Brennnesseln gehören für viele Gärtner:innen zu den lästigsten „Unkräutern“. Dabei steckt in ihnen ein echtes Garten-Superfood für Pflanzen.
Wir nutzen Brennnesseljauche jedes Jahr in unserem Garten – vor allem für Tomaten, Zucchini und andere Starkzehrer. Sie ist kostenlos, einfach herzustellen und liefert Pflanzen genau die Nährstoffe, die sie für kräftiges Wachstum brauchen.
Das Beste daran: Die Zutaten wachsen meistens direkt im Garten oder am Wegesrand.
In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du Brennnesseljauche herstellst, richtig verdünnst und im Garten einsetzt.
Inhaltsverzeichnis
Warum Brennnesseljauche der perfekte Dünger ist
Brennnesseljauche ist ein natürlicher Flüssigdünger, der Pflanzen schnell verfügbare Nährstoffe liefert. Während der Gärung werden die Inhaltsstoffe der Brennnesseln aus dem Pflanzengewebe gelöst und gehen in die Flüssigkeit über. Dadurch können Pflanzen die Nährstoffe besonders leicht über ihre Wurzeln aufnehmen.

Brennnesseln enthalten von Natur aus viele Mineralstoffe und Spurenelemente, die für gesundes Wachstum wichtig sind.
Die wichtigsten Nährstoffe der Brennnesseljauche sind:
| Nährstoff | Wirkung im Garten |
|---|---|
| Stickstoff | fördert kräftiges Blattwachstum |
| Kalium | stärkt Pflanzenzellen und erhöht die Widerstandskraft |
| Eisen | unterstützt die Bildung von Blattgrün |
| Spurenelemente | fördern ein gesundes Pflanzenwachstum |
Deshalb eignet sich Brennnesseljauche besonders gut für Starkzehrer wie Tomaten, Kürbis oder Zucchini, die einen hohen Nährstoffbedarf haben.
Brennnesseljauche herstellen – Schritt-für-Schritt-Anleitung
Brennnesseljauche herzustellen, ist einfacher, als viele denken. In unserem Garten setzen wir jedes Jahr mehrere Eimer an – vor allem für Tomaten, Zucchini und andere Starkzehrer. Die meiste Arbeit besteht eigentlich nur darin, die Brennnesseln zu sammeln.
Das benötigst du, um Brennnesseljauche anzusetzen
Mit diesen wenigen Zutaten kannst du innerhalb von etwa zwei Wochen einen kostenlosen Bio-Dünger herstellen.
- etwa 1 kg frische Brennnesseln
👉 alternativ 150 bis 200 g getrocknete Brennnesseln - 10 Liter Wasser
- einen Eimer aus Kunststoff, Holz oder Ton
- einen Stock zum Umrühren
- optional eine Handvoll Steinmehl (reduziert den üblen Geruch, der bei der Gärung entsteht)
Wichtig: Metallgefäße sind ungeeignet, da während der Gärung chemische Reaktionen mit der Jauche auftreten können.
Schritt 1: Brennnesseln sammeln
Am besten eignen sich junge Brennnesseln vor der Blüte. Zu diesem Zeitpunkt enthalten sie besonders viele Nährstoffe und haben noch keine Samen gebildet.
Wir schneiden die Pflanzen einfach mit einer Gartenschere ab und sammeln sie direkt in einem Eimer.

Tipp: Handschuhe nicht vergessen – die Brennhaare können ziemlich unangenehm sein.
Schritt 2: Brennnesseln zerkleinern
Je kleiner die Pflanzenstücke sind, desto schneller startet die Gärung.
Du kannst die Brennnesseln zum Beispiel:
- zerreißen
- oder mit der Gartenschere klein schneiden
Schritt 3: Mit Wasser aufgießen

Jetzt werden die Brennnesseln vollständig mit Wasser übergossen.
Das klassische Verhältnis lautet: 1 kg Brennnesseln auf 10 Liter Wasser
Am besten eignet sich dafür:
- Regenwasser
- oder abgestandenes Leitungswasser
Frisches Leitungswasser enthält oft Chlor oder andere Zusätze, welche die Gärung etwas bremsen können.
Schritt 4: Gärung starten

Der Eimer sollte nun an einen warmen und sonnigen Platz im Garten gestellt werden.
Innerhalb weniger Tage beginnt die Gärung. Typische Anzeichen sind:
- Schaumbildung
- intensiver Geruch
- dunklere Farbe der Flüssigkeit
Wir rühren die Jauche einmal täglich um. Dadurch gelangt Sauerstoff in die Mischung und die Zersetzung läuft deutlich schneller ab.
Schritt 5: Wann ist Brennnesseljauche fertig?

Die Brennnesseljauche ist meist nach 10 bis 14 Tagen fertig.
Du erkennst das daran, dass:
- sich kein neuer Schaum bildet
- die Flüssigkeit deutlich dunkel geworden ist
- die Pflanzenreste weitgehend zersetzt sind
Jetzt kann die Jauche durch ein Sieb oder ein Tuch gefiltert werden.
Die festen Pflanzenreste werfen wir übrigens nicht weg – sie eignen sich hervorragend als Mulch oder als Zusatz für den Kompost.
Tipp: Wenn du dir das spätere Sieben sparen möchtest, kannst du vor dem Ansetzen der Jauche ein großes Leinentuch oder ein altes Baumwolltuch in den Eimer legen. Gib die Brennnesseln darauf und gieße das Wasser darüber. Nach der Gärung hebst du die Pflanzenreste vorsichtig zusammen mit dem Tuch heraus.
Brennnesseljauche richtig verdünnen
Brennnesseljauche ist ein sehr konzentrierter natürlicher Dünger. Unverdünnt ist sie für die meisten Pflanzen zu stark und kann Wurzeln schädigen. Deshalb sollte Brennnesseljauche vor der Anwendung immer mit Wasser verdünnt werden.
Das passende Mischverhältnis hängt davon ab, welche Pflanzen du düngen möchtest.
| Anwendung | Mischverhältnis |
|---|---|
| normale Düngung | 1 : 10* |
| junge Pflanzen | 1 : 20** |
| Starkzehrer (z. B. Tomaten, Zucchini) | 1 : 10* |
* 1 Liter Brennnesseljauche + 10 Liter Wasser
** 1 Liter Brennnesseljauche + 20 Liter Wasser oder 0,5 Liter Jauche auf 10 Liter Wasser
Wir gießen die verdünnte Brennnesseljauche immer direkt an die Wurzeln der Pflanzen. Die Blätter sollten möglichst nicht benetzt werden.
Welche Pflanzen profitieren besonders von Brennnesseljauche?
Brennnesseljauche eignet sich besonders gut für sogenannte Starkzehrer. Das sind Pflanzen, die viele Nährstoffe benötigen und während der Wachstumsphase stark von zusätzlichem Dünger profitieren.
Als natürlicher Flüssigdünger liefert Brennnesseljauche vor allem Stickstoff, der das Blattwachstum und die Entwicklung kräftiger Pflanzen fördert.

Besonders gut geeignet ist Brennnesseljauche zum Beispiel für:
- Tomaten
- Zucchini
- Kürbis
- Kohl
- Gurken
- Paprika
- Kartoffeln
Diese Gemüsepflanzen haben einen hohen Nährstoffbedarf und reagieren meist sehr positiv auf regelmäßige Düngung mit Brennnesseljauche.
Wir nutzen sie in unserem Garten vor allem bei Tomaten und Zucchini, weil man dort oft schon nach kurzer Zeit ein deutlich kräftigeres Wachstum sieht.
Wie oft sollte man Brennnesseljauche verwenden?
Brennnesseljauche sollte in der Regel einmal pro Woche als Dünger verwendet werden. Dieses Intervall hat sich auch in unserem Garten bewährt.
Bei Starkzehrern wie Tomaten, Zucchini oder Kürbis kann die Düngung bei starkem Wachstum auch etwas häufiger erfolgen – etwa alle 5 bis 7 Tage.
Wichtig ist jedoch, es nicht zu übertreiben. Zu viel Stickstoff führt dazu, dass Pflanzen sehr viel Blattmasse, aber weniger Blüten und Früchte entwickeln.
Warum Brennnesseljauche so stark riecht
Viele sind überrascht, wie intensiv Brennnesseljauche riechen kann. Der starke Geruch entsteht während der Gärung der Pflanzenbestandteile.
Dabei zersetzen Mikroorganismen die Brennnesseln. In diesem Prozess entstehen unter anderem Schwefelverbindungen, die den typischen, oft als sehr streng empfundenen Geruch verursachen.
Zum Glück gibt es einen einfachen Trick, um den Geruch etwas zu reduzieren.
Wir geben beim Ansetzen der Brennnesseljauche immer eine kleine Menge Steinmehl (z. B. Urgesteinsmehl) in den Eimer.
Dieses Mineralmehl kann einen Großteil der Geruchsstoffe binden und die Gärung etwas stabilisieren.
Hilft Brennnesseljauche gegen Blattläuse?
Brennnesseljauche wird häufig mit natürlichen Pflanzenschutzmitteln verwechselt. Tatsächlich dient sie in erster Linie als Dünger für Gartenpflanzen.

Zur Bekämpfung von Blattläusen wird stattdessen meist ein Brennnessel-Sud verwendet.
Unterschied Brennnesseljauche und Brennnesselsud:
| Mittel | Verwendung |
|---|---|
| Brennnesseljauche | natürlicher Dünger |
| Brennnessel-Sud | kann gegen Blattläuse eingesetzt werden |
Für einen Brennnessel-Sud werden Brennnesseln nur 12 bis 24 Stunden in Wasser eingeweicht. Anschließend wird die Flüssigkeit abgeseiht und direkt auf die befallenen Pflanzen gesprüht.
Der Sud sollte möglichst frisch verwendet werden, da seine Wirkung nach wenigen Tagen deutlich nachlässt.
Häufige Fehler beim Ansetzen von Brennnesseljauche
Beim ersten Ansatz von Brennnesseljauche passieren schnell kleine Fehler. Die meisten lassen sich jedoch leicht vermeiden.
Zu den häufigsten Problemen gehören:
Metallgefäße verwenden
Metall kann mit der Jauche reagieren und den Gärprozess beeinträchtigen. Verwende deshalb besser Eimer aus Kunststoff, Holz oder Ton.
Zu wenig Wasser
Die Brennnesseln sollten vollständig mit Wasser bedeckt sein. Ragen Pflanzenteile aus der Flüssigkeit heraus, werden sie nicht richtig zersetzt und können schimmeln.
Nicht umrühren
Während der Gärung sollte die Brennnesseljauche regelmäßig umgerührt werden. Dadurch gelangt Sauerstoff in die Mischung und die Zersetzung läuft schneller ab.
Unverdünnt düngen
Brennnesseljauche ist sehr konzentriert. Wird sie unverdünnt verwendet, kann sie die Wurzeln empfindlicher Pflanzen schädigen.
Was passiert mit den Brennnesselresten aus der Jauche?

Nach dem Filtern der Brennnesseljauche bleiben meist weiche Pflanzenreste übrig. Diese müssen jedoch nicht entsorgt werden – im Gegenteil: Sie lassen sich im Garten hervorragend weiterverwenden.
Wir nutzen die Brennnesselreste zum Beispiel als:
- Mulch unter Tomaten oder Zucchini
- Zusatz für den Kompost
- organische Bodenverbesserung im Gemüsebeet
Die Pflanzenreste enthalten noch organische Substanz und Restnährstoffe und können beim Verrotten den Boden verbessern.
So wird aus den Brennnesseln wirklich alles sinnvoll im Garten genutzt.
Fazit: Brennnesseljauche ist einer der einfachsten Dünger im Garten
Brennnesseljauche gehört für uns zu den einfachsten und gleichzeitig effektivsten natürlichen Düngern im Garten.
Mit wenig Aufwand lässt sich aus Brennnesseln ein nährstoffreicher Flüssigdünger herstellen, der besonders Starkzehrer wie Tomaten, Zucchini oder Kürbis hervorragend versorgt.
Das Beste daran: Die Zutaten wachsen oft direkt vor der Haustür und kosten nichts.
Wenn du Brennnesseln im Garten hast, lohnt es sich also fast immer, daraus Brennnesseljauche herzustellen und als natürlichen Dünger zu nutzen.
Wusstest du schon?
Brennnesseln sind nicht nur ein wertvoller Dünger im Garten – sie sind auch eine der wichtigsten Raupenfutterpflanzen für Schmetterlinge.
Arten wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral oder Landkärtchen legen ihre Eier gezielt auf Brennnesseln ab. Die Raupen ernähren sich anschließend von den Blättern.

Wenn du also ein paar Brennnesseln im Garten stehen lässt, unterstützt du ganz automatisch die Entwicklung vieler heimischer Schmetterlinge.
FAQ Brennnesseljauche
Brennnesseljauche muss in der Regel 10 bis 14 Tage gären, bis sie fertig ist. Du erkennst das daran, dass keine neue Schaumbildung mehr entsteht und die Flüssigkeit dunkel geworden ist.
Ja, wenn sie falsch angewendet wird. Gelangt unverdünnte Brennnesseljauche auf die Blätter, kann sie Blattverbrennungen verursachen. Deshalb wird sie im Garten meist verdünnt und direkt im Wurzelbereich der Pflanzen gegossen.
Brennnesseljauche ist mehrere Wochen bis Monate haltbar, wenn sie kühl und dunkel gelagert wird. Am besten bleibt sie in einem geschlossenen Eimer an einem schattigen Platz im Garten.
Ja, auch getrocknete Brennnesseln eignen sich für Brennnesseljauche. Etwa 150 bis 200 g getrocknete Brennnesseln entsprechen ungefähr 1 kg frischen Pflanzen.

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