Du hast nur wenig Platz im Garten, willst aber trotzdem etwas für die Artenvielfalt tun? Genauso ging es uns auch. Unser Reihenhausgarten ist alles andere als riesig, aber: Wir wollten zeigen, dass selbst auf kleinsten Flächen wertvolle Lebensräume entstehen können. Also haben wir uns an den Bau einer gemeinsamen Struktur – einer Art „Burg“ – gewagt, die sowohl Reptilien als auch Amphibien einen geeigneten Lebensraum bieten soll.
Auch wenn beide Tiergruppen unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum stellen, lassen sie sich auf einer Fläche von nur 1,2 mal 1,2 Metern gut vereinen – wenn man ihre Bedürfnisse bei der Gestaltung berücksichtigt. Klingt klein? Ist es auch. Aber wir haben jede Ecke genutzt, um Eidechsen, Molchen, Kröten & Co. ein neues Zuhause zu bieten.
Inhaltsverzeichnis
- Warum wir eine Reptilien- und Amphibienburg gebaut haben
- Die Planung: zwei Zonen, zwei Lebenswelten
- So sieht unsere Mini-Fläche aus
- Schritt für Schritt: So haben wir unsere Reptilienburg gebaut
- Wer zieht ein? Typische Gartenbewohner
- Typische Fehler beim Burgbau – und wie du sie vermeidest
- FAQ: Deine Fragen zur Reptilienburg und Amphibienburg

1. Warum wir eine Reptilien- und Amphibienburg gebaut haben
In vielen Gärten fehlen inzwischen natürliche Rückzugsorte für Eidechsen, Molche oder Kröten. Dabei spielen gerade sie eine zentrale Rolle als Nützlinge im ökologischen Gleichgewicht. Mit unserer kleinen Reptilienburg wollen wir gezielt Abhilfe schaffen, Lebensräume schaffen – und zugleich zeigen, dass auch kleinste Gärten einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz leisten können. Eine Reptilienburg zu bauen, erfordert weder viel Platz noch ein großes Budget – nur ein wenig Zeit, Neugier und Lust auf ein kleines Stück Natur mitten im eigenen Garten.
2. Die Planung: zwei Zonen, zwei Lebenswelten
Wir haben uns bewusst für zwei unterschiedliche Bereiche entschieden:
- Die sonnige Südseite: Hier entstehen warme, trockene Bereiche – ideal für Eidechsen und andere Reptilien.
- Die halbschattige Nordseite: Mit feuchteren, geschützten Strukturen, die Kröten, Molchen und anderen Amphibien ideale Bedingungen bieten.

So können beide Tiergruppen den Platz optimal nutzen – jede nach ihren spezifischen Bedürfnissen.
Natürlich gilt: Je größer und vielfältiger die Struktur, desto besser. Aber auch kleine Lebensinseln machen einen Unterschied. Selbst eine kompakte Reptilien- und Amphibienburg kann wichtige Rückzugsorte schaffen und aktiv zum Artenschutz im eigenen Garten beitragen.
3. So sieht unsere Mini-Fläche aus
Die gesamte Burgfläche misst etwa 1,2 × 1,2 Meter. Das Herzstück: ein ausgehobenes Loch, das vorn ca. 60 cm tief, hinten etwa 30 cm flach ist. Dadurch entstehen zwei Ebenen, die später mit Steinen und Holz geschichtet werden. Das Loch selbst nimmt nur rund 40 % der Gesamtfläche ein – genug Platz für Verstecke, aber auch für Begrünung und Sonnenplätze. Selbst auf dieser kleinen Fläche lässt sich ein funktionaler Unterschlupf für Eidechsen und Amphibien anlegen.


4. Schritt für Schritt: So haben wir unsere Reptilienburg gebaut
4.1 Drainage mit Stil – Yellow Sun Splitt
Zuerst kam eine etwa 10 cm hohe Drainagesschicht in das Loch. Dafür haben wir Yellow Sun Splitt verwendet. Zugegeben: Auch normaler Splitt hätte gereicht – aber wir wollten unseren neuen Mitbewohnern ja ein stilvolles Zuhause bieten 😅. Die Steine werden nach dem ersten Regenguss gelblich-sandig.
Transparenz-Hinweis: Die Materialien für Drainage und Aufbau wurden uns kostenfrei von zierkiese.de zur Verfügung gestellt. Danke für die Unterstützung bei diesem Projekt!

Warum überhaupt eine Drainage?
Die Drainageschicht ist entscheidend, damit sich keine Staunässe bildet. Wenn Regenwasser nicht richtig abfließen kann, wird es im Inneren der Burg feucht – und das mögen Reptilien überhaupt nicht. Eine gut durchlässige Grundlage schützt also nicht nur die Stabilität des Baus, sondern vor allem das Mikroklima im Inneren: trocken, und frostsicher.
Auch für Amphibien, die es grundsätzlich etwas feuchter mögen, ist Staunässe problematisch. Sie brauchen feuchte, aber nicht nasse Rückzugsorte – stehendes Wasser kann ihnen sogar schaden (besonders im Winter).


4.2 Steine für den Unterbau
Die unteren Bereiche im Inneren der Burg dienen Reptilien und Amphibien als wichtige Rückzugsorte – hauptsächlich zur Überwinterung. Damit diese frostfrei bleiben, sollte die Grube möglichst tief ausgehoben werden, um auch in strengen Wintern genügend Schutz zu bieten.

Deshalb haben wir im ersten Schritt bewusst größere, grobe Bruchsteine aus Muschelkalk ausgewählt und im Inneren aufgeschichtet. Dabei haben wir darauf geachtet, dass sich größere Hohlräume und Kammern bilden, in die sich die Tiere zurückziehen können. Diese unterirdischen Verstecke sind das eigentliche Herzstück jeder Reptilienburg – hier finden die Tiere Schutz, Ruhe und Sicherheit.
4.3 Nach oben wird es dichter
Ab Bodenniveau wurde unsere Burg immer kompakter: weniger Zwischenräume, mehr Stabilität. Trotzdem achten wir darauf, dass es Verbindungen ganz nach unten gibt – durch schiefe Steine, Hohlräume oder seitliche Wege. So können Eidechsen tief in den Bau vordringen und Amphibien schattige, feuchte Plätze nutzen.



4.4 Feuchtepuffer / Totholz
Im hinteren, schattigen Teil der Burg – der tendenziell für Amphibien vorgesehen ist – haben wir Eschenäste eingearbeitet. Das junge Totholz erfüllt dabei gleich zwei Aufgaben:
- Feuchtepuffer für Amphibien
Das Eschenholz wirkt wie ein natürlicher Schwamm: Es nimmt Regenwasser auf, speichert es und gibt die Feuchtigkeit langsam wieder an die Umgebung ab. So entsteht ein dauerhaft feuchtes Mikroklima, das Fröschen, Molchen & Co. dabei hilft, ihre empfindliche Haut vor dem Austrocknen zu schützen. - Lebensgrundlage für saproxylische Arten
Mit der Zeit beginnen die Birkenäste zu verrotten – und werden damit zu einem wichtigen Lebensraum für sogenannte saproxylische Arten. Dazu zählen Insekten wie Käfer, Fliegenlarven und andere Organismen, die Totholz als Nahrungsquelle, Brutplatz oder Rückzugsort benötigen. Besonders Käferlarven ernähren sich von dem sich zersetzenden Holz oder den Pilzen, die darauf wachsen.

Wichtige Information zu saproxylischen Arten
Diese Arten gehören zu den am stärksten gefährdeten Organismengruppen Mitteleuropas. Durch jahrhundertelange Forstwirtschaft wurde der Totholzanteil in vielen Wäldern drastisch reduziert, besonders im Flachland und im Mittelland. Selbst kleinste Totholzinseln – wie in unserer Burg – können daher einen wertvollen Beitrag zum Erhalt dieser spezialisierten Arten leisten.
Die gezielte Integration von Totholz in naturnahe Gärten oder Strukturen wie dieser Reptilien- und Amphibienburg ist also nicht nur funktional, sondern auch ein aktiver Beitrag zum Artenschutz.
4.5 Wetterschutz und Bepflanzung
Um die Burg besser vor Wind und Starkregen zu schützen, haben wir einen Teil des Erdaushubs genutzt, um auf der Schattenseite eine Aufschüttung von etwa 20–30 cm Höhe über Bodenniveau anzuhäufen. Diese zusätzliche Erdschicht bietet nicht nur Schutz, sondern schafft auch neue Lebensräume – hier wird sich allmählich von selbst Vegetation ansiedeln. Um den Prozess zu unterstützen und gleichzeitig Erosion vorzubeugen, haben wir die Fläche teilweise mit Fetthenne (Sedum) bepflanzt. Die robuste Pflanze ist pflegeleicht, trockenheitsresistent und bietet zusätzlich Nahrung für Insekten.

Auf der schattigen Seite der Burg haben wir die Erde bis fast ganz nach oben aufgeschüttet und gezielt mit Sedum (Fetthenne/Mauerpfeffer) bepflanzt. Sedum ist nicht nur robust, trockenheitsverträglich und pflegeleicht, sondern bietet mit seinen offenen Blüten auch Nahrung für Wildbienen und andere bestäubende Insekten.


5. Wer zieht ein? Typische Gartenbewohner
- Zauneidechse: Die sonnenliebende Eidechse ist besonders geschützt und freut sich über warme, offene Steinstrukturen. Für die Eiablage benötigen Zauneidechsen jedoch zusätzlich eine sandige Fläche mit lockerer Struktur – idealerweise in unmittelbarer Nähe zur Burg. Wir haben dafür bereits ein Sandarium und ein Sandbeet im Garten, sodass keine separate Sandfläche nötig war.
Tipp: Brechsand ist günstig und hervorragend geeignet, um Echsen einen geeigneten Eiablageplatz zu bieten. - Erdkröte: Kommt meist nachts aus ihren feuchten Verstecken und frisst gerne Schnecken und Insekten.
- Teichmolch: Hält sich tagsüber gerne in schattigen, feuchten Hohlräumen auf. In unserem Artikel „Molche im Teich: So einfach kannst du sie ansiedeln“ findest du mehr zu diesen faszinierenden Teichbewohnern.
- Blindschleiche: Ist keine Schlange, sondern eine beinlose Echse, die ähnlich wie die Kröte kühle, geschützte Orte liebt.

Je nach Standort und Umgebung kannst du auch Wildbienen, Laufkäfer oder Igel beobachten – gerade wenn du umliegende Bereiche ebenfalls naturnah gestaltest.
Das Jahr mit der Burg – was passiert wann?
- Frühjahr: Amphibien verlassen ihre Winterquartiere, Reptilien wärmen sich an ersten Sonnenplätzen auf.
- Sommer: Hochsaison! Tiere nutzen die Burg aktiv zum Jagen, Verstecken, Sonnen und Ruhen.
- Herbst: Viele Tiere ziehen sich zurück. Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt, um die Struktur zu überprüfen oder zu ergänzen.
- Winter: Wenn gut gebaut, dient die Burg als frostsicheres Winterquartier. Bitte nicht umgraben oder stören!
6. Typische Fehler beim Burgbau – und wie du sie vermeidest
- Zu wenig Struktur: Je abwechslungsreicher der Aufbau, desto mehr Arten finden ein Zuhause.
- Falsche Materialien: kein behandeltes Holz, keine Kunststofffolien, kein Nadelholz!
- Fehlende Durchgänge nach unten: Tiere müssen sich tief in die Struktur zurückziehen können.
- Burg zu sonnig oder zu schattig: Die Mischung macht’s! Zwei Zonen einplanen.
Noch mehr Ideen für Artenvielfalt im Garten:
- Miniteich: Ein kleiner Wasserbereich zieht Libellen, Amphibien und Vögel an. 👉 zum Artikel
- Sandarium: Offene, sonnige Sandflächen sind perfekt für Wildbienen und Eidechsen. 👉 zum Artikel
- Wildbienenhotel: In Kombination mit der Burg wird daraus ein echtes Mini-Biotop. 👉 zum Artikel
7. FAQ: Deine Fragen zur Reptilienburg und Amphibienburg
Loslegen kannst du schon ab 1 m² – denn entscheidend ist die Struktur, nicht die Größe. Wichtig sind vielfältige Hohlräume, unterschiedliche Materialien und ein geschützter Standort.
Größere Bauten werden von Reptilien und Amphibien allerdings oft besser angenommen – einfach, weil sie mehr Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten bieten.
Frühjahr oder Herbst – dann ziehen die Tiere am ehesten ein.
Sedum, Thymian, wilde Möhre, Glockenblume – alles, was trockenheitsverträglich ist.
Achte auf kleinteilige Zugänge, damit sie nicht hineinkommen oder Beute machen.
Ja – ein Miniteich direkt neben der Reptilien- und Amphibienburg ist sogar ideal, besonders für Amphibien wie Frösche, Kröten oder Molche. Während Reptilien (z. B. Eidechsen) eher trockene, sonnenexponierte Bereiche bevorzugen, sind Amphibien auf Feuchtigkeit und Laichgewässer angewiesen.
Schreibe einen Kommentar