Die Blaumeise kennt jeder – doch was wirklich in ihr steckt, wird oft unterschätzt. Sie wirkt niedlich, klein und harmlos: blauer Scheitel, gelbe Brust, winziger Schnabel, flinke Bewegungen.
Doch hinter dieser hübschen Fassade steckt ein erstaunlich geschickter, wehrhafter und ziemlich cleverer Gartenbewohner. Blaumeisen turnen kopfüber durch dünne Zweige, merken sich Futterstellen, ziehen ihre Jungen mit riesigen Mengen Raupen groß und können am Futterplatz durch ihr freches Auftreten schnell in Streitereien mit anderen Vögeln geraten.
Zeit also, diesen kleinen Vogel genauer anzuschauen – mit zehn Fakten, die selbst viele Gartenfans überraschen.
1. Die Blaumeise ist ein echtes Fliegengewicht
Mit nur etwa 11 bis 12 Gramm Gewicht – ungefähr zwei 20-Cent-Münzen – gehört die Blaumeise zu den echten Leichtgewichten unter den Gartenvögeln.

Genau dieses geringe Gewicht macht sie so beweglich. Blaumeisen können sich an dünnen Zweigen entlanghangeln, kopfüber nach Nahrung suchen und sehr geschickt zwischen Ästen und Blättern manövrieren.
2. Ihr Gefieder macht sie unverwechselbar
Die Blaumeise ist leicht zu erkennen: blauer Scheitel, blaue Flügel und Schwanzfedern, weißes Gesicht und eine leuchtend gelbe Brust.

Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Beim Männchen wirken die Farben meist etwas leuchtender/kräftiger, Jungvögel sind dagegen blasser gefärbt.
Besonders spannend: Das Brustgefieder ist gelb. Wie kräftig diese Farbe ausfällt, hängt auch von der Nahrung ab: Vor allem Raupen liefern Farbstoffe, die das Gelb intensiver wirken lassen. In Städten wirkt das Gefieder daher oft etwas matter, wenn weniger Raupen-Nahrung zur Verfügung steht.
3. Blaumeisen sind kleine Akrobaten
Wer Blaumeisen beobachtet, sieht schnell: Still sitzen ist nicht ihr Ding. Sie sind tagaktiv und suchen an Knospen, Blättern, Rinde und Zweigen nach Nahrung.

Dabei hängen sie oft kopfüber an Ästen und bewegen sich flink durch das Geäst. Im Vergleich zur Kohlmeise gilt die Blaumeise als noch flinker und geschickter. Außerdem ist sie deutlich kleiner und leichter.
4. Sie sind nicht so harmlos, wie sie aussehen
Blaumeisen sehen niedlich aus – aber sie sind keine wehrlosen Kuschelvögel. NABU-Vogelschutzexperte Marius Adrion beschreibt sie als „wehrhafte kleine Biester“, die mit ihrem winzigen Schnabel schmerzhaft zubeißen können, wenn man sie etwa zur Vogelberingung in der Hand hält.

Auch am Futterhaus fallen Blaumeisen oft durch freches Verhalten auf und geraten gelegentlich mit anderen Vogelarten aneinander.
5. Im Winter werden sie zu Körnerfressern
Im Frühjahr und Sommer fressen Blaumeisen vor allem kleine Insekten, Larven, Raupen, Maden und Spinnen. Wenn der Winter naht, stellen sie ihre Ernährung um und nehmen auch Nüsse, Sonnenblumenkerne, Meisenknödel, Äpfel, Beeren und andere Sämereien an.

Deshalb lassen sie sich im Winter gut an Futterstellen beobachten. Dabei lässt sich oft eine feste Routine beobachten: Tageszeit und Reihenfolge der Futterstellen.
6. Sie sind natürliche Schädlingsbekämpfer
Blaumeisen sind für naturnahe Gärten richtig wertvoll. Sie fressen unter anderem Blattläuse, Maden, Motten und Raupen.

Besonders während der Jungenaufzucht wird ihr Nutzen deutlich: Ein einzelnes Küken kann bis zu 100 Raupen pro Tag fressen. Bei zehn Küken wären das bis zu 1000 Raupen täglich.
7. Blaumeisen sind intelligent
Blaumeisen haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Sie können sich merken, wo sie Nahrung gefunden haben – und sogar wann und wie.

Interessant: Schon in den 1920ern lernten Blaumeisen in England, Milchflaschen zu öffnen, die damals nur mit einer dünnen Folie verschlossen waren, um an den fettreichen Rahm zu kommen – und gaben dieses Wissen untereinander weiter. Noch spannender: In Experimenten zeigte sich, dass Meisen aus den Erfahrungen anderer lernen können. In einer Studie der Universität Cambridge (veröffentlicht in „Nature Ecology & Evolution“) beobachteten sie Artgenossen, die bitteres Futter angewidert ausspuckten – und mieden diese Nahrung später selbst, ohne sie je probiert zu haben.
Daraus schlossen die Forschenden, dass Meisen zu sozialem Lernen fähig sind.
8. Sie bleiben das ganze Jahr bei uns
Blaumeisen sind keine Zugvögel. Man kann sie das ganze Jahr über in Deutschland beobachten.

Im Herbst und Winter schließen sie sich zu kleinen Gruppen zusammen, um gemeinsam nach Nahrung zu suchen und zu schlafen. Sie übernachten dann zum Beispiel in Baumhöhlen oder Nistkästen.
9. Nistkästen helfen besonders in jungen Gärten
Blaumeisen brüten in Höhlen, Mauerspalten oder Höhlenbrüter-Nistkästen. Ihre Nester polstern sie mit Moos, Federn, Tierhaaren und anderen weichen Materialien aus.

Wenn im Garten alte Bäume mit natürlichen Höhlen fehlen, kann ein klassischer Meisenkasten helfen. Wichtig ist die Größe des Einfluglochs: Für Blaumeisen sollte es nur 26 bis 28 Millimeter Durchmesser haben. So wird verhindert, dass größere Kohlmeisen den Kasten übernehmen.
10. Pestizide schaden auch den Blaumeisen
Wer Blaumeisen fördern möchte, sollte auf Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten. Der Grund ist einfach: Blaumeisen leben zu einem großen Teil von Insekten und anderen kleinen Tieren.
Wer diese mit Pestiziden oder Insektiziden bekämpft, nimmt den Blaumeisen nicht nur Nahrung weg. Die Vögel können die Chemikalien auch über ihre Beute aufnehmen.

Besser sind naturnahe Strukturen, Gehölze, alte Bäume, Hecken/Benjeshecken, Nistkästen, Futterstellen im Winter und eine saubere Badeschale mit täglich frischem Wasser.
Fazit: Klein, schön – und ziemlich clever
Die Blaumeise ist weit mehr als ein hübscher Gartenvogel. Sie ist Akrobatin, Schädlingsjägerin, Höhlenbrüterin und ein erstaunlich intelligenter kleiner Vogel.
Wer ihr im Garten helfen möchte, setzt auf heimische Gehölze, alte Bäume, passende Nistkästen, Wasser, Winterfutter und den Verzicht auf Pestizide – das macht bereits einen großen Unterschied.
Vielleicht schaust du beim nächsten Besuch am Futterhaus also etwas genauer hin – die kleine Blaumeise hat mehr drauf, als man ihr ansieht.

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