Wenn wir im Garten einen Marienkäfer entdecken, zaubert er uns sofort ein Lächeln ins Gesicht. Und das völlig zu Recht – denn dieses kleine Insekt ist ein echtes Naturwunder. Hier kommen 10 spannende Fakten, die zeigen, warum Marienkäfer weit mehr sind als nur hübsche Glücksbringer.
1. Warum sind Marienkäfer so nützliche Insekten im Garten?

Die meisten Arten sind räuberisch und fressen Blattläuse, Spinnmilben, Thripse, Schildläuse und sogar kleine Raupen. Ein einziger Marienkäfer kann im Laufe seines Lebens mehrere tausend Blattläuse vertilgen. Besonders hungrig sind die Larven – sie sind regelrechte „Läuse-Staubsauger“.
2. Gibt es auch schädliche Marienkäferarten?

Auch wenn die meisten Marienkäfer als Nützlinge gelten, gibt es einige wenige Arten, die sich von Pflanzen ernähren. Dazu zählt der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata). Er ernährt sich vor allem von den Blättern bestimmter Pflanzen, wie Klee, Luzerne oder Schafgarbe und tritt stellenweise auch an Zierpflanzen auf. Insgesamt sind solche Arten jedoch die Ausnahme – der Großteil unserer heimischen Marienkäfer unterstützt uns weiterhin zuverlässig bei der natürlichen Schädlingskontrolle.
3. Warum heißt der Marienkäfer eigentlich so?

Der Name „Marienkäfer“ hat seinen Ursprung im Mittelalter. Damals sahen Bauern die Käfer als himmlische Helfer an, weil sie Blattläuse und andere Schädlinge von den Feldern fraßen und so die Ernte schützten. Aus Dankbarkeit brachten sie die Tiere mit der Jungfrau Maria in Verbindung und nannten sie „Marienkäfer“. Auch in anderen Sprachen spiegelt sich diese Bedeutung wider: Im Englischen heißt der Käfer ladybird oder ladybug, was sich ebenfalls auf „Unsere Liebe Frau“ – also Maria – bezieht.
4. Wie verteidigen sich Marienkäfer gegen Feinde?

Bei Gefahr sondert der Marienkäfer aus seinen Gelenken eine gelbliche Flüssigkeit ab. Dieses sogenannte Reflexbluten riecht streng, schmeckt bitter und enthält giftige Alkaloide – ein wirksamer Schutz vor Fressfeinden wie Vögeln oder Ameisen. Zusätzlich signalisiert schon ihre auffällige Färbung „Achtung, ungenießbar!“: Die roten oder gelben Farben dienen als Warnsignal und halten viele Räuber bereits auf Abstand.
5. Stimmt es, dass Punkte das Alter zeigen?

Ein klassischer Mythos besagt, dass die Punkte eines Marienkäfers sein Alter verraten. Tatsächlich stimmt das nicht: Die Anzahl der Punkte ist artspezifisch und bleibt ein Leben lang unverändert. Statt das Alter zu zeigen, helfen uns die Muster dabei, verschiedene Marienkäferarten zu unterscheiden.
6. Wie viele Marienkäferarten gibt es weltweit?

Viele denken beim Marienkäfer sofort an die klassische rote Variante mit schwarzen Punkten. Dabei ist die Vielfalt in dieser Käferfamilie erstaunlich groß: Die Farbpalette reicht von Gelb über Orange bis hin zu Braun oder Schwarz. Manche Arten sind gestreift, andere ganz ohne Punkte, wieder andere tragen auffällige Muster aus Flecken oder Linien. Selbst innerhalb einer einzigen Art können verschiedene Farbformen vorkommen – ein Phänomen, das Fachleute als Farbpolymorphismus bezeichnen. Für Forschende sind diese Unterschiede ein wichtiger Hinweis zur Bestimmung der jeweiligen Art.
7. Wo überwintern Marienkäfer?

Im Herbst suchen Marienkäfer geschützte Verstecke, etwa unter Laubhaufen, in Ritzen von Mauern, unter Baumrinde oder zwischen trockenem Pflanzenmaterial. Häufig sammeln sich dabei viele Tiere an einem Ort und bilden richtige Überwinterungsgruppen. Diese Ansammlungen helfen ihnen, Kälte und Austrocknung besser zu überstehen, weil sich die Körper gegenseitig wärmen und ein stabileres Mikroklima entsteht. Sobald es im Frühjahr wieder wärmer wird, verlassen die Käfer ihre Winterquartiere und machen sich auf die Suche nach Nahrung und Partnern.
8. Wie sehen Marienkäferlarven aus?
Viele Menschen kennen nur den erwachsenen Marienkäfer und sind überrascht, wenn sie zum ersten Mal seine Larven entdecken. Diese sehen nämlich völlig anders aus: Länglich, dunkel gefärbt und mit kleinen Fortsätzen oder Stacheln am Körper, erinnern sie eher an winzige Mini-Alligatoren als an die bekannten Punktkäfer.

Gerade deshalb werden sie häufig übersehen oder sogar versehentlich entfernt, weil sie für unbekannte Insekten gehalten werden. Dabei sind Marienkäferlarven wahre Schädlingsjäger: Schon während ihrer Entwicklung vertilgen sie große Mengen Blattläuse und andere kleine Pflanzenparasiten und leisten damit einen enormen Beitrag zum natürlichen Pflanzenschutz im Garten.
9. Können Marienkäfer fliegen und wandern?

Marienkäfer sind überraschend leistungsfähige Flieger – ihre Flügel schlagen bis zu 75–91 mal pro Sekunde.
In Radarstudien wurden bei hoch fliegenden Tieren Verdriftungsgeschwindigkeiten von bis zu etwa 60 km/h gemessen – beeinflusst durch Wind. Unter idealen Bedingungen wird daraus abgeleitet, dass einzelne Käfer theoretisch bis zu rund 120 km in einem Flug zurücklegen könnten. Meist fliegen sie jedoch deutlich langsamer und kürzer, und starke Luftströmungen können ihren Kurs so stark bestimmen, dass sie nur begrenzt gegensteuern können.
Wenn Nahrung knapp wird oder sich viele Marienkäfer auf engem Raum sammeln, verlassen sie ihr Gebiet häufiger und fliegen auf der Suche nach besseren Bedingungen in neue Lebensräume.
10. Wie lockt man Marienkäfer in den Garten?

Marienkäfer fühlen sich überall dort wohl, wo sie Nahrung, Schutz und geeignete Rückzugsorte finden. Wichtig ist vor allem, auf chemische Pestizide zu verzichten, damit ihre Beutetiere wie Blattläuse überhaupt vorhanden sind und die Käfer nicht geschädigt werden. Ein durchgehendes Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst liefert zusätzlich Pollen und Nektar als Ergänzungsnahrung. Ebenso entscheidend sind strukturreiche Bereiche wie Laubhaufen, Totholz, dichte Stauden oder unaufgeräumte Ecken – dort können sich die Tiere verstecken und überwintern. Sind diese Bedingungen erfüllt, stellen sich Marienkäfer oft ganz von selbst ein und übernehmen die Schädlingskontrolle im Garten.

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