10 faszinierende Fakten über Blattläuse

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2026

Blattläuse gehören zu den bekanntesten Insekten im Garten – und gleichzeitig zu den am meisten unterschätzten. Häufig fallen sie erst auf, wenn Pflanzen geschwächt wirken, Blätter sich kräuseln oder klebrige Beläge zurückbleiben. Dann gelten sie schnell als reine Schädlinge.

Dabei sind Blattläuse biologisch hochinteressante Tiere mit erstaunlichen Fähigkeiten: Sie vermehren sich ohne Männchen, leben in enger Partnerschaft mit Ameisen, reagieren flexibel auf Stresssituationen und existieren bereits seit Hunderten Millionen Jahren. Wer genauer hinschaut, entdeckt ein komplexes Zusammenspiel aus Anpassung, Überlebensstrategien und ökologischen Wechselwirkungen.

In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf Blattläuse – verständlich erklärt und mit spannenden Einblicken in ihr verborgenes Leben.

1. Blattläuse sind echte Urzeitbewohner

Blattläuse leben seit über 200 Millionen Jahren auf unserem Planeten. Weltweit sind rund 5000 Arten bekannt, davon kommen mehr als 800 Arten in Mitteleuropa vor. Die meisten heimischen Blattläuse sind winzig: Sie werden meist nur 1–3 Millimeter groß, Exemplare mit über 6 Millimetern gelten bereits als Ausnahme.

2. Sie vermehren sich fast das ganze Jahr ohne Männchen

Ein Blattlausjahr beginnt mit einem Ei. Die daraus schlüpfenden Tiere sind jedoch ausschließlich ungeflügelte Weibchen. Diese vermehren sich über viele Monate ungeschlechtlich, also ohne Befruchtung.

Ein einzelnes Weibchen kann täglich bis zu fünf genetisch identische Nachkommen (Klone) zur Welt bringen. Unter günstigen Bedingungen wachsen Blattlauskolonien daher explosionsartig an.

3. Männchen kommen nur bei Bedarf zum Einsatz

Erst gegen Ende des Sommers kommen wieder Männchen zur Welt. Die letzte Generation ist dann auch wieder geflügelt, da zur Eiablage (Überwinterungsei) häufig die Wirtspflanze gewechselt wird.

Bei Nahrungsmangel oder Stress, etwa nach einem Angriff durch Florfliegenlarven oder Marienkäfer, können Blattläuse sogar kurzfristig auf geflügelte Nachkommen „umschalten“, die dann den unsicheren Standort verlassen können und somit den Fortbestand sichern.

4. Blattläuse zapfen gezielt die Leitungsbahnen von Pflanzen an

Mit ihrem Saugrüssel stechen Blattläuse die Leitungsbahnen von Pflanzen an, in denen Wasser und Nährstoffe transportiert werden. Besonders begehrt sind Eiweiße, die im Pflanzensaft jedoch nur in geringer Konzentration vorkommen.

5. Zucker können sie nicht verwerten – Honigtau entsteht

Der Pflanzensaft enthält große Mengen Kohlenhydrate (Zucker). Blattläuse können diese nicht nutzen, da sie Kohlenhydrate nicht verstoffwechseln können. Diese werden daher als zuckerreicher Honigtau wieder ausgeschieden.

6. Ameisen sind ihre wichtigsten Partner

Im Honigtau enthaltene spezielle Zuckerstoffe wirken als Botenstoff und locken Ameisen an. Die Ameisen übernehmen dann eine Art Putzdienst, indem sie den klebrigen Honigtau der Blattläuse fressen/entfernen. Ohne diese Hilfe würde der Honigtau bei vielen Blattlausarten den Hinterleib verkleben oder die Tiere sogar bewegungsunfähig machen. Im Gegenzug erhalten Ameisen eine wertvolle Kohlenhydratquelle.

Viele Ameisenarten bewachen Blattläuse aktiv, tragen sie zu neuen Pflanzen und verteidigen sie gegen Fressfeinde wie Marienkäfer- oder Florfliegenlarven.

7. Die Fürsorge der Ameisen kann drastisch werden

Um ihre „Honigkühe“ unter Kontrolle zu halten, greifen Ameisen mitunter hart durch: Sie beißen Blattläusen die Flügel ab oder sondern Stoffe ab, die die Blattläuse ruhigstellen und ihre Beweglichkeit einschränken. So verhindern die Ameisen, dass ihre Honigtauquelle einfach davonfliegt.

8. Blattläuse können gefährliche Pflanzenviren übertragen

Beim Saugen können Blattläuse Pflanzenviren übertragen, was besonders in der Landwirtschaft problematisch ist.

Bekannte Beispiele sind:

  • die Strichelkrankheit der Kartoffel
  • der Gerstengelbverzwergungsvirus, der Weizen und Gerste schwächt

Befallene Pflanzen zeigen oft Wuchsrückstand und Gelbfärbungen, ganze Felder können betroffen sein.

9. Pflanzen wehren sich – Blattläuse kontern

Pflanzen versuchen, die Einstichwunden rasch zu verschließen. Blattläuse geben jedoch mit ihrem Speichel spezielle Proteine ab, die diesen Wundverschluss gezielt verhindern. So bleibt der Zugang zu den Leitungsbahnen offen.

10. Nicht alle Blattläuse leben offen auf Blättern

Nicht alle Blattläuse sitzen offen auf Blättern oder Stängeln. Einige Arten, die sogenannten Gallenläuse, leben geschützt im Inneren von Pflanzengewebe. Dazu stechen sie bestimmte Pflanzenteile an. Die Pflanze reagiert darauf mit einer Abwehrreaktion, bei der sich das Gewebe gezielt verändert. Enzyme aus dem Speichel der Blattläuse beeinflussen diesen Prozess, sodass sich eine Galle bildet – eine auffällige Verdickung oder Wucherung des Pflanzengewebes, welche die Blattläuse umschließt und vor äußeren Einflüssen schützt.

Typische Beispiele sind:

  • blasenartige Beutel an Ulmenblättern
  • ananasähnliche Verwachsungen an Nadelbäumen (Fichtengallenläuse)
  • spiralige Gallen an Pappelblattstielen

Öffnet man solche Gallen, finden sich darin oft ganze Blattlausfamilien.

Blattläuse im Garten – was tun?

Blattläuse sind faszinierende Insekten, können im Garten aber dennoch lästig werden. Wer ihren Bestand reduzieren möchte, sollte auf naturnahe und schonende Methoden setzen, die das ökologische Gleichgewicht nicht stören.

Dazu gehören unter anderem:

  • die Förderung von Nützlingen wie Marienkäfern oder Schlupfwespen
  • ein regelmäßiger, kräftiger Wasserstrahl, besonders bei Rosen und robusten Stauden
  • pflanzliche Stärkungsmittel wie Brennnessel- oder Wurmfarn-Jauche
  • Neemölhaltige Präparate

Ausführlich gehen wir auf diese und weitere Maßnahmen in unserem Artikel „Blattläuse im Naturgarten bekämpfen: Natürliche Methoden für gesunde Pflanzen“ ein. Dort zeigen wir, wie sich Blattläuse wirksam eindämmen lassen, ohne Nützlinge zu gefährden oder chemische Mittel einzusetzen.

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