Leitfaden: Einen Igel erfolgreich überwintern – so machst du es richtig

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2025

Wenn ein geschwächter oder zu leichter Igel im Herbst plötzlich im Garten auftaucht, stehen viele vor der gleichen Frage: Muss ich ihm helfen – und wenn ja, wie?

Wir selbst erleben jedes Jahr, wie wichtig es ist, rechtzeitig zu erkennen, wann ein Igel Unterstützung braucht – und wann nicht. Gerade Jungigel geraten schnell in Schwierigkeiten, wenn der erste Frost kommt, bevor sie ausreichend Winterspeck angefressen haben. Genau in solchen Fällen können wir einspringen.

In diesem Leitfaden zeigen wir dir Schritt für Schritt, wann eine Überwinterung überhaupt nötig ist, welches Gewicht ein Igel haben sollte, wie du sein Winterquartier vorbereitest, was du füttern musst – und wie du ihn im Frühjahr wieder auswilderst.

Inhaltsverzeichnis
  1. Wann muss ein Igel überwintert werden?
  2. Das richtige Gewicht für den Winterschlaf
  3. Wartezeit nach Medikamenten – warum das so wichtig ist
  4. Ausstattung: Was du für die Überwinterung brauchst
  5. Der ideale Standort für das Igelgehege
  6. So zieht der Igel in das Winterquartier
  7. Winterschlaf: Ablauf, Kontrolle & Störungen
  8. Pflege während warmer Winterphasen
  9. Frühjahr: Aufwachen, Füttern & Auswildern
  10. Igelfutter im Überblick (Rezepte & Mengen)
  11. Was du niemals füttern darfst

1. Wann muss ein Igel überwintert werden?

Nicht jeder Igel, den wir im Herbst finden, braucht Hilfe. Viele suchen einfach nur Futter oder erkunden ein Revier.

Überwintert werden sollten nur Igel, die klar geschwächt oder untergewichtig sind oder die sich aufgrund einer Behandlung nicht mehr rechtzeitig selbst ein Nest bauen können.

Wenn du unsicher bist, ob der Igel wirklich Hilfe braucht, dann schau unbedingt in unseren ausführlichen Artikel Igel in Not erkennen“ vorbei.

Typische Gründe für eine Überwinterung:

  • Der Igel war länger in Pflege/Behandlung.
  • Es gibt bereits Frost und er ist noch viel zu leicht.
  • Der Igel ist tagsüber unterwegs (häufig ein Zeichen von Not oder Krankheit).
  • Du findest ihn unterkühlt, apathisch oder deutlich abgemagert.

Viele junge Igel suchen hektisch nach einem Platz – aber ohne Erfahrung landen sie oft unter Mülltonnen, auf Kiesflächen oder unter dünnem Laub. Das reicht für frostige Nächte nicht aus.

Unser Grundsatz zur Überwinterung

Ein Igel soll immer in der Freiheit bleiben, wenn er den Winter draußen sicher überstehen kann.

Nur Tiere, die wirklich Unterstützung brauchen – etwa weil sie zu leicht, krank oder geschwächt sind – sollten in menschlicher Obhut überwintert werden.

2. Das richtige Gewicht für den Winterschlaf

Damit ein Igel sicher durch den Winter kommt, braucht er genügend Fettreserven. Grobe Richtwerte:

  • Jungigel: 500–600 g
  • Ausgewachsene Igel: 800–1.000 g (je nach Körpergröße)

Diese Werte gelten kurz vor dem Winterschlaf. Ein Igel nimmt im Winterschlaf bis zu 40 % seines Gewichts ab – deshalb ist eine stabile Ausgangsbasis so wichtig.

Wenn du einen Igel pflegst und sein Gewicht kontrollierst, gib ihm erst dann ein Winterquartier, wenn er seine Mindestmarke erreicht hat.

3. Wartezeit nach Medikamenten

Wenn du den Igel von einer Auffangstation oder Pflegestelle übernommen hast, wurde er oft zuvor mit Medikamenten behandelt – das ist vollkommen normal, aber wichtig für die Planung seines Winterschlafs.

Ganz wichtig – und vielen Menschen nicht bewusst:

Ein Igel darf niemals mit Medikamenten im Blut in den Winterschlaf fallen.

Denn während des Winterschlafs arbeitet der Stoffwechsel extrem langsam, und Mittel wie Entwurmung oder Antibiotika könnten schaden.

Deshalb gilt: Mindestens 14 Tage Wartezeit, nachdem ein Medikament gegeben wurde.

Erst wenn alles vollständig abgebaut ist, darf er in den Winterschlaf. Das schützt den Igel und verhindert Risiken.

4. Ausstattung: Was du für die Überwinterung brauchst

Für ein gutes und sicheres Winterquartier benötigst du:

  • Ein geeignetes Igelhäuschen: Am besten mit Labyrinth-Eingang – das schützt vor Katzen, Mardern & Co. Eine Bauanleitung findest du hier: Igelhaus bauen – Schritt für Schritt.
  • Viel Stroh: für den Schlafbereich. Kein Heu (schimmelt) und kein feuchtes Laub.
  • Ein ausbruchsicheres Gehege: mindestens 2 m² groß, mindestens 50 hoch, möglichst wenige Querstreben. Viele nutzen ein Kaninchen-Außengehege.
  • Ein separates Futterhäuschen: Mit kleinem Eingang – damit keine Katzen ans Futter kommen.
  • Trockenfutter für Katzen (Kitten): Kleine Kroketten, perfekt für Wachphasen.
  • Nassfutter für Katzen: Rind oder Geflügel, ohne Soße, zuckerfrei. (z. B. Animonda Carny)
  • Eine Wasserschüssel: Ein Tropfen Leinöl hilft gegen Einfrieren.

👉 Bonus: Wer will, kann noch eine Wildtierkamera einsetzen, um Wachphasen zu kontrollieren – aber das ist kein Muss.

5. Der ideale Standort für das Igelgehege

Ein guter Standort sorgt dafür, dass das Igelhaus geschützt steht, trocken bleibt und der Igel in Ruhe seinen Winterschlaf halten kann.

Wähle am besten einen Platz:

  • an einer Hauswand, Hecke oder Mauer
  • wettergeschützt, aber mit natürlicher Belüftung
  • ohne direkte Sonneneinstrahlung
  • mit Tageslicht (keine dunklen Räume!)

Ist kein wettergeschützter Ort vorhanden, kannst du:

  • die Hälfte des Geheges mit einem Brett überdachen

Geeignete Räume:

  • Gewächshaus ohne giftige Materialien
  • Schuppen
  • Fahrradschuppen
  • kühle Garage

Wichtig: Der Raum benötigt unbedingt ein Fenster, damit Tageslicht hineinfallen kann.

Nicht geeignet für den Winterschlaf sind:

Keller, dunkle Räume, beheizte Räume.

Denn dort spielt der Körper des Igels komplett verrückt – er soll Temperaturen wie draußen haben, sonst wacht er ständig auf.

6. So zieht der Igel in das Winterquartier

1. Igelhaus vorbereiten: Fülle den Schlafbereich großzügig mit Stroh – je mehr, desto besser isoliert das Häuschen.

2. Igel einsetzen: Setz den Igel direkt ins Innere des Hauses, nicht davor. So findet er gleich seinen Schlafplatz.

3. Zudecken: Gib ordentlich Stroh obendrauf. Der Schlafraum darf wirklich gut gefüllt sein, damit er schön warm bleibt.

4. Deckel schließen – und Ruhe gönnen: Schließe das Häuschen und lass den Igel jetzt einfach ankommen. Er braucht in dieser Phase vor allem eines: absolute Ruhe.

In den ersten Tagen bekommt der Igel weiterhin Futter – aber viele Igel stellen das Fressen nach kurzer Zeit von selbst ein und gleiten in den Winterschlaf (sofern es kalt genug ist).

Wenn ein Jungigel trotz frostiger Temperaturen absolut nicht schlafen will (passiert manchmal), dann kannst du Folgendes machen:

Entziehe ihm 3 Tage Futter, stelle aber Wasser bereit. Das simuliert die natürliche Nahrungsknappheit, denn im Winter findet der Igel keinerlei Nahrung.

7. Winterschlaf: Ablauf, Kontrolle & Störungen

Wenn der Igel schläft, wird er nicht gestört. Kein Umräumen, kein Anheben des Hauses, keine lauten Geräusche.

Praktischer Tipp: Klebe ein Stück Toilettenpapier leicht über den Eingang. Wenn es abgerissen ist, weißt du: Der Igel war wach und hat das Haus verlassen.

Energiezufuhr während Aufwachpashen

Unsere heutigen Winter sind unbeständig – Regen, Plusgrade, Frostwechsel. Viele Igel wachen zwischendurch kurz auf. Das passiert häufig, kostet aber Energie.

Deshalb solltest du im Futterhäuschen immer Trockenfutter bereitstellen – das muss im Gegensatz zu Nassfutter nicht konstant ausgetauscht werden und hält auch während kurzer Wachphasen zuverlässig vor.

8. Pflege während Wärmephasen

Bei Temperaturen über ca. 10 Grad für mehrere Tage kann ein Igel:

  • aufwachen
  • herumwandern
  • fressen wollen

Damit das nicht zu Stress wird, gilt:

  • Trockenfutter stets verfügbar halten
  • Nassfutter bei längeren Warmwetterperioden anbieten
  • Frisches Wasser bereitstellen

So überstehen sie diese Wetterkapriolen entspannt.

9. Frühjahr: Aufwachen, Füttern & Auswildern

Sobald es draußen dauerhaft über 10 Grad hat, erwacht der Igel langsam aus dem Winterschlaf.

Viele Igel verlieren bis zu 40 % ihres Gewichts – das ist normal, aber natürlich ein großer Kraftakt.

Die ersten und nächsten Schritte im Frühjahr sind:

1. Den Igel noch 1–2 Wochen im Gehege füttern

Nachdem er aus dem Winterschlaf erwacht ist, braucht er Zeit, um sich zu stärken. Gib ihm täglich Futter, bis er wieder ein gutes Gewicht und ein aktives Verhalten zeigt.

2. Gehege öffnen, sobald er fit genug ist

Wir öffnen erst dann, wenn er ausreichend gefressen hat, sich normal bewegt und einen stabilen Eindruck macht. Ab diesem Moment entscheidet der Igel selbst, wann er hinausgeht.

3. Den Igel ins passende Revier entlassen

Wenn du die Möglichkeit hast, den Igel am ursprünglichen Fundort auszuwildern, ist das immer die beste Wahl – vorausgesetzt, dieser Ort ist igelfreundlich (z. B. ausreichend Verstecke, keine geschlossenen Zäune, wenig Gefahren).

Ist die Rückkehr dorthin nicht möglich, kannst du ihn alternativ in einem anderen geeigneten Revier freilassen, etwa in einem großen, naturnahen Garten oder einem strukturreichen Grünbereich, der Igeln gute Lebensbedingungen bietet.

Du möchtest dem Igel langfristig helfen? Dann schau dir unseren Artikel an, wie du deinen Garten Schritt für Schritt igelfreundlich gestalten kannst.

Für uns immer das Wichtigste:

Ein Igel ist ein Wildtier. Er braucht die Freiheit und darf nicht länger als nötig in einem Gehege bleiben.

10. Igelfutter im Überblick (Rezepte & Mengen)

Rezept und Menge der täglichen Futterration im Herbst und Frühjahr

  • 200–400 g hochwertiges Katzennassfutter: mindestens 60 % Fleischanteil, Rind oder Geflügel.
  • 2–3 EL reines Insektenvogelfutter: z. B. fett- und proteinreiches Spezialfutter.
  • 1–2 TL Haferflocken: für die Ballaststoffe.
  • Ein Spritzer Lein- oder Rapsöl

Alle Zutaten gut vermengen und abends frisch bereitstellen.

Mengen anpassen:

Bleibt regelmäßig viel übrig → Portion etwas reduzieren.

Ist das Schälchen komplett leer → Portion vergrößern.

Für Jungigel unter 200 g:

Kittenfutter statt Adult-Futter.

Geeignete Ergänzungen:

  • Rührei ohne Salz und Fett
  • Gekochtes Geflügelfleisch
  • Gebratenes, ungewürztes Hackfleisch
  • Mehlwürmer oder Zophobas (als Leckerli)

Tipps zur Aufbewahrung der Mehlwürmer und Zophobas:

Die lebenden Insekten ein Sieb setzen und es in eine Schüssel stellen. Mit etwas Salat oder Gras füttern – so leben sie länger.

11. Was du niemals füttern darfst

Bitte gib Igeln niemals:

  • Schnecken
  • Regenwürmer
  • Obst
  • Milch
  • Fisch
  • Essensreste
  • Hundefutter (zu wenig Fleisch)

⚠️ Weit verbreiteter Irrglaube
Schnecken und Regenwürmer gehören nicht zur natürlichen Nahrung von Igeln. Sie tragen häufig Parasiten – und können einen Igel ernsthaft krank machen.

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