zur Gefahr werden – vor allem für alte, wertvolle Bäume.

Unser Ansatz bei BioGartenLiving ist deshalb klar:

👉 Beobachten, verstehen und gezielt handeln.

Misteln dort tolerieren, wo sie keinen Schaden anrichten – und konsequent eingreifen, wo Bäume ernsthaft gefährdet sind.

10. Misteln – kurz erklärt: Häufige Fragen

Sind Misteln in Deutschland geschützt?

Nein. Misteln stehen in Deutschland nicht unter Naturschutz und dürfen im Rahmen der Baumpflege entfernt werden – besonders dann, wenn der Baum durch den Befall geschwächt ist.

Wann ist der beste Zeitpunkt, Misteln zu entfernen?

Der ideale Zeitpunkt ist der Spätwinter oder das zeitige Frühjahr. Dann sind die Bäume laubfrei und der Eingriff belastet sie am wenigsten.

Können Bäume durch Misteln absterben?

Ja. Bei starkem Befall und zusätzlichem Trockenstress können Misteln ganze Kronenteile schwächen oder zum Absterben des Baumes führen – besonders bei alten Obstbäumen.

Sind Misteln immer schlecht für die Natur?

Nein. Misteln sind Teil unseres Ökosystems und bieten Nahrung und Lebensraum für Vögel und spezialisierte Insekten. Problematisch werden sie erst, wenn sie sich unkontrolliert ausbreiten.

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