Hochbett selber bauen: DIY-Anleitung für ein langlebiges Kinder- & Jugendbett

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2026

Ein Hochbett zu bauen, war für uns keine spontane DIY-Idee, sondern eine bewusste Entscheidung. Der Raum ist sehr schmal, die Deckenhöhe liegt bei rund 240 cm – klassisches Kinderzimmer-Mobiliar hätte hier einfach nicht gepasst.

Unser Ziel war ein stabiles, modernes Hochbett, das nicht nur jetzt passt, sondern auch in ein paar Jahren noch als Jugendbett funktioniert. Mit Stauraum darunter, einer integrierten Treppe, einem stylishen Rausfallschutz aus Seilen – und der Möglichkeit, den Bereich unter dem Bett später komplett anders zu nutzen.

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie wir unser Hochbett selber gebaut haben: mit Materialien aus dem Baumarkt!

Inhaltsverzeichnis
  1. Planung & Rahmenbedingungen
  2. Materialien & Werkzeuge
  3. Unterkonstruktion & Tragwerk
  4. Matratzenebene & Auflage
  5. Verkleidung mit Akustikpaneelen
  6. Rausfallschutz aus Seilen
  7. Treppe aus alten Schrankkorpussen
  8. Stauraum & Kleiderstange unter dem Bett
  9. Optionale 3D-Druck-Teile und Beleuchtung
  10. Unsere Learnings
  11. FAQ: Häufige Fragen zum Hochbett selber bauen

1. Planung & Rahmenbedingungen

Noch bevor wir auch nur eine Schraube in die Hand genommen haben, war eines bereits klar:

Das Bett muss sich dem Raum anpassen – nicht umgekehrt.

  • Raum: schmal und eher kurz, da die Tür in den Raum aufschlägt, Deckenhöhe ca. 250 cm
  • Bettmaß: ca. 210 × 120 cm
  • Matratze: 200 × 90 cm
  • Treppe: ca. 80 cm tief, gelöst über alte Schrankkorpusse

Wichtig war uns außerdem, dass das Bett nicht wie ein klassisches Kinderhochbett aussieht. Es sollte ruhig, modern und stabil wirken – so, dass es auch im Teenageralter noch passt. Der Bereich unter dem Bett dient aktuell als kleine Ankleide mit Kleiderstange, kann später aber problemlos zu einer Lounge oder TV-Ecke umfunktioniert werden.

Gerade bei schmalen Räumen lohnt es sich, früh über Proportionen, Laufwege und Nutzung nachzudenken. Ein Hochbett funktioniert nur dann gut, wenn es nicht erdrückend wirkt – hier helfen klare Linien, wenig Schnickschnack und eine ruhige Farb- und Materialwahl.

2. Materialien & Werkzeuge

Holz & Konstruktion

Für die tragenden Teile haben wir uns bewusst für gehobelte Fichte im Querschnitt 70 × 70 mm entschieden. Das Holz ist im Baumarkt verfügbar, sehr stabil und lässt sich sauber verarbeiten. Statt eines klassischen Lattenrosts haben wir eine durchgehende Auflage aus 20 mm Birke Multiplex gewählt, auf der später die Matratze liegt.

Warum Multiplex statt Lattenrost?

Die durchgehende Multiplexplatte steift den Rahmen zusätzlich aus, wirkt hochwertig und erhöht sowohl die Gesamtstabilität als auch die Tragfähigkeit des Bettes deutlich.

Eckverbindungen ohne Winkel

Die gesamte Konstruktion kommt bewusst ohne Metallwinkel aus. Stattdessen sind die Ecken mit Holzdübeln (Domino) verbunden und zusätzlich verschraubt. Das sorgt für hohe Stabilität und eine ruhige, aufgeräumte Optik.

Bodenstütze/Pfostenschuh

Die Bodenstütze steht in einem Pfostenschuh aus dem 3D-Druck, damit der Pfosten nicht verrutscht. Alternativ funktioniert hier auch ein kleiner Metallwinkel.

Schrauben & Befestigung

  • M8-Sechskantschrauben zur Wandverankerung
  • passende Dübel
  • Holzschrauben für Rahmen und Auflage

Die stabile Wandverbindung ist bei einem Hochbett besonders wichtig – hier sollte nicht gespart werden.

Rausfallschutz (Seile)

Ein Polypropylenseil ist sehr robust und lässt sich problemlos kräftig spannen und anpassen.

Wandverkleidung

Die Paneele tragen zur modernen Optik bei, wirken aber zugleich warm und gemütlich. Das rückseitige Filz schluckt Geräusche und sorgt für eine angenehmere Raumakustik.

Beleuchtung

Für die Beleuchtung haben wir eine Lichtschiene mit Diffusor verbaut, in die Philips Hue Lightstrips eingelegt sind. Der Diffusor sorgt dafür, dass das Licht weich und gleichmäßig wirkt – ohne einzelne Lichtpunkte oder harte Übergänge.

Werkzeuge

3. Unterkonstruktion & Tragwerk

Bei der Unterkonstruktion muss besonders sorgfältig gearbeitet werden. Sie trägt das gesamte Gewicht des Bettes – inklusive Matratze und Kindern – und ist damit entscheidend für Stabilität und Sicherheit.

So sind wir vorgegangen:

Schritt 1: Ein 210 cm langer Balken wurde waagerecht an der Wand verschraubt.

Wandbefestigung der tragenden Balken

So sind wir vorgegangen:

  • Zuerst haben wir 10-mm-Löcher durch den Balken gebohrt.
  • Anschließend wurden die Schrauben probeweise in die Löcher gesteckt.
  • Der Balken wurde waagrecht ausgerichtet und an die Wand gehalten.
  • Durch kräftige Hammerschläge auf die Schrauben haben sich deren Spitzen in der Wand abgedrückt und die exakten Bohrpunkte markiert.

So lassen sich die Bohrlöcher sehr präzise übertragen, ohne den Balken mehrfach anhalten oder nachmessen zu müssen.

Hinweis: Wandaufbau und Untergrund unbedingt individuell berücksichtigen und Dübel sowie Schrauben entsprechend auswählen.

Schritt 2: Ein zweiter Balken (120 cm) wurde rechtwinklig mit einem langen Balken verbunden (Domino-Verbindung) und ebenfalls an der Wand befestigt. Die lange Seite schwebt dabei frei im Raum.

Rahmenmontage – ideal vs. unsere Lösung

Optimal ist es, die tragenden Balken bereits am Boden zu einem rechteckigen Rahmen zu verbinden und diesen anschließend als komplette Einheit zu montieren. Das erleichtert das exakte Ausrichten und sorgt für eine besonders gute Stabilität.

In unserem Fall war das so nicht praktikabel, da die Montage teilweise von nur einer Person durchgeführt wurde. Deshalb haben wir die Konstruktion aus mehreren Teilen Schritt für Schritt aufgebaut und direkt an der Wand ausgerichtet.

Beide Varianten funktionieren – entscheidend ist eine sichere Verbindung der Balken und eine präzise Ausrichtung während der Montage.

Schritt 3: Das freie Ende wurde zunächst provisorisch auf der Bodenstütze aufgelegt und mit Zwingen gesichert.

Schritt 4: Ein weiterer Balken verbindet die Wandkonstruktion mit der Bodenstütze.

Schritt 5: Alle Balken, die auf der Bodenstütze aufliegen, wurden mit 45-Grad-Gehrung geschnitten und von oben verschraubt.

Schritt 6: Die Bodenstütze wurde mit der Wasserwaage exakt ausgerichtet und am Boden fixiert.

Pfostenschuh – schick und kindersicher

Auch beim Pfostenschuh war uns eine saubere und unaufdringliche Lösung wichtig. Standard-Pfostenschuhe aus dem Baumarkt wirken optisch oft grob und haben spitze Ecken, an denen man leicht mit den Füßen hängenbleibt – gerade im Kinderzimmer ein Nachteil.

Deshalb haben wir uns für einen individuell gestalteten Pfostenschuh aus dem 3D-Druck entschieden. Er hält den Pfosten sicher in Position und hat abgerundete Kanten.

Wenn du einen 3D-Drucker hast, kannst du unsere Druckdatei hier herunterladen und den Pfostenschuh selbst drucken.

Alternativ kannst du den Pfosten auch mit Metallwinkeln fixieren.

4. Matratzenebene & Auflage

Sobald die Unterkonstruktion stabil steht, folgt die Montage der Matratzenebene.

Die Multiplexplatte wird von oben eingeschoben und mit mehreren Schrauben am Rahmen fixiert. Wichtig dabei:

  • immer vorbohren
  • Schrauben versenken
  • sauber arbeiten – die Platte bleibt sichtbar

Die Multiplexplatte ist recht schwer, sorgt aber für eine extrem verwindungssteife Matratzenebene. Im Alltag merkt man das sofort: Nichts federt, nichts knarzt, auch wenn später gespielt oder getobt wird.

5. Verkleidung mit Akustikpaneelen

Die Paneele geben dem Hochbett seinen ruhigen, hochwertigen Look und sorgen gleichzeitig für eine angenehme Raumwirkung.

Akustikpaneele sind im Kinder- oder Jugendzimmer aus unserer Sicht eine ausgezeichnete Wahl:

Sie schlucken Schall, wirken warm und lassen große Flächen schnell aufgeräumt aussehen.

So sind wir vorgegangen:

  • Paneele auf Höhe zuschneiden
  • unter dem Bett und auf der Matratzenebene jeweils vier Paneele
  • Abschluss mit schwarzer Paneel-Abschlussleiste

Befestigt haben wir die Paneele mit doppelseitigem Klebeband und jeweils zwei Schrauben pro Paneel. Das reicht aus, da die Paneele unten auf dem Fußboden und oben auf der Multiplex-Bettplatte aufliegen.

Praxis-Hinweis:

Die Paneele waren breiter als unsere Kappsäge – daher zwei Schnitte pro Paneel. Das funktioniert, macht aber ordentlich Dreck.

6. Rausfallschutz aus Seilen

Da unsere Tochter bereits acht Jahre alt ist, dient der Rausfallschutz bei uns vor allem als optische Sicherheit und als Schutz beim Spielen.

Bei kleineren Kindern müssen die Seile natürlich deutlich enger und straffer gespannt werden.

Unsere Lösung:

  • stirnseitig ein angeschraubtes Brett mit Bohrungen von oben
  • zusätzliche Balken an der Decke mit Lochbohrungen
  • auf der Längsseite Ösen in der Bodenplatte (bei uns aus dem 3D-Druck, alternativ Edelstahl-Ösen)

Seile spannen – Sicherheit & Gestaltung

Beim Spannen der Seile könnt ihr ruhig kreativ werden. Ob sauber parallel geführt oder bewusst kreuz und quer – beides funktioniert. Hier gilt: Alles kann, nichts muss. 😅

Wichtig ist dabei vor allem die Sicherheit:

Je straffer die Seile gespannt sind und je enger die Maschenweite, desto besser schützt der Rausfallschutz. Gerade bei jüngeren Kindern sollte entsprechend eng und stabil gearbeitet werden.

7. Treppe aus alten Schrankkorpussen

Statt einer klassischen Leiter haben wir uns für eine Treppe aus alten Schrankkorpussen entschieden.

  • unten zwei große Korpusse
  • darauf zwei weitere, kleinere als Stufen
  • oben eine Multiplex-Abdeckung passend zum Bett

Die Korpusse sind miteinander verschraubt und bilden eine stabile Einheit. Zusätzlich entsteht Stauraum – und die Treppe wirkt deutlich ruhiger als eine offene Leiter.

Falls du keine passenden Korpusse zur Verfügung hast, kannst du alternativ auch eine klassische Sprossenleiter selbst bauen oder eine fertige Etagenleiter aus Holz verwenden.

8. Stauraum & Kleiderstange unter dem Bett

Unter dem Hochbett hängt aktuell eine Kleiderstange mit 28 mm Durchmesser (Rundholz). Die Halterungen stammen bei uns aus dem 3D-Druck, können aber auch fertig gekauft werden (z. B. U-Rundrohr-Halter 28 mm).

Das Schöne an dieser Lösung: Die Stange lässt sich später einfach entfernen – und aus der kleinen Ankleide wird eine gemütliche Lounge oder TV-Ecke.

9. Optionale 3D-Druck-Teile und Beleuchtung

3D-Druck ist bei diesem Projekt kein Muss, kann aber an ein paar Stellen sinnvoll sein:

  • Pfostenschuh für die Bodenstütze
  • Ösen oder Stangenhalter

Wir haben alles aus mattem PLA gedruckt. Für den Innenbereich ist das für uns, das Filament erster Wahl und liefert ein sehr sauberes, hochwertiges Ergebnis.

Diese Teile haben wir mit dem 3D-Drucker gefertigt

1. Pfostenschuh für die Bodenstütze
Hält den Pfosten sicher in Position, schützt den Boden und vermeidet scharfe Kanten.

👉 Druckdatei: unsere STEP-Datei

2. Ösen/Seilhalter für den Rausfallschutz
Zur Befestigung der Seile an Bodenplatte oder Balken.

👉 Druckdatei: Makerworld

3. Halterungen für die Kleiderstange (Ø 28 mm)
Passend zur Kleiderstange unter dem Bett, sauber und unauffällig.

👉 Druckdatei: Makerworld

Beleuchtung

Die Beleuchtung sollte möglichst unauffällig sein und sich harmonisch ins Gesamtbild einfügen. Da wir im Haus bereits viele Produkte von Philips Hue nutzen, haben wir uns auch hier für Hue Lightstrips entschieden. Verbaut sind sie in einer Aluminium-Leiste mit Diffusor, sodass das Licht gleichmäßig und blendfrei wirkt.

Zusätzlich haben wir einen Bewegungsmelder montiert, der das Licht automatisch einschaltet, sobald jemand unter das Bett tritt – praktisch, besonders abends oder nachts.

10. Unsere Learnings

  • Am aufwendigsten: das Einsetzen der schweren Multiplexplatte und das Zuschneiden der Paneele
  • Was wir anders machen würden: Zu zweit zu arbeiten, macht nicht nur mehr Spaß, sondern hilft auch beim Ausrichten der Konstruktion und erleichtert viele Arbeitsschritte deutlich.

11. FAQ: Häufige Fragen zum Hochbett selber bauen

Wie stabil muss ein selbstgebautes Hochbett sein?

Ein selbstgebautes Hochbett sollte so ausgelegt sein, dass es problemlos mehrere erwachsene Personen gleichzeitig tragen kann. Das sorgt nicht nur für Sicherheit, sondern auch für ein ruhiges Gefühl im Alltag – etwa beim Bettenmachen oder Vorlesen. Entscheidend sind eine stabile Wandverankerung, ausreichend dimensionierte Balken und eine verwindungssteife Konstruktion. Eine durchgehende Auflage aus Multiplex kann zusätzlich zur Aussteifung beitragen und die Gesamtstabilität deutlich erhöhen.

Kann man ein Hochbett auch in einem kleinen oder schmalen Raum bauen?

Ja, gerade in schmalen oder kurzen Räumen kann ein individuell gebautes Hochbett seine Stärken ausspielen. Wichtig ist eine gute Planung: Türöffnungen, Laufwege und Raumhöhe müssen berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu Standardmöbeln lässt sich ein DIY-Hochbett exakt an die Raumsituation anpassen – zum Beispiel mit freischwebenden Konstruktionen, Wandmontage oder integrierten Stauraumlösungen unter dem Bett.

Welche Maschenweite ist beim Rausfallschutz aus Seilen sinnvoll?

Die geeignete Maschenweite hängt stark vom Alter des Kindes ab. Für jüngere Kinder sollten die Seile engmaschig und straff gespannt sein, um ein Durchrutschen zuverlässig zu verhindern. Bei älteren Kindern kann der Rausfallschutz lockerer gestaltet werden und dient dann eher als optische und spielerische Sicherheit. Grundsätzlich gilt: Je enger und straffer die Seile gespannt sind, desto höher ist der Schutz.

Ist eine durchgehende Platte besser als ein Lattenrost?

Eine durchgehende Platte bietet mehrere Vorteile gegenüber einem klassischen Lattenrost. Sie steift den Rahmen zusätzlich aus, erhöht die Tragfähigkeit und sorgt für eine sehr ruhige, massive Konstruktion ohne Knarzgeräusche. Gerade bei Hochbetten, die langfristig genutzt werden sollen, ist das ein großer Vorteil. Wichtig ist, auf ausreichende Belüftung der Matratze zu achten.

Braucht man für ein Hochbett unbedingt Metallwinkel?

Nein, ein Hochbett lässt sich auch ohne sichtbare Metallwinkel stabil bauen. Alternativen sind Holzdübel und -lamellen.

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